Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefährlicher Leberkrebs: Forscher enthüllen die Verbindung zu Leberkrankheiten

23.06.2016

Leberkrebs nimmt weltweit zu – Ausgangspunkt sind in Asien und Afrika Leberinfektionen wie die Hepatitis B und C, in Europa zusätzlich auch Alkoholkonsum und Überernährung, die zu Leberzirrhose und Fettleber führen: Mediziner sehen mit Sorge, dass immer mehr Menschen nach solchen Erkrankungen auch Leberkrebs bekommen. Dringend nötig sind daher Strategien, die Risikopatienten mit Leberstörungen davor bewahren können, Krebs zu bekommen. Forscher um Arndt Vogel von der Medizinischen Hochschule Hannover haben dazu nach Ansatzpunkten gesucht, wie man bei Risikopatienten den Krebs verhindern kann. Dabei kamen sie überraschend einem Gen auf die Spur, das scheinbar aktiv den Krebs hervorruft.

Leberkrebs ist einer der häufigsten und tödlichsten Tumore weltweit, und sein Vorkommen nimmt zu. Zwar tritt der Leberkrebs in Asien und Afrika mehr als doppelt so oft auf wie in Europa, weil dort Virusinfektionen wie Hepatitis B viel häufiger sind, die den Leberkrebs auslösen.


Leberschädigung und Krebs: Bei Mäusen, denen p21 fehlt, teilen sich die Zellen stark (rosa Feld), wenn die Leber sehr geschädigt ist. Anders bei Tieren, deren Leber nur moderat gestört ist (blau)

Arndt Vogel, Universität Hannover

Doch in Europa leiden dafür immer mehr Menschen an Lebererkrankungen wie der Fettleber. Sie sind gefährdet, weil gestörte Leberzellen entarten könnten. Auch der anhaltend hohe Alkoholkonsum in den westlichen Industrieländern trägt zum Risiko bei.

In Deutschland sind alleine von der nicht-alkoholischen Fettleber, die durch Überernährung entsteht, 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung betroffen. Dazu kommen die Patienten, die schon an einer Leberzirrhose leiden, etwa durch chronischen Alkoholmissbrauch. So entsteht eine sehr große Gruppe von Risikopatienten, die von Leberzellkrebs bedroht sind – ihre Zahl hat sich in Deutschland innerhalb von 30 Jahren verdoppelt.

Die Gefahr ist hoch, denn Leberkrebs gehört wie Bauchspeichdrüsenkrebs zu den gefährlichsten Tumorarten: Anfangs macht er keine Symptome und wird daher meist spät entdeckt. Dadurch stehen die Überlebenschancen schlecht. Wirkungsvolle Therapie sind die Leberresektion und Lebertransplantation, doch die Möglichkeit dazu gibt es nur für sehr wenige Menschen.

Signalwege in der Zelle können Krebs bremsen

Neben neuen Therapiemöglichkeiten für den Krebs suchen Forscher daher nach Strategien, um die vielen Risikopatienten vor Leberkrebs zu schützen.

Prävention heißt das Stichwort, und zwar durch Medikamente, die man Patienten mit hohem Risiko vorsorglich geben könnte. Wo Medikamente ansetzen und wirken könnten, hat ein Forscherteam an der Universität Hannover in den Blick genommen:

Die Wissenschaftler unter der Leitung von Arndt Vogel haben dazu verschiedene Signalwege in den Leberzellen untersucht, die eigentlich den Krebs unterdrücken sollten. Denn wie alle Körperzellen verfügen auch Leberzellen über Mechanismen, die es ihnen erlauben, sich zu regenerieren und Schäden zu reparieren.

Eines der wichtigsten Werkzeuge ist der sogenannte p53-Signalweg. Er reguliert Reparaturvorgänge an der DNA der Zellen – ein internes Notfallsystem, das einspringt, wenn genetische Schäden vorliegen. Dann hindert p53 die kranke Zelle am Wachstum und leitet, wenn nötig, die Selbstzerstörung ein.

Dieser programmierte Zelltod ist ein wichtiger Sicherheitsmechanismus gegen Krebs. Einige Funktionen von p53 werden über p21 vermittelt. Über p21 ist allerdings bisher viel weniger bekannt - zumindest bremst p21 die Zellteilung, was ihn für die Hannoveraner Forscher interessant machte. Denn eine unkontrollierte Zellteilung ist typisch für Krebs.

Um hier einen Ansatzpunkt für Medikamente zu finden, hat das Team um Arndt Vogel verschiedene Mäuse, die an Lebererkrankungen litten, untersucht. Die kranken Tiere entwickeln ebenso wie Menschen nach einer gewissen Zeit Leberkrebs. Die Forscher konnten nun belegen, dass ausgerechnet p21, das die Leberzellen schützen sollte, ein doppeltes Gesicht hat: Unter bestimmten Umständen bremst es den Krebs nicht, sondern fördert sogar einen Tumor. Dafür arbeiteten die Krebsforscher mit verschiedenen Gruppen von Mäusen.

p21 hat ein doppeltes Gesicht

Die Ergebnisse zeigen, dass die Stärke der Leberschädigung für die Entwicklung von Krebs bedeutsam ist - und dass der Signalweg p21 je nach Situation eine unterschiedliche Rolle spielt. Bei Mäusen mit starker Leberschädigung bremst p21 die Zellteilung von Leberzellen mit DNA Schädigung und hemmt so die Tumorentstehung. Überraschenderweise wurde aber die Tumorentstehung bei der gleichen Lebererkrankung durch p21 gefördert, wenn die Leberschädigung etwas geringer ausgeprägt war. „Wir müssen daher stärker kontrollieren, in welchem Stadium die Leber gefährdeter Patienten ist. Das ist für den Verlauf sehr wichtig, denn je nach Lage können die Signalwege in den Zellen ihre Funktion wechseln und einen Tumor fördern“, so Arndt Vogel. Die Forscher hoffen jetzt, dass sie in folgenden Studien weitere Signalwege identifizieren können, die Ansatzpunkte für die Entwicklung von Medikamenten zur Verhinderung von Tumorerkrankungen in der Leber bieten.

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat dieses Forschungsprojekt mit rund 165.000 Euro unterstützt. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 220 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Damit ist die Wilhelm Sander-Stiftung eine der bedeutendsten privaten Forschungsstiftungen im deutschen Raum. Sie ging aus dem Nachlass des gleichnamigen bayerischen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt:
Prof. Dr. Arndt Vogel
Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover
Tel: 0511-532-9590 | Fax: 0511-532-4092
Vogel.arndt@mh-hannover.de

Kontakt Wilhelm Sander-Stiftung
Wilhelm Sander-Stiftung
Goethestraße 74
80336 München
Tel: +49 (89) 544 187 0
Fax: +49 (89) 544 187 20
www.sanst.de

Weitere Informationen:

http://www.mh-hannover.de/ag-vogel.html
http://www.sanst.de

Bernhard Knappe | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Fettleber Krebs Leber Lebererkrankungen Leberkrebs Leberzellen Signalwege Tumor Zellteilung dna

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise