Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

My bonnie is over the ocean – Süßwasser-Schildkröte überwindet zwecks Fortpflanzung Ägäisches Meer

04.04.2014

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden haben gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam die weitverbreitete Süßwasserschildkröte Mauremys rivulata untersucht. Trotz geographischer Barrieren sind die Schildkröten in ihrem riesigen Verbreitungsgebiet genetisch sehr ähnlich. Dies deutet darauf hin, dass die Tiere hunderte Kilometer Meer überqueren, um sich mit ihren Artgenossen fortzupflanzen. Die zugehörige Studie erscheint heute im Fachjournal „Zoologica Scripta“.

Mauremys rivulata ist eine höchstens 24 Zentimeter große Schildkröte, die sich in und an Seen und Bächen im Gebiet der östlichen Mittelmeerländer von Südosteuropa und Griechenland über die westliche Türkei bis in den Libanon sowie in Israel, Syrien und auf den Inseln Kreta und Zypern tummelt und wohl fühlt.


Mauremys rivulata – hier in ihrem natürlichen Lebensraum am Bachufer

© M. Vamberger


Resultat der Meeresüberquerung: Junge Mauremys rivulata

© M. Vamberger

Die weite Verbreitung der Panzerträger nahm die Forschergruppe von Prof. Dr. Uwe Fritz, Geschäftsführender Direktor bei Senckenberg Dresden, zum Anlass, die Schildkrötenart genauer zu untersuchen.

„Durch die vielen geographischen Barrieren im Lebensraum dieser Süßwasser-Schildkröten – allen voran das Ägäische Meer – sind wir davon ausgegangen, dass es viele genetisch unterschiedliche Populationen gibt. Dem lag die Überlegung zugrunde, dass der Genfluss zwischen den einzelnen Vorkommensgebieten fehlt, da das Meer die Populationen voneinander isoliert.“, erzählt Fritz.

Es zeigte sich jedoch ein völlig anderes Bild: Mit verschiedenen genetischen Methoden untersuchten die Wissenschaftler 340 Schildkröten-Proben von insgesamt 63 Lokalitäten, die sich über das gesamte Verbreitungsgebiet verteilten. „Das Erstaunliche ist, dass selbst räumlich weit voneinander entfernte Schildkröten ein nahezu identisches genetisches Muster zeigen“, erklärt Fritz. Die Schildkröten müssen demnach einen Weg gefunden haben, ihre Gene über weite Distanzen – und über hunderte Kilometer Meeresstrecken hinweg – auszutauschen.

Doch wie schaffen es die Tiere, auf beiden Seiten der Ägäis zu leben, ohne dass sich im Laufe der Zeit eine eigenständige Art entwickelte? „Eine Idee wäre, dass die Schildkröten von Menschen in die verschiedenen Regionen gebracht wurden und sich so der Genpool immer wieder mischen konnte.“, erklärt Melita Vamberger, die Erstautorin der Studie, und ergänzt „Doch Mauremys rivulata wurde – im Gegensatz zu anderen Schildkröten – nie gern gegessen, weil diese Tiere furchtbar stinken. Es gab und gibt daher keinen ersichtlichen Grund, die Schildkröten im großen Stil zu transportieren.“

So blieb für die Forscher nur noch eine, auf den ersten Blick abwegige Möglichkeit: „Wir gehen davon aus, dass diese Süßwasser-Schildkröte regelmäßig über das Meer verbreitet wird. Vermutlich werden Schildkröten immer wieder über Stürme aus ihren Lebensräumen in Küstensümpfen ins Meer verfrachtet und dort können sie offenbar lange überleben. So lange, bis sie irgendwo wieder an eine Küste gespült werden. Dieser gelegentliche Austausch reicht!“
Tatsächlich wurde vor einiger Zeit eine Mauremys rivulata auf offener See bei Zypern gefangen, was diese Hypothese unterstützt.
Und was eine Schildkröte kann, ist auch für andere eine denkbare Option. „Es sei gut möglich“, meint Fritz, „dass auch weitere Süßwasserarten den Weg übers Meer nehmen.“ Dies hätte dann auch weitreichende Folgen für die Schutzmaßnahmen der verschiedenen, häufig bedrohten Schildkrötenarten.

Kontakt
Prof. Dr. Uwe Fritz
Senckenberg Naturhistorische
Sammlungen Dresden
Tel. 0351 - 795841 4326
Uwe.Fritz@senckenberg.de

Melita Vamberger
Senckenberg Naturhistorische
Sammlungen Dresden
Tel. 0351 795841 4328
melita.vamberger@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Vamberger, M., Stuckas, H., Ayaz, D., Lymberakis, P., Široký, P. & Fritz, U. (2014). Massive transoceanic gene flow in a freshwater turtle (Testudines: Geoemydidae: Mauremys rivulata). – Zoologica Scripta

Weitere Informationen:

http://www.senckenberg.de/presse

Judith Jördens | Senckenberg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Cockpit für Kühlgeräte

20.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Hausschwamm als Chemiker

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie