Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovation aus dem Meer: Jacobs University koordiniert EU-Projekt zu Blauer Biotechnologie

27.01.2012
Am 1. Januar 2012 startete das Forschungsprojekt Micro B3, das die EU über vier Jahre mit insgesamt 9 Millionen Euro finanziert.
Micro B3 steht für mikrobielle Biodiversität, Bioinformatik und Biotechnologie und hat zum Ziel, große Datenmengen mit Genominformationen von Mikroorganismen aus dem Meer für die Forschung verfügbar zu machen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für solche Datenbanken zu entwickeln und neue biotechnologische Anwendungen zu identifizieren. 32 Partnerinstitutionen beteiligen sich an dem Projekt, das führende Experten aus acht Disziplinen zusammenbringt. Koordinator ist Frank Oliver Glöckner, Professor of Bioinformatics an der Jacobs University.

Moderne biotechnologische Verfahren, in denen genetische Informationen unterschiedlichster Organismen genutzt oder verändert werden, um Produktionsprozesse zu optimieren oder gar erst zu ermöglichen, gibt es seit vielen Jahren. Wichtigste Anwendungsgebiete sind Landwirtschaft, Medizin, Pharma- und Lebensmittelindustrie. Die sogenannte „Blaue Biotechnologie“, bei der genetische Information von Meereslebewesen biotechnologisch verwertet wird, ist ein bislang noch wenig erkundetes Territorium: Nur rund 1 % der Biotechnologieunternehmen weltweit nutzen marine Lebensräume als Quelle für nutzbare genetische Informationen.

Das Potenzial grade der Blauen Biotechnologie ist jedoch enorm, da die Lebensgemeinschaften im Meer, besonders die der Mikroorganismen, eine sehr hohe Artenvielfalt und damit genetische Vielfalt aufweisen, die die von Landökosystemen weit übertrifft und bislang nur zu einem Bruchteil erforscht ist. Mit modernen Verfahren zur Gensequenzierung können Meeresforscher heute in vergleichsweise kurzer Zeit sehr viele Proben analysieren und so haben die zahlreichen Meeresforschungseinrichtungen in Europa bereits enorme genetische Datenmengen aus dem Meer gewonnen, verbunden mit ökologischen Informationen zu den Umweltbedingungen, in denen die analysierten Organismen leben.

Um diesen riesigen „Datenschatz“, speziell Informationen über marine Viren, Bakterien, Archebakterien und anderen Einzeller, für Wissenschaftler weltweit verfügbar zu machen und weiter zu ergänzen, baut das EU-Projekt Micro B3 nun eine integrative Datenbank auf, die den Nutzern zudem neue Auswertungs- und Visualisierungsmöglichkeiten eröffnet. Hierzu hat sich unter der Leitung der Jacobs University ein interdisziplinäres Konsortium aus 32 wissenschaftlichen und Industriepartnern zusammengeschlossen, in dem Spezialisten aus den Bereichen Biologie, Bioprospektion (Suche nach neuen nutzbaren biologischen Substanzen), Biotechnologie, Informatik und Bioinformatik, Ökologie und Meeresforschung sowie Rechtsexperten zur Klärung gesetzlicher Rahmenbedingungen zusammenarbeiten.

„Unser Ziel ist es, ein innovatives Verfahren auf Basis von Open-Source-Software zu entwickeln, bei dem auf transparente und benutzerfreundliche Weise Datengewinnung, -verarbeitung, und die Integration von genetischen und Umweltdatensätzen nahtlos ineinandergreifen, um die riesigen Datensätze von laufenden Probenkampagnen und Langzeitstudien möglichst schnell und reibungslos aufzuarbeiten und verfügbar zu machen“, erläutert Frank Oliver Glöckner, Professor für Bioinformatik an der Jacobs University und Projektkoordinator. „Die von uns angestrebte Form der Datenintegration ist bislang einmalig, ebenso wie die zahlreichen Analyse- und Feedback-Tools, die wir im Servicebereich unserer Plattform zur Verfügung stellen wollen. Hier entsteht ein kollektives Wissen, das auch ganz neue Perspektiven für Modellierung und Ökosystemforschung im Meer eröffnet“, so Glöckner weiter.

Ein wesentliches Ziel von Micro B3 ist es zudem, Gensequenzen der untersuchten Mikroorganismen zu identifizieren, die sich für eine Nutzung im Rahmen der Blauen Biotechnologie eignen, und Experimente zu entwerfen, mit denen die Funktion unbekannter Gen-Sequenzen geklärt werden können. „Wir haben es hier mit einem Forschungsfeld von ungeheurem kommerziellem Nutzungspotenzial zu tun, sei es in der Pharmazeutik, der Materialentwicklung oder der Lebensmittelindustrie. Deshalb müssen wir natürlich auch von Anfang an dafür sorgen, dass rechtlich genau geklärt ist, wer die kollektiv nutzbar gemachten Forschungsergebnisse in welcher Weise verwerten darf – keine triviale Aufgabe!“ so Bioinformatiker Frank Oliver Glöckner. „Besonders in diesem Bereich gilt es, im Rahmen des Projektes für eine gute Aus- und Weiterbildung aller Beteiligten und Nutzer zu sorgen.“

Operativer Start für das Projekt ist die Micro B3-Kick-off-Konferenz vom 1. Bis 3. Februar 2012 auf dem Campus der Jacobs University, an der 70 Wissenschaftler aus 14 Ländern teilnehmen. Wichtigste Partner aus der Bremer Region sind die das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und die Universität Bremen. Vollständige Liste aller Partner: http://www.microb3.eu/partners

Fragen zu Micro B3 beantwortet:

Frank Oliver Glöckner, Professor of Bioinformatics
Tel.: +49 (0) 421 200 3167
E-Mail: f.gloeckner@jacobs-university.de

Dr. Kristin Beck | idw
Weitere Informationen:
http://www.microb3.eu
http://www.microb3.eu/partners

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wasserbewegung als Hinweis auf den Zustand von Tumoren
19.04.2018 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden
19.04.2018 | Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics