Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nano-Schablonen erleichtern chemische Synthesen

08.07.2009
Die Chemiker der Universität Bonn können sich über Fördergelder aus dem Säckel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) freuen: Für ihren Sonderforschungsbereich 624 erhalten sie in den kommenden vier Jahren 7,1 Millionen Euro.
Im SFB 624 geht es um die so genannten Template - das sind Nano-Schablonen, mit denen sich in sehr effizienter Weise Moleküle synthetisieren lassen. Es ist bereits das zweite Mal, dass die DFG ihre Förderung für den SFB 624 verlängert.

So wie Architekten und Baumeister in einer Person fühlen sich oft die Bonner Chemiker. Sie entwerfen nicht nur neue Moleküle oder komplexe Molekülansammlungen, sondern verwirklichen ihre Pläne auch im Labor. Dabei greifen sie gerne auf einen zuverlässigen Helfer zurück: Template.

Template, ein anderes Wort für Schablonen, geben einer Ansammlung von Objekten eine bestimmte Form. Dabei sind Template keine Erfindung der Bonner Chemiker. Ob bei der Produktion von Ziegeln, CDs oder gar Muffins - überall werden Schablonen eingesetzt, wenn etwas schnell, effizient, ökonomisch und in großer Stückzahl hergestellt werden soll. Die Schablone bestimmt Form, Größe, Aussehen und die mögliche Funktion des Produkts.

"Chemische Template sind Molekülschablonen", erklärt der Sprecher des SFB 624 Professor Dr. Sigurd Höger. "Sie bestehen aus Atomen, Molekülen oder Ionen und können fest oder auch flüssig sein. Gemeinsam ist ihnen, dass sie im Nanometerbereich arbeiten." Wie in der makroskopischen Welt bestimmt auch hier das Templat das Aussehen des Produkts. Die Natur nutzt diese Vorgehensweise schon lange, z.B. bei der Verdopplung des Erbmoleküls DNA während der Zellteilung. DNA besteht aus zwei Strängen, die zueinander komplementär sind. Bei der Zellteilung trennen sich diese beiden Stränge. Jeder Einzelstrang dient dann als Molekülschablone, mit deren Hilfe die Zellenzyme den fehlenden zweiten Strang synthetisieren können.

Im SFB 624 werden Template in all ihren Facetten untersucht. In 19 Projekten stellen die Bonner Chemiker im Zusammenspiel von Theorie und Experiment neue Template her, klären ihre Struktur und untersuchen ihre Funktion. Ziel ist es, die grundlegenden Eigenschaften von Templaten zu verstehen und neue Templateffekte aufzudecken und zu nutzen. So lassen sich mit Templaten Oberflächen strukturieren und Sensoren oder Medikamente entwickeln.

"Die Nano-Schablonen vereinfachen es, Moleküle wie Flüssigkristalle oder Enzymemodelle nach Wunsch herzustellen", betont Höger. "Ohne Templateffekt wäre das nicht oder nur mit enormem Aufwand möglich. Effektive Synthesen sind aber nicht nur ökonomisch, sie schützen die Umwelt. So kommt die chemische Grundlagenforschung direkt uns allen zu Gute."

Mit der jetzt bewilligten dritten Förderperiode sind in der Chemie parallel zwei Sonderforschungsbereiche beheimatet. Professor Höger: "Das ist ein schöner Beleg für die Leistungsfähigkeit der Bonner Fachgruppe Chemie."

Kontakt:
Prof. Dr. Sigurd Höger
Kekulé-Institut für Organische Chemie und Biochemie
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Telefon: 0228/73-3495
E-Mail: hoeger@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise