Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungszentrum CARE kommt

26.06.2012
Stammzellforscher begrüßen Aufbau des Center for Advanced Regenerative Engineering

Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster, begrüßt das klare Bekenntnis der neuen nordrhein-westfälischen Koalition aus SPD und Grünen zum Forschungszentrum CARE in Münster: „Wir freuen uns über die eindeutige Vereinbarung, dass dieses wichtige Institut jetzt aufgebaut werden kann.“

Damit bekomme Nordrhein-Westfalen die Chance, seinen Platz in der Weltspitze der Stammzellforschung für medizinische Anwendungen nachhaltig zu stärken, so Schöler weiter. CARE – die Abkürzung steht für „Center for Advanced Regenerative Engineering“ – ist ein so genanntes translationales Forschungszentrum. In ihm sollen Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung gemeinsam mit der Wirtschaft so weiter entwickelt werden, dass sie Patienten einen echten Nutzen in Form neuen Therapie- und Diagnoseverfahren bringen. CARE wurde vom MPI in Münster und Max-Planck-Innovation, der Technologietransfer-Organisation der Max-Planck-Gesellschaft, initiiert.

„Dieses Projekt war in den vergangenen zwei Jahren eine emotionale Achterbahn“, sagt Ulrich Gerth, designierter Geschäftsführer von CARE. Von totaler Euphorie bis zu Resignation sei alles dabei gewesen auf dem Weg, das Institut Realität werden zu lassen. „Ulrich Gerth hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Euphorie immer wieder die Oberhand gewonnen hat“, stellt Schöler fest: „Ihm ist es gelungen, für die wissenschaftlichen Ideen, die wir mit CARE weiterverfolgen wollen, ausgezeichnete organisatorische und wirtschaftlich tragfähige Konzepte zu entwickeln.

So konnten wir gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Münster die Politik von der Bedeutung überzeugen, die CARE für Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus hat.“ CARE sei, so Schöler, genau das richtige Instrument, um Grundlagenforschung zum Nutzen der Patienten weiter zu entwickeln: In CARE werden Wissenschaftler Werkzeuge und Methoden etablieren, die die Suche nach neuen Medikamenten deutlich effizienter machen.

Grundlage der Arbeit an CARE bilden induzierte pluripotente Stammzellen (iPS), die Stammzellforscher Schöler und sein Team am MPI für molekulare Biomedizin mit sehr großem Erfolg untersuchen: iPS werden aus ausdifferenzierten Körperzellen gewonnen und sind in der Lage, sich in viele verschiedene Richtungen weiter zu entwickeln. „Diese Alleskönner-Zellen haben ein ähnlich großes Potenzial wie embryonale Stammzellen“, sagt Schöler. „Da die hierfür notwendigen Hautzellen aber von erwachsenen Spendern stammen, sind sie ethisch unbedenklich.“ Zugleich ist die Forschung mit ihnen sehr anwendungsnah, wie Schöler erläutert: „iPS haben die gleiche genetische Ausstattung wie ihre Spender. Sind diese von einer Krankheit wie beispielsweise Parkinson oder Alzheimer betroffen, so liegt die Grundlage dafür auch in den iPS.“ Das macht diese Zellen so interessant für die Wirkstoffforschung.

Ziel ist es, mit ihrer Hilfe Wirkstoffe zu finden, die in der Zellkultur die gleiche Reaktion auslösen wie in Körperzellen von Erkrankten. Diese Substanzen haben bessere Chancen als konventionell identifizierte Kandidaten, in den sehr aufwändigen und teuren klinischen Tests zu bestehen: Da es sich bei der Kultur der iPS-Zellen um ein biologisches und nicht nur um ein biochemisches System handelt, können die Stoffe hier auf ihre Wirkung und zugleich auf mögliche Nebenwirkungen getestet werden. Wirkstoffe, die bereits in den iPS-Zellkulturen Nebenwirkungen zeigen, können frühzeitig aus der weiteren Entwicklung ausgeschlossen werden. Dies wird zu einer Reduktion von Tierversuchen führen. Ein weiterer Aspekt, der bei CARE eine wichtige Rolle spielen wird, ist die regenerative Medizin. Langfristiges Ziel ist, dass iPS auch als Ersatz für geschädigte Körperzellen oder gar ganze Gewebe therapeutisch genutzt werden können.

Zunächst liegt der Schwerpunkt jedoch auf der Wirkstoffforschung in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie. „In der Struktur von CARE spiegelt sich jedoch die Gemeinnützigkeit der Initiative deutlich “, erläutert der zukünftige Geschäftsführer Gerth: „Die Forschungsprojekte werden meist zusammen mit forschenden Pharmafirmen durchgeführt und sollen im Erfolgsfall natürlich von diesen auch genutzt werden.“ Dabei werde es auch eine enge Zusammenarbeit mit der Lead Discovery Center GmbH, einer Ausgründung von Max-Planck-Innovation geben, die u.a. verschiedene Substanz-Libraries bereitstellen wird. Wichtig sei, so Gerth, dass CARE als öffentliche Institution beispielsweise über Lizenzverträge an den wirtschaftlichen Erträgen beteiligt sei, so dass es zu einer Refinanzierung der Forschung komme. Damit CARE nach der jetzt beschlossenen Anschubfinanzierung der Koalitionäre möglichst unabhängig von staatlicher Finanzierung wird.

Kontakt:
Dr. Ulrich C. Gerth
Designated Managing Director
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
Telefon: +49 25 1834-6836
Email: u.gerth@­mpi-muenster.mpg.de

Dr Harald Rösch | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://­www.mpi-muenster.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Winzige Spurenverunreinigungen, enorme Auswirkungen
23.08.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Neuer Test für seltene Immunschwäche
23.08.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen