Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mona Lisas Geheimnis

18.08.2010
Röntgenfluoreszenzspektroskopie enthüllt Da Vincis erstaunliche Sfumato-Maltechnik

Das mystische Lächeln der Mona Lisa zieht auch heute noch Betrachter in seinen Bann. Leonardo da Vinci hat die Perfektion und Finesse seiner Bilder dank einer von ihm perfektionierten Technik erreicht, die als Sfumato (italienisch für „neblig“, „verschwommen“) bezeichnet wird.

Dabei werden mehrere Farbschichten übereinander aufgetragen. Die Farben „verschwimmen“ und verleihen dem Gesicht eine geheimnisvolle Ausstrahlung. Philippe Walter und ein Team vom Louvre in Paris hat nun die Gesichter in sieben dem Meister zugeschriebenen Gemälden mit einer neuen nichtinvasiven Röntgenfluoreszenz-Technik untersucht. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, ist Mona Lisas Geheimnis eine in vielen hauchdünnen Schichten aufgetragene transparente Lasur.

Da Vincis Technik ist faszinierend. Die Abstufung der Farbtöne von hell nach dunkel ist kaum wahrnehmbar und wirkt natürlich. „Kein Pinselstrich, keine Kontur ist zu sehen, Licht und Schatten verschwimmen ineinander wie Rauch,“ sagt Walter. Wie diese Sfumato-Technik im Detail funktionierte, konnte bisher nicht geklärt werden. Walter und seine Kollegen haben sich nun mit einer zerstörungsfreien Untersuchungsmethode, der Röntgenfluoreszenzspektroskopie, auf die Spur des Geheimnisses gesetzt. Das Gemälde wird dabei mit Röntgenstrahlung bestrahlt. Jedes chemische Element sendet dann ein charakteristisches Fluoreszenzlicht aus, anhand dessen es quantifiziert werden kann.

„Bisher ließ diese Methode nur qualitative Aussagen zu, denn die übereinander liegenden Pigmentschichten wurden gleichzeitig analysiert,“ berichtet Walter. „Dank technischer Fortschritte und einer neuen Software konnten wir nun auch eine Auflösung über den Querschnitt der Schichten erreichen und Zusammensetzung und Dicke der einzelnen Farbschichten quantitativ analysieren.“ Die sieben untersuchten Gemälde – unter anderem die Mona Lisa – überspannen mehr als 40 Jahren der Schaffensperiode des Meisters.

Bei der Mona Lisa entstanden die dunkleren Bereiche, indem eine manganhaltige Lasurschicht dicker aufgetragen wurde als in den helleren. Die darunterliegenden hellen Bleiweiß-haltigen Schichten sind dagegen überall gleich stark. Anders beim etwa zehn Jahre früher datierten Gemälde „Belle Ferronnière“: „Hier entstehen die Schatteneffekte nicht durch eine durchscheinende Lasur, sondern Da Vinci scheint hier noch eine deckende Farbschicht, dunkle Pigmente in einer klassischen Öltechnik, verwendet zu haben,“ so Walter. „Der Meister hat seine Maltechnik immer weiter perfektioniert. In seinen späteren Gemälden war er dann in der Lage, durchscheinende Schichten aufzubringen, die aus bis zu 30 nur wenige Mikrometer dicken Filmen eines organischen Bindemittels bestand – auch aus heutiger Sicht eine erstaunliche Leistung.“ Die lange Trocknungszeit der einzelnen Filme, zuweilen Wochen und Monate, erklärt auch warum Da Vinci mehr als vier Jahre an der Mona Lisa gemalt und das Bild dann, laut Texten aus der Renaissance, unvollendet gelassen haben soll.

Angewandte Chemie: Presseinfo 26/2010

Autor: Philippe Walter, Centre de Recherche et de Restauration des Musées de France, Paris (France), mailto:philippe.walter@culture.gouv.fr

Angewandte Chemie 2010, 122, No. 35, 6261–6264, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201001116

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201001116

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

nachricht Wasserstoffproduktion: So bauen Grünalgen ihre Enzyme zusammen
27.03.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Clevere Folien voller Quantenpunkte

27.03.2017 | Materialwissenschaften

In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich

27.03.2017 | Physik Astronomie

Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen

27.03.2017 | Biowissenschaften Chemie