Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Je früher, desto besser: Katzen mit Epilepsie haben bei früher Behandlung gute Überlebenschancen

02.09.2011
Auch Katzen können an Epilepsie erkranken, bei ihnen ist aber häufig nicht der gesamte Körper von den Anfällen betroffen. Eine neue Studie der Vetmeduni Vienna weist nun nach, dass Katzen mit einer solchen, so genannten fokalen Epilepsie, die auch Veränderungen im Gehirn haben, erfolgreich behandelt werden können.

Obwohl die Katzen zunächst nicht auf eine Behandlung ansprachen, besserte sich ihr Zustand bei andauernder Behandlung in einigen Fällen, und einige zeigten danach wieder normales Verhalten. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift „Journal of Feline Medicine and Surgery“ veröffentlicht.

Epilepsie bei Katzen zu diagnostizieren, ist besonders schwierig, weil die Symptome vielfältig sein können. Manchmal starren die Tiere einfach vor sich hin, ein Verhalten, das bei Katzen auch zum normalen Repertoire gehört. Wenn aber ihre Gesichtsmuskeln zu zucken beginnen, ihre Kiefer leere Kaubewegungen machen und den Tieren Speichel aus dem Maul trieft, gehen Katzenbesitzer mit ihren Tieren meist doch zum Tierarzt.

Überraschende Besserung

Gemeinsam mit einem Forschungsteam hat Akos Pakozdy von der Klinischen Abteilung für Interne Medizin Kleintiere der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) nun eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, für die sie die Daten von 17 Katzen mit besonderen Epilepsiesymptomen ausgewertet haben. Leider war die Krankheit bei neun Tieren schon so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr auf eine Behandlung reagierten. Auch bei den anderen Tieren zeigte sich bis zu elf Tage nach Beginn der Behandlung keine Besserung. Wenn die Tiere jedoch weiter behandelt wurden, zeigten sich Verbesserungen. Vier der Tiere überlebten sogar länger, als die Studienautorinnen und -autoren brauchten, um die Veröffentlichung ihrer Studie vorzubereiten.

Ähnlichkeiten zum Menschen

Bei allen untersuchten Katzen fanden die Forschenden Veränderungen in einer bestimmten Hirnregion, dem so genannten Hippocampus. In anderen Hirnregionen fanden sie keine strukturellen Veränderungen. Die Veränderungen im Hippocampus der Katzen waren besonders denen einer speziellen Art von Epilepsie beim Menschen (MTLE-HS) ähnlich, die Forschenden fanden aber auch einige Unterschiede.

Ohne Behandlung bleiben Schäden dauerhaft

Mehrere Hinweise deuten darauf hin, dass die epileptischen Anfälle der Katzen direkt zu Schäden in ihrem Hippocampus führen. „Deshalb ist es in jedem Fall ratsam, die Tiere so früh wie möglich zu behandeln“, rät Pakozdy. „Manche Tiere scheinen besonders anfällig für Schäden am Hippocampus zu sein und sprechen wahrscheinlich deshalb weniger gut auf die Behandlung an, in anderen Fällen können durch eine Behandlung aber größere Schäden am Hirngewebe verhindert werden“, sagt der Forscher.

Forschende glaubten bisher, dass die Erkrankung zwingend einen tödlichen Verlauf hat. Deswegen wurden Katzen mit Gewebeschäden im Hippocampus in den bisherigen Studien als therapieresistente Fälle angesehen und eingeschläfert. Die neue Studie der Vetmeduni Vienna lässt aber darauf schließen, dass Katzen mit Schäden am Hippocampus bessere Überlebenschancen haben als vermutet. Die Besitzer überlebender Tiere berichten, dass ihre Katzen eine gute Lebensqualität haben, ein deutlicher Hinweis auf die Möglichkeit, diesen Typ von Epilepsie erfolgreich zu behandeln.

Der Artikel “Complex Partial Cluster Seizures in Cats with Orofacial Involvement” von Akos Pakozdy, Andrea Gruber, Sibylle Kneissl, Michael Leschnik, Peter Halasz und Johann G Thalhammer wurde in der Zeitschrift „Journal of Feline Medicine and Surgery“ vorab online veröffentlicht: J Feline Med Surg. 2011, July 25 (http://dx.doi.org/10.1016/j.jfms.2011.05.014, mit Videos)

Diese Arbeit baut auf einer vorangegangenen Studie zu den Ursachen epileptischer Symptome bei Katzen auf, die ebenfalls im „Journal of Feline Medicine and Surgery“ publiziert wurde (Pakozdy et al. 2010, J Feline Med Surg 12, 910-916).

Rückfragehinweis:
Dr. Akos Pakozdy, E akos.pakozdy@vetmeduni.ac.at, T +43 664 60257-6866
Aussender:
Mag. Klaus Wassermann, E klaus.wassermann@vetmeduni.ac.at, T +43 1 25077-1153

Beate Zöchmeister | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Berichte zu: Hippocampus Katze Medicine Vetmeduni Vienna Überlebenschance

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Salmonellen als Medikament gegen Tumore
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben
23.10.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie