Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Es lebe der Unterschied: vom Ursprung der Hautfarbe

11.06.2013
Bei der Fruchtfliege, Drosophila melanogaster, unterscheiden sich Individuen unter anderem aufgrund ihrer Pigmentierung.

Der Hinterleib mancher Fliegen ist hell gefärbt, andere Fliegen besitzen einen dunkel pigmentierten Körper.Forscher an der Vetmeduni Vienna haben am Beispiel der Hinterleibspigmentierung von Fruchtfliegen eine Methode zur Erforschung genetischer Variationen weiterentwickelt.


Die Fruchtfliege (Drosophila melanogaster)
Fotolia, Roblan

Mit dieser Methode konnten die Wissenschafter einzelne Gene, aber auch punktuelle Veränderungen auf der DNA, so genannte SNPs, die mit der Pigmentproduktion in Zusammenhang stehen, identifizieren. Die Ergebnisse publizierten die Forscher aktuell in PLOS Genetics.

In früheren Studien konnte bereits gezeigt werden, dass die Pigmentierung des Hinterleibs weiblicher Fruchtfliegen (auch „Schwarzbäuchige Taufliege“ genannt) sehr stark individuell variiert. Drosophila melanogaster ist eines der weltweit am intensivsten beforschten Tiermodelle in der Genetik.

Es wurden bisher neun verschiedene Gene identifiziert, die eine direkte Rolle in der Pigmentproduktion der Fliege einnehmen. Trotzdem ist bisher unklar, ob es Veränderungen in diesen Genen sind, die zu unterschiedlichen Pigmentstärken in Populationen führen, oder ob weitere Gene einen Einfluss auf die Färbung der Fliegenkörper haben.

Vergleich heller und dunkler Fliegen

Die zwei Wissenschafterinnen, Héloïse Bastide and Andrea Betancourt, arbeiten in der Forschungsgruppe von Christian Schlötterer am Institut für Populationsgenetik und haben sich der Fragestellung angenommen. Sie untersuchten 8.000 weibliche Fruchtfliegen, indem sie die Tiere in fünf Pigmentkategorien - von nicht pigmentiert über schwach bis sehr stark pigmentiert - einteilten.
Die Forscher mischten die 100 hellsten Fliegen und sequenzierten das gesamte genetische Material. Dasselbe taten sie mit der Gesamtheit der 100 dunkelsten Fliegen. Eine Abgleich der DNA Sequenzen brachte 17 Unterschiede im Genom der Fliegen ans Tageslicht. Bei diesen Unterschieden handelt es sich um so genannte SNPs (single nucleotide polymorphisms). SNPs sind im Genom verteilte Unterschiede einzelner Basenpaare. Diese Unterschiede werden von Generation zu Generation weiter vererbt und tragen zur Vielfalt innerhalb einer Population bei.

Die Regulation der Gene ist wichtig

Alle identifizierten SNPs befinden sich in der Nähe der bereits für ihre Rolle in der Pigmentproduktion bekannten Gene. Die meisten SNPs wurden allerdings in so genannten nicht-kodierenden Regionen im Genom, also in Bereichen der DNA, die keine Information für die Herstellung von Proteinen enthalten. Allerdings fanden sich in diesem Fall die SNPs in der Nähe einiger Sequenzen, die für die Regulation von „Pigment-Genen“ verantwortlich sind. Vereinfacht ausgedrückt: Die Pigmentierung der Fliegen wird nicht nur von den Pigment produzierenden Genen gesteuert, sondern resultiert aus den genetischen Veränderungen benachbarter regulatorischer Bereiche auf der DNA. Bastide und Betancourt erklären: „Wir konnten mit unserer Arbeit sehr viel über Kontrollmechanismen der Pigmentproduktion lernen. Einige unserer Erkenntnisse können möglicherweise auf andere Tierarten umgelegt werden. Unsere neue Methode is so kostengünstig und exakt, dass sie auch für viele Tier- und Pflanzenarten angewendet werden kann, die bisher nicht untersucht werden konnten. “

Der Artikel “A Genome-Wide, Fine-Scale Map of Natural Pigmentation Variation in Drosophila melanogaster” von Héloïse Bastide, Andrea Betancourt, Viola Nolte, Raymond Tobler, Petra Stöbe, Andreas Futschik und Christian Schlötterer wurde im Journal PLOS Genetics veröffentlicht und ist unter folgendem link abrufbar: http://www.plosgenetics.org/doi/pgen.1003534

Rückfragehinweise

Univ.Prof. Dr. Christian Schlötterer
Institut für Populationsgenetik
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-4300
christian.schloetterer@vetmeduni.ac.at
Aussenderin

Mag. Heike Hochhauser
Public Relations/Wissenschaftskommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-1151
heike.hochhauser@vetmeduni.ac.at

Heike Hochhauser | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Treibjagd in der Petrischale
24.11.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Dinner in the Dark – ein delikates Wechselspiel der Mikroorganismen
24.11.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie