Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Licht! Wie sich Krebs besser behandeln

26.01.2011
Ernährungswissenschaftler der Universität Jena entwickeln Photodynamische Krebstherapie weiter

Zu viel Sonne schadet der Haut. Auch wenn sich so mancher in der aktuellen Jahreszeit nach einem ausgedehnten Sonnenbad sehnen mag – wer sich zu häufig ultravioletter Sonnenstrahlung aussetzt, riskiert Hautkrebs. Hautkrebs tritt in unterschiedlichen Formen auf, darunter der bösartige schwarze Hautkrebs.

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Tumoren der Haut spielen sogenannte freie Radikale: hochreaktive Moleküle, die durch Strahlung freigesetzt werden und andere Zellbestandteile irreparabel schädigen. Kein Wunder also, dass diese Verbindungen lange Zeit als ausgemachte Gesundheitsgefahren galten. „Inzwischen wissen wir jedoch, dass freie Radikale auch wichtige Funktionen im gesunden Stoffwechsel haben“, sagt Prof. Dr. Tilman Grune von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Und, so der Ernährungsexperte und Altersforscher weiter, Wissenschaft und Medizin können sich das zerstörerische Potenzial freier Radikale auch zunutze machen, etwa in der Therapie von Hautkrebserkrankungen. In einer aktuellen Untersuchung haben Prof. Grune und sein Team herausgefunden, wie sich mittels reaktiver Radikale die Behandlung von Krebs verbessern lässt. Ihre Ergebnisse haben die Jenaer Wissenschaftler in der neuesten Ausgabe des Fachmagazins „Free Radical Biology & Medicine“ veröffentlicht.

In ihrer Studie untersuchten die Forscher die sogenannte Photodynamische Therapie – kurz PDT. Bei dieser Behandlung wird ein Sensibilisator – ein lichtempfindlicher Stoff – in das Tumorgewebe eingebracht und dieses anschließend mit Licht bestrahlt. „Unter der Bestrahlung setzt der Sensibilisator Radikale frei, die die Tumorzellen zerstören“, so Prof. Grune. Bei der Behandlung bestimmter Tumore der Haut ist die PDT bereits als Therapieform etabliert. Allerdings sei die PDT für den besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs noch keine Option. „Dazu ist sie in ihrer bisherigen Form noch nicht effizient und zielgenau genug“, weiß Grune. So bestehe einerseits die Gefahr, dass einzelne Tumorzellen überlebten und der Krebs wiederkehre. „Andererseits kann auch benachbartes gesundes Gewebe Schaden nehmen.“

Wie die Jenaer Forscher nun aber zeigen konnten, lässt sich die Wirksamkeit der PDT deutlich steigern, wenn man sie mit weiteren Behandlungen kombiniert: Mit Hilfe bestimmter Enzym-Inhibitoren legten die Forscher – vor der Bestrahlung – die Abwehrmechanismen der Krebszellen gegen oxidativen Stress gezielt lahm. „Ist ihr Verteidigungssystem erst einmal ausgeschaltet, haben die Tumorzellen dem Radikalangriff nichts entgegenzusetzen und sterben hocheffizient ab“, erläutert Prof. Grune das Ergebnis. Erstmals konnten die Jenaer Forscher außerdem zeigen, dass mit dieser Art der Behandlung gezielt nur die Krebszellen nicht aber gesunde Hautzellen zerstört werden.

Dies mache die Kombinationsbehandlung zu einem vielversprechenden Ansatz, ist Prof. Grune überzeugt, mit dem sich zukünftig nicht nur Haut-, sondern auch andere Krebsarten behandeln ließen.

Original-Publikation:
Kästle M. et al. Combination of PDT and inhibitor treatment affects melanoma cells and spares keratinocytes. Free Radic Biol Med 2011; 50(2): 305-12
Kontakt:
Prof. Dr. Tilman Grune
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949670
E-Mail: tilman.grune[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung
26.04.2017 | Universität Ulm

nachricht Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt
26.04.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie