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Gefahr durch Sporen in wasserführenden Systemen gebannt

23.07.2012
Entwicklung einer effizienten Desinfektionsmethode für sporenbelastete Prozesswässer in gewerblichen Wäschereien

Zu den häufigsten mikrobiologischen Belastungen in gewerblichen Wäschereien gehören Bakterienarten, die unter lebensfeindlichen Bedingungen Dauerformen, sogenannte Sporen bilden. Diese von den Bakterien gebildeten Endosporen weisen eine außerordentliche Widerstandsfähigkeit etwa gegen Hitze, Kälte oder Austrocknung auf. Durch diese hohe chemo-thermische Resistenz werden Sporen in desinfizierenden Waschverfahren nicht sicher inaktiviert bzw. abgetötet.


Zu den Sporenbildnern gehören neben den Arten Bacillus anthracis (Milzbrand), Clostridium botulinum (Botulismus) und Clostridium tetani (Tetanus) aber unter anderem auch der Bodenkeim Bacillus cereus, der wie Clostridium botulinum Lebensmittelvergiftungen hervorruft
Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bacillus
_cereus_and_Escherichia_coli.jpg

Darüber hinaus kann eine Anreicherung von Sporen in allen wasserführenden Systemen zu einer systemischen bakteriellen Kontamination des gesamten Waschprozesses und damit zu hygienisch inakzeptablen Waschergebnissen führen. Um eine bestehende Versporung zu beseitigen, müssen Prozesswassertanks für eine Sanierung unter hygienischen Aspekten stillgelegt werden, was zu Produktionsausfällen der Aufbereitungsanlage und damit zu unerwünschten Zusatzkosten führt. Wissenschaftlern der Hohenstein Institute ist es nun gelungen, im Rahmen eines Forschungsprojekts eine effiziente Desinfektionsmethode für sporenbelastete Prozesswässer in gewerblichen Wäschereien zu entwickeln.

Besonders Textilien, die in hygienisch sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern, Lebensmittel verarbeitenden Betrieben oder Pflegeheimen eingesetzt werden, müssen frei von pathogenen Keimen sein. Die Keimfreiheit der Textilien direkt nach dem Waschprozess ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben zum desinfizierenden Aufbereiten von Textilien aus hygienisch relevanten Bereichen gesichert. Im nachfolgenden Spülprozess jedoch kann es durch den Eintrag von Keimen aus dem Prozesswasser immer wieder zu Re-Kontaminationen der Wäsche kommen. Somit gelangen Sporen auch auf die Trockenwäsche, wie Befunde vieler hygienetechnischer Untersuchungen bewiesen haben. Zu den Sporenbildnern gehören neben den Arten Bacillus anthracis (Milzbrand), Clostridium botulinum (Botulismus) und Clostridium tetani (Tetanus) aber unter anderem auch der Bodenkeim Bacillus cereus, der wie Clostridium botulinum Lebensmittelvergiftungen hervorruft. In der Praxis wird die Wiederverwendung von Vorwasch-, Klarwasch- und Spülwasser als Prozesswasser aber aus wirtschaftlichen Gründen immer wichtiger. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts bieten textilen Dienstleistern praktische Lösungen zur Sanierung und Prävention einer Sporenproblematik.

Im ersten Schritt dieses Projektes wurden mikrobiologische Untersuchungsmethoden für Sporenbildner definiert, die zwar auf bekannten Methoden aufbauen, aber die Besonderheiten der Sporenbildner berücksichtigen und damit zu gesicherten Aussagen zur tatsächlichen Sporenbelastung von Wässern und Textilien führen.

In einem nächsten Schritt wurden kombinierte Desinfektionsmaßnahmen zur Aufbereitung von Spül- und Pressenwasser mit Wasserdesinfektionsanlagen (Membran-, UV/Ozon- und UV/Ultraschall) auf ihre sporenabtötende Wirkung hin evaluiert. Alle Anlagen erzielen bei kontinuierlichem Durchflussbetrieb eine hohe Wirksamkeit. Definiert zugegebene Sporenkontaminationen werden zuverlässig und vollständig abgetötet bzw. entfernt.

Zusätzlich sind dabei aber weiterhin Sicherungsmaßnahmen zur nachhaltig hygienischen Betriebsweise erforderlich. Dazu zählen insbesondere rückspülbare Filtersysteme, zusätzliche chemische Desinfektionseinrichtungen wie z.B. Chlorung und regelmäßige Reinigung der Tanks. Zur allgemeinen Hygienesicherheit bleibt es zusätzlich weiterhin unerlässlich, Maschinenoberflächen, technische Einrichtungen und Böden regelmäßig in definierten Abständen zu reinigen und zu desinfizieren. Hier genügen im Allgemeinen gelistete Desinfektionsmittel ohne besondere sporizide Wirkung. Erst wenn tatsächlich gravierende Probleme auftauchen, ist der zusätzliche Einsatz sporizider Desinfektionsmittel unerlässlich.

Ein weiteres Ziel war die Definition von Orientierungswerten, die Betriebe im Rahmen von Eigenkontrollen bei der Einschätzung des Risikos einer latenten Sporenproblematik unterstützen sollen. Die Auswertung von bundesweit 1.300 Datensätzen ergab einen repräsentativen und statistisch auswertbaren Querschnitt über die Sporenproblematik in wasserführenden Systemen bei der industriellen Textilaufbereitung. Das Resultat zeigt, dass bei desinfizierend wirksamen Waschverfahren spätestens ab acht von zehn Trockenwäscheproben mit Sporenbefund die empfohlenen Zusatzmaßnahmen gegen Sporen ergriffen werden sollten. Bei nicht desinfizierend wirksamen Waschverfahren wird empfohlen, bereits ab drei Sporenbefunden aktiv zu werden. Für Wasserproben besteht bereits ab zwei Sporenbefunden Handlungsbedarf.

Wir danken der Forschungsvereinigung Forschungskuratorium Textil e.V. für die finanzielle Förderung des Forschungsvorhabens AiF-Nr. 16416 N, die im Rahmen des Programms zur Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages erfolgte.

Andrea Höra | idw
Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de/de/inline/pressrelease_24194.xhtml

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