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Lichtaktivierbare Nervenzellen: Ursachen von Angst und Depression verstehen

26.04.2016

Indem sie Nervenzellrezeptoren an lichtsensitive Pigmente aus der Netzhaut koppelt, erforscht Prof. Dr. Olivia Masseck von der Ruhr-Universität Bochum die Ursachen für Angst und Depression. Die sogenannte Optogenetik erlaubt es, die Funktion einzelner Rezeptoren zu ergründen. In mehreren Studien zeigte Masseck mit ihren Kooperationspartnern bereits, dass zwei Serotoninrezeptoren das Angstverhalten von Mäusen kontrollieren können. Derzeit entwickelt die Forscherin einen Serotoninsensor, der die Konzentration des Botenstoffs in Echtzeit anzeigen soll. Das Bochumer Wissenschaftsmagazin Rubin berichtet.

Angst und Depression sind weltweit mit die häufigsten psychischen Erkrankungen. Wie sie entstehen, könnten lichtaktivierbare Nervenzellen verraten.


In einem Hirnschnitt misst Olivia Masseck die Aktivität von Nervenzellen, deren Rezeptoren sie durch Lichtstimulation anschaltet.

© RUB, Damian Gorczany


Mit der sogenannten Optogenetik erzeugt Olivia Masseck (rechts) Nervenzellrezeptoren, die sich mit Licht an- und abschalten lassen.

© RUB, Damian Gorczany

Indem sie Nervenzellrezeptoren an lichtsensitive Pigmente aus der Netzhaut koppelt, erforscht Prof. Dr. Olivia Masseck die Ursachen für Angst und Depression. Seit mehr als 60 Jahren verfolgen Wissenschaftler die Hypothese, dass unter anderem ein veränderter Spiegel des Botenstoffs Serotonin für die Krankheiten verantwortlich ist.

„Für uns ist es leider unglaublich schwer zu verstehen, wie das Serotoninsystem funktioniert“, sagt Masseck, die seit Ende April 2016 die Juniorprofessur für Hochauflösende Fluoreszenzmikroskopie an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) innehat.

Komplexes Serotoninsystem

Insgesamt 14 verschiedene Rezeptoren gibt es für den Botenstoff im Gehirn in unterschiedlichen Zelltypen. Das macht es kompliziert herauszufinden, welche Funktionen die verschiedenen Rezeptoren in den einzelnen Zelltypen haben. Koppelt man die Proteine jedoch an lichtempfindliche Pigmente, kann man sie mit Licht einer bestimmten Farbe gezielt an- und abschalten – mit hoher räumlicher und zeitlicher Präzision.

Das Wissenschaftsmagazin Rubin der RUB berichtet, wie Olivia Masseck mit dieser Methode – Optogenetik genannt – arbeitet. Sie charakterisiert zum Beispiel die Eigenschaften verschiedener lichtsensitiver Proteine und identifiziert diejenigen, die sich am besten als optogenetische Werkzeuge eignen. Ausgiebig untersuchte sie bereits mehrere lichtempfindliche Varianten der Serotoninrezeptoren 5-HT1A und 5-HT2C. In mehreren Studien zeigte sie mit ihren Kooperationspartnern, dass beide dieser Rezeptoren das Angstverhalten von Mäusen kontrollieren können.

Echtzeit-Serotoninsensor geplant

Um das Serotoninsystem noch detaillierter unter die Lupe zu nehmen, entwickelt die Forscherin derzeit einen Sensor, der die vorhandene Menge des Botenstoffs in Echtzeit anzeigen soll. Eine Idee ist, eine abgewandelte Form eines grün fluoreszierenden Proteins in einen Serotoninrezeptor zu integrieren.

Dieses Protein leuchtet nur dann grün, wenn es in einer bestimmten räumlichen Struktur vorliegt. Wenn ein Serotoninmolekül an einen Rezeptor bindet, ändert dieser seine dreidimensionale Konformation. Ziel ist es, das fluoreszierende Protein so in den Rezeptor einzubauen, dass sich seine räumliche Struktur gemeinsam mit der des Rezeptors ändert, wenn ein Serotoninmolekül bindet – und zwar so, dass das Protein anfängt zu leuchten.

Ausführlicher Beitrag mit Bildern im Wissenschaftsmagazin der RUB

Das Wissenschafsmagazin Rubin berichtet ausführlich über die Arbeit von Olivia Masseck unter http://rubin.rub.de/de/nervenzellen-mit-licht-steuern. Texte auf der Webseite und Bilder aus dem Downloadbereich dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke frei verwendet werden.

Pressekontakt

Prof. Dr. Olivia Masseck, Nachwuchsgruppe Hochauflösende Fluoreszenzmikroskopie, Fakultät für Biologie und Biotechnologie, Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234 32 27246, E-Mail: masseck@neurobiologie.rub.de

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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