Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Laubfrosch ist vielfältiger als gedacht - Versteckte Artenvielfalt aufgedeckt

12.09.2014

Ein internationales Forscherteam hat unter Beteiligung von drei Wissenschaftlern des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt und Dresden den weitverbreiteten südamerikanischen Laubfrosch Dendropsophus minutus unter die Lupe genommen. Sie fanden dabei eine versteckte genetische Vielfalt, die sehr wahrscheinlich auch viele neue, bisher unbeschriebene Arten enthält. Darüber hinaus konnten sie den Ursprung der kleinen Amphibien klären. Die Studie ist kürzlich im Fachjournal PLoS ONE erschienen.

Südamerika gilt als Biodiversitäts-Hotspot und in der artenreichen Region findet man auch weltweit die meisten Froscharten. Unter ihnen ist auch der südamerikanische Laubfrosch Dendropsophus minutus, dessen Lebensraum sich von der Karibikinsel Tobago und Venezuela im Norden über Französisch-Guyana, Kolumbien, Ecuador, Bolivien, Peru, Paraguay und ganz Brasilien bis nach Argentinien im Süden erstreckt.


Den Laubfrosch Dendropsophus minutus findet man von Venezuela im Norden bis Argentinien im Süden.

© Frank Glaw/Zoologische Staatssammlung München


Der kleine Laubfrosch ist stimmgewaltig – auch die unterschiedlichen Rufe deuten auf verschiedene Arten hin.

© Martin Jansen/Senckenberg

Ein internationales Team von 30 Wissenschaftlern aus 11 Ländern hat im Laufe von mehreren Jahren über 400 Proben des etwa fünf Zentimeter großen Frosches genommen. Das Ziel: die genetischen Variationen innerhalb der Laubfrosch-Art zu entschlüsseln sowie die Besiedlungsgeschichte des Tieres aufzudecken.

Bei der Analyse fanden die Wissenschaftler insgesamt 43 genetische Linien, die bisher alle einer Art zugeordnet wurden – es ist sehr wahrscheinlich, dass sich hinter diesen Linien neue, bisher unbekannte Arten verbergen. Auch Unterschiede im Aussehen und bei den Lautäußerungen sprechen für weitere Arten. „Wir brauchen aber noch mehr Daten um genauer zu verstehen, wie viele der genetischen Linien tatsächlich neue Arten darstellen“, erklärt Dr. Marcelo Gehara von der Universidade Federal do Rio Grande do Norte in Brasilien und Erstautor der Studie.

Eine genaue Erfassung der Artenvielfalt ist auch für den Schutz der Frösche wichtig. „Bisher geht man davon aus, dass der Frosch weitverbreitet ist. Er gilt daher als ungefährdet“, erläutert Dr. Martin Jansen vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und ergänzt: „Wenn nun aber zu dieser Art weitere gehören, die sehr viel kleinräumiger auftreten, kann sich das auch auf den Schutzstatus der Tiere auswirken und einzelne Arten könnten sogar vom Aussterben bedroht sein.“

Mit Hilfe von Klimamodellen und modernen genetischen Methoden bestätigten die Amphibienforscher außerdem die etwa 50 Jahre alte Hypothese, dass die südamerikanischen Laubfrösche ihren Ursprung im Amazonasgebiet hatten und sich dann über lange Wege im restlichen Südamerika ausbreiteten.

„Weit verbreitete Arten haben ein großes Potential, um biogeographische Prozesse zu erforschen und erlauben uns somit einen Blick in die Entstehungsgeschichte von Arten“, erklärt Dr. Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung in München.

Bisher sind solche umfassenden und länderübergreifenden Arbeiten zur Artenvielfalt selten. Herpetologe Dr. Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum in Darmstadt: “Neben den Ergebnissen bin ich besonders über die vereinten Anstrengungen so vieler Wissenschaftler erfreut. Ohne diese Autorenvielfalt sind solch umfassende Biodiversitätsstudien nicht machbar!“

Auf Jansen und seine Kollegen wartet nun ein Haufen Arbeit: Die potentiellen neuen Arten müssen bestätigt und beschrieben werden.

Kontakt
Dr. Martin Jansen
Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt, Sektion Herpetologie
Tel: 069- 7542-1234
Martin.Jansen@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Marcelo Gehara, Andrew J. Crawford, Victor G. D. Orrico, Ariel Rodríguez, Stefan Lötters, Antoine Fouquet, Lucas S. Barrientos, Francisco Brusquetti, Ignacio De la Riva, Raffael Ernst, Giuseppe Gagliardi Urrutia, Frank Glaw, Juan M. Guayasamin, Monique Hölting, Martin Jansen, Philippe J. R. Kok, Axel Kwet, Rodrigo Lingnau, Mariana Lyra, Jiří Moravec, José P. Pombal Jr., Fernando J. M. Rojas-Runjaic, Arne Schulze, J. Celsa Señaris, Mirco Solé, Miguel Trefaut Rodrigues, Evan Twomey, Celio F. B. Haddad , Miguel Vences and Jörn Köhler. High levels of diversity uncovered in a widespread nominal taxon: continental phylogeography of the Neotropical tree frog Dendropsophus minutus. 2014. PLoS ONE, 10 September 2014.


Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten undnachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert.

Mehr Informationen unter www.senckenberg.de

Judith Jördens | Senckenberg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie