Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meerestier-Zählung: 5.000 neue Arten entdeckt

23.02.2010
Forscher präsentieren Zwischenergebnis in San Diego

Nur einen Zwischenbericht des so genannten Census of Marine Life haben Forscher beim Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science AAAS in San Diego präsentiert. Mehr als 5.000 neue, bisher unbekannte Arten haben die Wissenschaftler bisher entdeckt.


Kiwa Hirsuta - eine neu entdeckte Krabbenart (Foto: ifremer/Coml.org)

Neben sehr bizarr aussehenden Tieren konnten die Wissenschaftler auch viele Organismen finden, die für die Zukunft der Humanmedizin möglicherweise von großer Bedeutung sind, weil sie chemische Substanzen bilden, die medizinischen Nutzen haben könnten. Der Endbericht des Census of Marine Life soll nach insgesamt zehnjähriger Arbeit im Oktober 2010 präsentiert werden.

Komplett neue Krabben-Familie entdeckt

In den Gewässern um die polynesische Osterinsel haben Wissenschaftler eine Krabbenart entdeckt. Kiwa hirsuta (Bild) ist die nunmehr erste Spezies der Familie Kiwaidae. Die Forscherin Shirley Pomponi von der Florida Atlantic University hat 1999 eine neue Meeresschwamm-Spezies entdeckt. Nachträgliche Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Substanzen produzieren, die gegen Krebs wirken.

"Die Anpassung an die Gegebenheiten im Meer hat dazu geführt, dass die Lebewesen chemische Substanzen entwickelt haben, die nicht einmal ein hochtechnisiertes Computerprogramm herstellen kann", so die Forscherin. Mutter Natur mache immer noch die besten chemischen Wirkstoffe.

Wissenschaftler fordern Schutzzonen

Ein wesentliches Ziel der Erfassung der Lebewesen in den Ozeanen ist es der Forderung der Wissenschaft nachzugeben, mehr marine Schutzzonen zu einzurichten. Der Meeresbiologe Jason Hall-Spencer von der University of Plymouth warnt etwa vor der rücksichtslosen Zerstörung der Tiefseekorallen durch Grundschleppfischerei. Der Großteil der von ihm untersuchten Tiefseeriffe sei bereits schwer beeinträchtigt.

Auch für den Meeresbiologen Michael Stachowitsch von der Universität Wien http://www.univie.ac.at/marine-biology ist die Schleppnetzfischerei eine der schlimmsten Fischereimethoden. "Das ist in etwa so, als walze man einen Wald nieder, um die dort lebenden Rehe zu erlegen", meint der Forscher gegenüber pressetext.

Weitgehend unbekannte Tiefsee

Über den unglaublichen Artenreichtum in der Tiefsee haben Wissenschaftler des Census of Marine Life schon im November 2009 berichtet ( siehe auch http://www.pressetext.com/news/091123012/ ). Das Wissen über die Organismen, die 500 Meter und tiefer leben, sei geradezu verschwindend gering, meint Robert Carney von der Louisiana State University im pressetext-Interview.

Auch Stachowitsch kommt zu einem ähnlichen Urteil: "Die Tiefsee ist immer noch sehr schlecht erforscht. Tiefseekorallen sind überhaupt erst mit der Ausdehnung der Fischerei in tiefere Zonen in den Blickwinkel gerückt." Mit Kameras habe man im Atlantik Nachschau gehalten und festgestellt, dass diese Korallenriffe durch Tiefseeschleppnetze flachgewalzt wurden. "Mit einem Mal wurden Ökosysteme, die tausende Jahre Wachstum brauchten, vollkommen zerstört", so Stachowitsch.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.coml.org
http://www.aaas.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften