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Krebs: Neuer Antikörper in Entwicklung

23.11.2012
Erfolg für ein Team aus der Frauenklinik der Uni Würzburg: Es bekommt rund zwei Millionen Euro aus dem bundesweiten Wettbewerb GO-Bio. Mit dem Geld wird ein viel versprechender Antikörper für die Krebstherapie weiterentwickelt.
Anspruchsvolle Projekte aus der Biotechnologie, die auf lange Sicht zur Gründung eines Unternehmens führen: Das ist im Wettbewerb GO-Bio („Gründungsoffensive Biotechnologie“) gefragt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung führt ihn durch; in der jüngsten Auswahlrunde hatten sich 63 Projekte beworben. Fünf davon waren am Ende erfolgreich.

Zu den fünf Preisträgern gehört Markus Junker (31) von der Universität Würzburg. Er bekommt über zwei Millionen Euro, um einen Antikörper für die Krebstherapie anwendungsreif zu machen. Junker hat in Würzburg Biologie studiert; seit 2008 arbeitet er an der Universitäts-Frauenklinik in der Nachwuchsforschungsgruppe „Tumorimmunologie“, die von Privatdozent Jörg Wischhusen geleitet wird.

Antikörper bremst Tumorwachstum

In seiner Doktorarbeit hat Junker einen Antikörper entwickelt, der für die Behandlung von Haut-, Prostata- und Eierstockkrebs Erfolg verspricht. „Er bindet zielgenau an den Wachstumsfaktor GDF-15, den mehr als 50 Prozent aller soliden Tumoren im Übermaß produzieren“, erklärt der Biologe. Die Konsequenz: Der Antikörper blockiert den Wachstumsfaktor und bremst damit das Tumorwachstum deutlich. Das haben die Wissenschaftler in Tierversuchen nachgewiesen.

Nächste Schritte der Entwicklung

Mit dem GO-Bio-Geld soll der Antikörper in den nächsten zweieinhalb Jahren für den Einsatz beim Menschen weiter entwickelt werden. „Noch ist es ein Maus-Antikörper, und darum müssen wir ihn als nächstes so optimieren, dass er vom Immunsystem des Menschen nicht abgestoßen wird“, sagt Junker. Als weitere wichtige Voraussetzung für eine spätere klinische Anwendung streben die Wissenschaftler außerdem die Optimierung der Antikörperproduktion an; darauf müssen dann Toxizitätstests folgen.

Parallel dazu will das Team um Junker und Wischhusen zusätzliche Varianten des Antikörpers herstellen – denn möglicherweise lässt sich seine Wirksamkeit ja steigern. Auch einen diagnostischen Test gilt es zu entwickeln: Damit soll später festgestellt werden, wie viel Wachstumsfaktor GDF-15 im Blut der Patienten vorliegt. „Denn eine Therapie mit dem Antikörper macht nur dann Sinn, wenn der GDF-15-Spiegel hoch ist“, so Junker.

Mehrere Kooperationspartner

Bei dieser Forschungs- und Entwicklungsarbeit kooperieren die Würzburger Wissenschaftler mit der Sektion für experimentelle Antikörpertherapie der Universität Tübingen und der Firma Synimmune GmbH (Tübingen), die 2010 ebenfalls im Zuge einer GO-Bio-Förderung entstanden ist. Die begleitende Diagnostik wird in Zusammenarbeit mit der Firma Vasopharm GmbH (Würzburg) entwickelt.

Die Gründung einer Firma plant Markus Junker, sobald der Antikörper sich nach den Richtlinien der GMP (Good Manufacturing Practice) produzieren lässt und die Toxizitätstests gut verlaufen sind. Erste klinische Studien an Patienten lassen sich dann an der „Early Clinical Trial Unit“ des Universitätsklinikums Würzburg durchführen.

Würzburger GO-Bio-Projekte

Schon bei der ersten Auswahlrunde in der GO-Bio-Initiative war im Jahr 2006 ein Würzburger Forscher erfolgreich: Professor Roland Jahns von der Medizinischen Klinik I, heute Leiter der Interdisziplinären Biomaterial- und Datenbank Würzburg. Er wurde damals mit einem neuen Therapie- und Diagnoseverfahren zur Behandlung der autoimmunbedingten Herzschwäche gefördert. Aus dem Projekt entstand die Corimmun GmbH; das damals entwickelte Medikament (Cor-1) befindet sich gegenwärtig in der klinischen Prüfung an Patienten mit Herzschwäche (Phase II-Studie). 2009 war dann Knut Ohlsen vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie unter den GO-Bio-Gewinnern. Er arbeitet an einer Immuntherapie gegen multiresistente Bakterien (Staphylococcus aureus).

Kontakt

Markus Junker, Frauenklinik der Universität Würzburg, T (0931) 201-25807, junker_m1@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Universität Würzburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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