Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Goldene Hilfe gegen Hautkrankheiten

23.05.2017

Wer krank ist weiß, dass Gesundheit Gold wert ist. Dass Gold auch gut für die Gesundheit ist, weiß hingegen kaum jemand. Professor Manfred Sietz, Chemiker an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, hat mehrere Anwendungen von Nanogold entwickelt – aktuell stellt er ein Verfahren vor, um Textilien mit Goldpartikeln zu veredeln. Zielgruppe sind Betroffene von Hauterkrankungen. Nun sucht der Professor Wirtschaftspartner für den Transfer der Forschung in Produkte.

Akne, Neurodermitis, Schuppenflechte – die menschliche Haut ist sensibel. Wer mit Ausschlag und allergischen Reaktionen zu kämpfen hat, muss häufig auf Medikamente zurückgreifen. Dabei könnte es eine natürliche Alternative geben: Nanogold.


Goldgelber Ausgangsstoff: Professor Manfred Sietz hat die optimale Größe der Goldteilchen für medizinische Anwendungen bestimmt.

Foto: Hochschule OWL/Katharina Thehos


Das in der Nanogold-Lösung getränkte Baumwollunterhemd stellt Professor Manfred Sietz in den Wärmeschrank, um die Einwirkzeit zu reduzieren.

Foto: Hochschule OWL/Katharina Thehos

Das ist ein Stoff, der in der Natur vorkommt: „Das Gold schwimmt seit Jahrmillionen im Meerwasser, weil es aus Goldsalzen herausgelöst wird“, erklärt Professor Manfred Sietz von der Hochschule OWL, der schon seit mehr als zehn Jahren rund um Nanogold forscht. „Nanogold wirkt ähnlich wie Kortison: Es senkt den IgE-Wert, also den Allergieparameter im Blut“, erklärt der Chemiker seinen aktuellen Ansatzpunkt.

IgE – kurz für „Immunglobulin E“ – ist für die überschießende Histaminbildung bei Allergien vom Typ 1 verantwortlich; Folgen sind beispielsweise Juckreiz und Augenbrennen. Auf dieser Grundlage entwickelte Sietz die Idee, Textilien mit Nanogold zu veredeln – auf den betroffenen Hautstellen getragen, könnten diese die Reizungen lindern.

Unzertrennliche Bindungen

Professor Sietz hat an seinem Fachbereich Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik ein Verfahren entwickelt, um aus Goldsalzen Nanogold herzustellen – und das in einer bestimmten Größe zwischen fünf und zehn Nanometern, die seinen Untersuchungen zufolge pharmakologisch besonders wertvoll ist. Nanogold hat andere Eigenschaften als herkömmliches Gold: Durch die Oberflächenladung der Teilchen binden diese an Eiweißstrukturen und Nucleinsäuren, Kunststoffen, Arzneistoffen und eben Textilfasern. „Nanogold trägt andere Stoffe Huckepack“, verdeutlicht Sietz.

Deshalb behalten die mit Nanogold veredelten Textilien ihre Wirksamkeit auch nach einer Kochwäsche. Mit bloßem Auge zu sehen sind die Goldteilchen nicht, denn sie sind hundertmal dünner als ein menschliches Haar. Gelöst im Wasser lassen sie dieses golden schimmern. Werden die Nanogoldteilchen mit größeren Teilchen beladen, entwickelt sich hingegen eine lila Färbung – ein mit Nanogold veredelter Baumwollstoff ist deshalb lila statt golden.

Keimreduzierende Wirkung

In einer wässrigen Nanogold-Lösung lässt Sietz Textilien die Goldpartikel aufnehmen – im Wärmeschrank wird der Prozess des Einwirkens erheblich verkürzt. Die Konzentration der Goldpartikel in der Lösung steuert die Wirksamkeit der Textilien. Zur Untersuchung hat Sietz seine textilen Proben ins Labor für Mikrobiologie am Fachbereich Life Science Technologies der Hochschule OWL geschickt. Ergebnis: Mit Nanogold beschichtete Baumwollfasern zeigen im für diese Anwendungen üblichen Hemmhoftest gemäß DIN 20645 eine keimreduzierende Wirkung gegenüber dem Aknehautkeim.

„Dies lässt erwarten, dass sich aknebedingte Hautentzündungen durch Baumwollunterwäsche reduzieren lassen. Untersuchungen in Richtung Unterwäsche für Neurodermitiker müssen noch vertieft werden – jedoch gehe ich davon aus, dass sich hier bei höherer Goldkonzentration eine vergleichbare Wirksamkeit einstellt“, so der Chemiker. Neben Baumwollunterwäsche sind auch andere textile Produkte denkbar: Bettwäsche, Frotteestoffe, Pflaster.

Teurer, aber seinen Preis wert

Mit Gold beschichtete Textilien – das klingt teuer. Doch: „So ein Kleidungsstück kauft man sich einmal im Leben. Die Bindung zwischen Nanogold und Textil ist so fest, dass das Gold auch bei einer Kochwäsche nicht ausgewaschen wird“, so Sietz. Ein Hemd, das gegen Akne hilft, wäre rund 100 Euro teurer als die herkömmliche Version, schätzt der Professor – eins das gegen Neurodermitis hilft vielleicht 200 Euro. Diese Zahlen sind natürlich nur grobe Schätzungen; für eine Serienproduktion und eine Markteinführung braucht der Chemiker nun Partner aus der Wirtschaft.

Viele Anwendungen möglich

Nanogold besitzt viele Anwendungspotenziale in der Medizindiagnostik, als Arzneimittel, in der Kosmetik, als Nahrungsergänzungsmittel, zur Oberflächenveredlung und in der Krebstherapie. Diese Erkenntnis ist keinesfalls neu: „In der Medizin ist Nanogold schon länger bekannt, es findet zum Beispiel Verwendung bei der Therapie von Hirntumoren und bei Schwangerschaftstests“, sagt Sietz und erklärt: „Was wir neu entwickelt haben, sind die weiteren Anwendungen.“

Ein Ergebnis der Höxteraner Forschung ist eine Sonnencrème: Nanogold ist ein natürliches Sonnenschutzmittel, denn es absorbiert die komplette UV-Strahlung. Außerdem hat es eine keimreduzierende Wirkung. Deswegen könnten Verpackungen mit Nanogold Lebensmittel, aber auch Medikamente oder Kosmetika, deutlich länger haltbar machen. Schon zu Beginn seiner Forschungen hat Sietz zudem einen Selbstversuch umgesetzt: Kaubonbons aus Mutterkraut und Nanogold haben demnach großes Potenzial in der Therapie von Migräne. Tests hierzu kann der Chemiker jedoch bisher nur in kleinem Maßstab durchführen – für größere Testreihen und eine Zulassung als Medikament strebt er deshalb auch hier Kooperationen mit Partnern aus Medizin und Wirtschaft an.

Kontakt: Professor Manfred Sietz, Telefon 05271 687-7120, E-Mail manfred.sietz(at)hs-owl.de

Julia Wunderlich | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.hs-owl.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sehen, hören und fühlen in der Nanowelt
20.11.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Wirkstoff hilft „Mondschein-Zellen“ bei DNA-Reparatur
20.11.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Anwender-Workshops „Laserbearbeitung von Faserverbundwerkstoffen“

20.11.2017 | Seminare Workshops

Hand aufs Herz - was wissen wir über herzgesunde Lebensmittel?

20.11.2017 | Unternehmensmeldung

Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

20.11.2017 | Materialwissenschaften