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Internationaler Klimaschutz-Stipendiat erforscht Westafrikas Gummiarabikum-Baum

17.10.2013
Der Nigerianer Paul Terwase Lyam forscht seit dem 1. Oktober 2013 an der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie der Universität Leipzig.

In seinem Projekt am Institut für Biologie beschäftigt er sich mit der genetischen Vielfalt des Gummiarabikum-Baums und den Folgen des Klimawandels für diese Pflanze, eine der wichtigsten Arten in Westafrika. Sein Aufenthalt an der Universität Leipzig wird durch das einjährige Internationale Klimaschutz-Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ermöglicht.

Im Zentrum von Lyams Untersuchungen steht die Akazienart Acacia senegal, auch bekannt unter dem Namen Gummiarabikum-Baum und nach neuer biologischer Klassifikation als Senegalia senegal geführt. Sie ist eine der wichtigsten Pflanzenarten in Lyams Heimat und wird international, zum Beispiel in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, für Farben, Klebstoffe und Reinigungsmittel verwendet.

"Die Einheimischen in Westafrika verwenden die Baumart auch für die Behandlung von Husten, Halsschmerzen und zum Stillen von Blutungen", erzählt Paul Lyam. Neben ihrem ökonomischen Wert habe Acacia senegal eine wichtige Funktion für die Landwirtschaft und Ökologie: "Sie kann Stickstoff aus der Luft binden sowie geschädigten Ackerboden wieder nutzbar machen und langfristig erhalten." Im trockenen und von Dürren geplagten Westafrika hat diese Eigenschaft der Pflanze auch wirtschaftliche Folgen für die Bevölkerung.

Der Lebensraum des Gummiarabikum-Baumes in Westafrika ist durch das Eingreifen des Menschen und den Klimawandel bedroht. Das Verbreitungsgebiet der Pflanze geht zurück, die Biodiversität im Ökosystem der trockenen Region ist gefährdet. "Im Moment kann niemand das Ausmaß der Schäden abschätzen", erklärt der 31-Jährige. Politische Krisen lähmten die Gegenmaßnahmen, die dringend ergriffen werden müssten - in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht. Paul Lyam hat rund 260 Proben von Acacia senegal und ihren Unterarten aus Nigeria, Niger und Ghana mit nach Leipzig gebracht.

Mithilfe molekularer Marker wird er deren DNA analysieren und dadurch ein detailliertes Bild der verschiedenen Populationen und der intraspezifischen genetischen Vielfalt erhalten sowie ihre evolutionäre Entwicklung ergründen können. Aus seinen Erkenntnissen erstellt der Biologe dann ein Modell für die zukünftige Verbreitung der Baumart unter dem Einfluss des Klimawandels, der ihren Lebensraum weiter verändert.

Mit seinem Forschungsprojekt passt Paul Lyam hervorragend in die Arbeitsgruppe seiner Mentorin Prof. Dr. Alexandra Müllner-Riehl, Professorin für Molekulare Evolution und Systematik der Pflanzen. Ihre Arbeitsgruppe ist eingebunden in das Kernthema "Ökologie und Biodiversität" des Instituts für Biologie und in den Forschungsschwerpunkt "Biodiversität" der Universität Leipzig.

"Paul Lyams Projekt ist eine sehr interessante Bereicherung unserer Arbeit", sagt Prof. Dr. Müllner-Riehl. Als Mitglied des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig bietet sie ihm auch über die Institutsgrenzen hinaus ein ideales Umfeld für seine Forschung und seine persönliche Entwicklung. Paul Lyam wird an iDiv-Workshops teilnehmen und internationale Kontakte knüpfen können.

Das renommierte Internationale Klimaschutz-Stipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung über rund 3.000 Euro im Monat bringt Wissenschaftler aus Entwicklungs- und Schwellenländern nach Deutschland und trägt so zum Wissenstransfer in die Heimat der Stipendiaten bei. Paul Lyam war in diesem Jahr einer von 15 ausgewählten Stipendiaten. In Nigeria ist er Mitglied der Akademischen Gesellschaft von Forschungsinstitutionen. Wenn er im September 2014 in sein Land zurückkehrt, will er noch mehr als bisher mit der Politik zusammenarbeiten. "Der Wille, die Ressourcen zu erhalten und effektiv zu nutzen, muss geweckt werden - zum Wohl von Natur und Menschheit", ist der Biologe überzeugt. Deshalb ist es neben der Forschung sein erklärtes Ziel, die Entscheidungsprozesse selbst mitzugestalten und auch jüngere Generationen mit einzubinden.

Silvia Lauppe

Katrin Henneberg | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

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