Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keimzellen und Kinderwunsch

07.07.2011
Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt 4,8 Millionen Euro für Forschung zur künstlichen Befruchtung / Forschergruppe „Germ Cell Potential“ verlängert

Fast fünf Millionen Euro für die zweite Halbzeit: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Forschergruppe „Germ Cell Potential“ (Keimzellpotenzial) für weitere drei Jahre. Seit 2008 beschäftigt diese sich mit Fragen zur künstlichen Befruchtung – die wird zwar seit Jahrzehnten weltweit angewandt, doch ist der wissenschaftliche Hintergrund weitgehend unbekannt.

Wissenschaftler aus sechs deutschen Städten arbeiten in der Forschergruppe mit der DFG-Bezeichnung FOR 1041 mit, der Schwerpunkt liegt mit sechs Projekten in Münster; dafür fließen in den nächsten Jahren insgesamt zwei Millionen Euro an das Institut für Humangenetik und das Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie („Männerheilkunde“, Gegenpart der Gynäkologie; kurz: CeRA) der Universität sowie an das Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin (MPI) in Münster.

„Für die künstliche Befruchtung werden seit 30 Jahren Methoden verwendet, die wissenschaftlich kaum untersucht sind“, sagt der Forschergruppen-Sprecher Prof. Dr. Jörg Gromoll vom CeRA: „Viele Firmen verdienen damit gutes Geld. Die möglichen Risiken der derzeit angewendeten Techniken oder Behandlungen für die geborenen Kinder und für die behandelten Paare sind aber derzeit nicht genau bekannt.“ Zwei bis drei Prozent aller Babys werden in Deutschland durch künstliche Befruchtung (ART, für: „assistierte Reproduktion“) gezeugt; der Anteil steigt. Laut Gromoll liegt das vor allem daran, dass der Kinderwunsch immer weiter nach hinten rückt, mit steigendem Alter aber auch das das Risiko wächst, dass es damit nicht klappt.

Die DFG-Forschergruppe „Germ Cell Potential“ untersucht das ganze Spektrum der künstlichen Befruchtung von der Keimzelle bis hin zur Geburt des Kindes. Die Teilprojekte befassen sich mit der Qualität der Eizelle, den genetischen Ursachen der Unfruchtbarkeit, aber auch mit dem Potenzial von Stammzellen, beispielsweise solchen aus dem Hoden, als mögliche Alternative zu Spermien. Auch die Entstehung von Eizellen aus embryonalen Stammzellen ist Forschungsgegenstand. In einer klinischen Langzeitstudie werden über drei Jahre hinweg die möglichen Folgen von Behandlungen im Rahmen einer ART auf den Nachwuchs untersucht.

Dabei verfolgt die Forschungsgruppe ausdrücklich auch strategische und politische Ziele, ergänzt CeRA-Kollege Prof. Dr. Stefan Schlatt: „Wir haben in den ersten drei Jahren erstmals ein deutschlandweites Netzwerk von Wissenschaftlern und Klinikern geschaffen, deren Arbeit die Fortpflanzung bei Mensch und Tier zum Schwerpunkt hat. Politisch haben wir erreicht, dass die Reproduktionsmedizin ab 2011 mit einem eigenen Fachkollegiat in der DFG verankert wird.“ Die münsterschen Projekte werden – neben Gromoll und Schlatt – von Prof. Dr. Hans Schöler (MPI) sowie Prof. Dr. Peter Wieacker und Dr. Frank Tüttelmann (beide: Institut für Humangenetik) betreut.

Inhaltlich fanden die Forscher bisher unter anderem heraus, dass männliche Unfruchtbarkeit stark mit epigenetischen Veränderungen einhergeht – also mit vererbbaren Zelleigenschaften, die nicht über die DNA weitergegeben werden, sondern über Modifikationen von DNA wie beispielsweise Methylierung. Außerdem zeigte sich, dass Forschungsergebnisse von Mäusen in diesem Bereich nicht auf den Menschen übertragbar sind, was ansonsten häufig funktioniert: „Die Hoden-Stammzellen bei Mäusen sehen physiologisch ganz anders aus als bei Affen und Menschen, das macht die Forschung kompliziert.“ Der wissenschaftliche „Ausstoß“ der Forschergruppe umfasst schon jetzt, nach den ersten drei Jahren, 25 Fachpublikationen, viele weitere sind laut Gromoll in Arbeit.

2014 endet die DFG-Förderung; eine Verlängerung über sechs Jahre hinaus ist bei Forschergruppen nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Gromolls Überlegungen reichen aber weiter: „Mit zwölf Projekten liegen wir deutlich über den üblichen Forschergruppen“, so der Koordinator: „FOR 1041 spielt in einer Liga mit kleinen Sonderforschungsbereichen. Einen solchen SFB wollen wir in Münster etablieren und damit den bestehenden Forschungsschwerpunkt an der Medizinischen Fakultät der Universität noch weiter stärken.“ Weitere Informationen zu der Forschergruppe bietet die Internetseite http://www.germ-cell-potential.de.

Redaktion: Dr. Thomas Bauer (Telefon: 0251 83-58937; E-Mail: thbauer@uni-muenster.de)

Dr. Christina Heimken | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie