Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gemeinsam der Teilung auf der Spur

02.04.2010
Europäisches Team in Wien präsentiert Datenbank zur Zellteilungsforschung

Das im Jahr 2004 gestartete EU-Projekt MitoCheck, geleitet vom Wiener IMP (Institut für Molekulare Pathologie), wurde nun erfolgreich abgeschlossen. Elf europäische Forschungsteams und Unternehmen untersuchten die genetischen Grundlagen der Zellteilung. Die beiden Wissenschaftsjournale Science und Nature teilen sich die Veröffentlichung der Ergebnisse.

Wie aus einer Zelle zwei, aus zweien vier, und schließlich aus wenigen Zellen ein ganzer Organismus entsteht, hat Biologen und Mediziner seit eineinhalb Jahrhunderten interessiert. Seit dieser Zeit weiß man, dass alle Lebewesen aus Zellen aufgebaut sind, die durch wiederholte Teilung entstehen und letztendlich alle aus einer einzigen befruchteten Eizelle hervorgehen. Wie funktioniert das? Der Beantwortung dieser für die Lebenswissenschaften so zentralen Frage sind Biologen um Jan-Michael Peters am IMP jetzt ein wesentliches Stück näher gekommen.

Obwohl man die Zellteilung seit langer Zeit im Mikroskop genau verfolgen kann, war bisher nicht vollständig bekannt, welche Gene dafür verantwortlich sind. Noch weniger wusste man über die Rolle der Proteine, die nach dem Bauplan dieser Gene entstehen. Um diese Lücke zu schließen, schlossen sich vor sechs Jahren elf europäische Forschungsinstitute und Firmen unter der Leitung des IMP zusammen, um systematisch die molekularen Grundlagen der menschlichen Zellteilung zu untersuchen. Die Europäische Union förderte das Projekt "MitoCheck" mit 8,6 Millionen Euro. Die Ergebnisse der konzertierten Forschungsanstrengung werden nun erstmalig veröffentlicht.

Um herauszufinden, welche Gene für die Zellteilung notwendig sind, musste die MitoCheck-Arbeitsgruppe von Jan Ellenberg am EMBL (Europäisches Molekularbiologie Laboratorium, Heidelberg) systematisch Gen für Gen in menschlichen Zellen inaktivieren - insgesamt alle 22 000. Anschließend verfolgten die Forscher im Mikroskop, ob diese Zellen sich weiterhin normal teilten. Die Arbeitsgruppe von Jan-Michael Peters am IMP untersuchte in weiteren Arbeitsschritten, wie die von diesen Genen hergestellten Proteine sich zu kleinen molekularen Maschinen zusammenfügen, die dann verschiedene Schritte der Zellteilung auslösen.

Das Ergebnis dieser internationalen Teamarbeit ist der erste Katalog aller menschlichen Gene, die für die Zellteilung notwendig sind. Gleichzeitig haben die Forscher nun den Bau¬plan für viele der molekularen Maschinen in der Hand, die die Funktion dieser Gene ausführen. Alle Daten wurden jetzt in Form einer Datenbank des menschlichen Genoms öffentlich zugänglich gemacht (http://www.mitocheck.org). Gleichzeitig publizierte das MitoCheck-Team die wichtigsten Schlussfolgerungen in den beiden Fachzeitschriften Science und Nature.1) 2)

"Unsere Datenbank wird eine wichtige Informationsquelle für viele Bereiche der bio-medizinischen Forschung sein. Sie ist auch ein hervorragendes Beispiel dafür, dass in der Wissenschaft nur internationale Zusammenarbeit die Lösung schwieriger und ehrgeiziger Aufgaben ermöglicht", sagt Projektkoordinator Jan-Michael Peters. MitoCheck stellt nicht nur einen Meilenstein für das Verständnis der Zellteilung dar, sondern wird auch anderen Disziplinen der Lebenswissenschaften nützen. Die Arbeiten an MitoCheck haben die Entwicklung neuer Technologien, z.B. in der automatisierten Mikroskopie und der Proteomik, entscheidend vorangetrieben.

Langfristig wollen die Forscher die Zellteilung vollständig verstehen und dieses Wissen auch für die Entwicklung wirksamerer Krebsmedikamente nützen. Dazu wird allerdings noch viel Grundlagenarbeit notwendig sein. Der nächste große Schritt in diese Richtung ist bereits getan. Die Europäische Union fördert ein fünfjähriges Nachfolgeprojekt mit dem Namen "MitoSys", das ebenfalls wieder vom IMP koordiniert wird. Das Projekt startet noch in diesem Jahr.

1) Die Arbeit des IMP-Teams "Systematic Characterization of Human Protein Complexes Identifies Chromosome Segregation Proteins" (Hutchins et al.) erscheint am 1. April 2010 in der online-Ausgabe der Zeitschrift Science.

2) Die Arbeit des EMBL-Teams "Phenotypic profiling of the human genome by time-lapse microscopy reveals cell division genes" (Neumann et al.) erscheint am 1. April 2010 in der Zeitschrift Nature.

Kontakt:
Mag. Evelyn Missbach MAS
IMP-IMBA Communications
Tel: +43 1 79730 3626
evelyn.missbach@imba.oeaw.ac.at
Dr. Yan Sun
Projekt-Koordination
Tel: +43 1 79730 3254
Yan.sun@imp.ac.at
Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Jan-Michael Peters
Jan-Michael.Peters@imp.ac.at

Evelyn Missbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.mitocheck.org
http://www.imp.ac.at/pressefoto-mitocheck

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Feinste organische Partikel in der Atmosphäre sind häufiger glasartig als flüssige Öltröpfchen
21.04.2017 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Darmflora beeinflusst das Altern
21.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten