Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Fingerabdrücke helfen bei Prostatakrebs-Früherkennung

14.11.2012
Über 63.000 Männer erkranken in Deutschland jährlich an Prostatakrebs. Wird die Krankheit früh erkannt, sind die Heilungschancen gut.

Da sie im Frühstadium jedoch keine Symptome aufweist, wird sie oft spät entdeckt. Abhilfe könnte hier ein Frühtest schaffen. An einer solchen Methode arbeiten Forscher von der Saar-Uni.

Das Team um Jaroslaw Szczyrba hat Molekül-Gruppen, sogenannte microRNAs, mit einem neuen Verfahren näher untersucht. Ähnlich wie ein Fingerabdruck einmalig für jeden Menschen ist, ergeben die Moleküle eine spezifische Signatur für eine bestimmte Krankheit, je nachdem wie sie in Blut und Gewebe zusammengesetzt sind. Die Ergebnisse könnten helfen, einen Bluttest zu entwickeln.

„MicroRNAs sind kleine Moleküle, die auch bei gesunden Menschen im Blut und im Gewebe vorkommen“, erklärt Jaroslaw Szczyrba, Wissenschaftler am Uniklinikum in Homburg. Sie bestehen wie die DNA aus Nukleinsäuren, regulieren Gene und spielen bei Entwicklungsprozessen des Körpers, aber auch bei der Krebsentstehung eine wichtige Rolle.
Erstmals entdeckt wurden die Boten- und Regulatorstoffe 1993. Seitdem haben Wissenschaftler über 4000 unterschiedliche microRNAs gefunden. „Manche dieser Moleküle kommen bei bestimmten Krankheiten besonders häufig vor, andere wiederum nur in geringem Maße oder gar nicht“, weiß der 30-Jährige. Indem die Forscher sich nicht nur einzelne Moleküle anschauen, sondern ganze Gruppen dieser Moleküle, können sie eine Art Fingerabdruck erstellen, der eindeutig einer Erkrankung zugeordnet werden kann.

Diese Tatsache hat sich Szczyrba zunutze gemacht. Im Rahmen seiner Promotion hat er Gewebeproben von Männern, die an Prostatakrebs erkrankt waren, mit denen gesunder Personen verglichen, um so Unterschiede bei der Zusammensetzung der microRNAs zu finden. „Bei vielen vorangegangenen Studien, die die microRNA-Signaturen bei Prostatakrebs-Patienten untersucht haben, ist es immer zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen“, erklärt der Wissenschaftler weiter. „Bei meinen Untersuchungen konnte ich jedoch ein relativ neues Verfahren verwenden, das Deep Sequencing.“
Diese Analysemethode ermöglicht es zum einen, die Nukleinsäure-Sequenzen der Moleküle schnell und fehlerfrei auszulesen. Außerdem erhalten die Wissenschaftler auch Angaben darüber, in welcher Menge die einzelnen RNAs in den Proben vorkommen. Das war mit früheren Methoden nicht ohne Weiteres möglich.

Im Vergleich zu der gesunden Kontrollgruppe hat Szczyrba insgesam16 microRNAs in erhöhter und 17 in geringerer Konzentration in den Proben der Erkrankten gefunden. Mit diesem Befund konnte Szczyrba ein spezifisches Profil für das Prostatakarzinom erstellen, das mittlerweile auch von Forschern des Universitätsklinikum in Erlangen in einer Studie bestätigt werden konnte.
„In Kombination mit anderen Diagnosemethoden ist ein microRNA-Profil sicherlich geeignet, um künftig ein Prostatakarzinom im Frühstadium zu entdecken“, schätzt der Homburger Forscher. Da die Moleküle im Blut vorkommen, könnte der Tumor eines Tages mit einem Bluttest einfachen und schnell diagnostiziert werden – lange bevor er im Ultraschall oder bei einer Tastuntersuchung entdeckt werden würde.

Jaroslaw Szczyrba hat am Institut für Virologie am Uniklinikum des Saarlandes promoviert. Derzeit arbeitet er in Homburg am Institut für Anatomie und Zellbiologie. Für seine Doktorarbeit erhielt er nun den Eduard-Martin-Preis, den die Vereinigung der Freunde der Universität des Saarlandes für herausragende Doktorarbeiten jedes Jahr vergibt.

Die Studie wurde im renommierten Journal Molecular Cancer Research veröffentlicht: doi:10.1158/1541-7786.MCR-09-0443.

Fragen beantwortet:

Dr. Jaroslaw Szczyrba
Institut für Anatomie und Zellbiologie
Universitätsklinikum des Saarlandes
Tel: 06841/16-26134
E-Mail: Jaroslaw.Szczyrba(at)uniklinikum-saarland.de

Melanie Löw | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise