Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kieler Forschungsteam entschlüsselt Erbgut des Kieler Erregers

17.02.2015

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist es erstmalig gelungen, das Erbgut des Ausbruchsstamms Acinetobacter baumannii zu entschlüsseln. Dabei handelt es sich um einen multiresistenten Erreger, gegen den alle vier wesentlichen Gruppen von Antibiotika nicht mehr wirken (4MRGN)

Gemeinsam haben Forscherinnen und Forscher der Institute für Infektionsmedizin und für Klinische Molekularbiologie (IKMB), Medizinische Fakultät der CAU und Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), jetzt 33 Isolate von insgesamt 25 Patientinnen und Patienten, bei denen der Erreger nachgewiesen wurde, sowie aus Umweltproben des jüngsten Keim-Ausbruchs in Kiel sequenziert.

„Die Analysen des Erbguts der Bakterien bestätigten, dass es sich am UKSH um einen klonalen Ausbruch handelt. Das bedeutet, dass alle Infektionen auf denselben Erregerstamm zurückgehen“, sagt Professor Andre Franke, IKMB. Ferner konnten die Forscherinnen und Forscher die Multiresistenz der Erreger bestätigen, für den nur Colistin als einzig wirksames Antibiotikum eingesetzt werden konnte.

Kolleginnen und Kollegen des Universitätsklinikums Gießen konnten anhand der Daten schon eine Veranlagung für eine Colistin-Resistenz im Erbgut des Erregers erkennen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der 4MRGN-Stamm auch gegen Colistin resistent werde, sagt Professor Trinad Chakraborty, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM).

Die Forschungsgruppe konnte anhand der hochaufgelösten Daten auch zeigen, dass es sich bei dem 4MRGN Keim um einen Vertreter der weltweit am häufigsten vorkommenden Carbapenem-resistenten Acinetobacter baumannii Linie IC2 (CC92 Oxford) mit einem weltweit verbreiteten Resistenzmechanismus handelt.

Im Vergleich zu bereits in Gießen und Münster erhobenen Genomdaten von Acinetobacter Ausbruchsstämmen belegen die Daten des jetzt sequenzierten Kieler Erregers, dass dieser mit einem Stamm übereinstimmt, der erstmalig 2009 im Raum Dortmund sowie 2010 und 2011 im Raum Köln jeweils bei mehreren Patientinnen und Patienten nachgewiesen wurde.

Im Raum Köln wurde der Erreger bei einem deutschen Patienten gefunden, der zuvor in einem Krankenhaus auf der Urlauberinsel Phuket, Thailand, stationär behandelt wurde. Der gleiche Stamm wurde 2012 auch in Malaysia, einem Nachbarstaat von Thailand identifiziert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen nun herausfinden, in welcher Verbindung vorherige Ausbrüche des Erregers mit dem Auftreten des Erregers in Kiel stehen.

Das besondere bei diesem Forschungsprojekt ist die „exzellente Zusammenarbeit verschiedener Experten in ganz Deutschland“, sagt Franke. Eingebunden in die Analysen waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Lehrstuhls für Bioinformatik in Saarbrücken (Professor Andreas Keller), des UKGM (Professor Trinad Chakraborty), des Universitätsklinikum Münster (Professor Dag Harmsen), des Nationalen Referenzzentrums für Gram-negative Krankenhauserreger, Bochum (Dr. Martin Kaase) sowie der Acinetobacter-Experte Professor Harald Seifert, Universitätsklinikinikum Köln.

Das Kieler Genomzentrum, das am IKMB im Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) der Kieler Universität angesiedelt ist, gehört zu den größten akademischen Sequenzierzentren in Europa. Allein im Jahr 2014 wurden in Kiel weit über 10.000 Bakteriengenome und mehrere 100 Genome von Patientinnen und Patienten sowie Tumoren entschlüsselt. Die Kieler Forscherinnen und Forscher planen zukünftig noch enger in der wissenschaftlichen Analyse und der klinischen Diagnostik zusammenzuarbeiten, da sich mit Hilfe der modernen Sequenziertechnologie innerhalb kürzester Zeit wichtige Daten generieren lassen.

Kontakt:
Prof. Dr. rer. nat. Andre Franke
Institut für Klinische Molekularbiologie
Telefon: 0431-597-2350
E-Mail: a.franke@mucosa.de

Prof. Dr. med. Helmut Fickenscher
Institut für Infektionsmedizin
Telefon: 0431-597-3300
E-Mail: fickenscher@infmed.uni-kiel.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Redaktion: Dr. Ann-Kathrin Wenke
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de

Dr. Boris Pawlowski | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de/pressemeldungen/index.php?pmid=2015-045-multiresistenten-erreger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsdiagnostik: Pinkeln statt Piksen?
25.05.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie
25.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics