Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung an Systemen zur gezielten und steuerbaren Medikamentenfreisetzung in Krebstherapie

23.02.2011
Internationale Fachzeitschrift veröffentlicht Ergebnisse

Ein Forscherteam der TU Dresden erforscht erfolgreich neue Materialien, welche vor allem für Anwendungen in der Krebstherapie vielversprechend sind. Weltweit erstmals ist es ihnen gelungen metallorganische Gerüstverbindungen (MOFs, metal-organic frameworks) mit magnetischen Partikeln zu verbinden.

In einer solchen Verbindung bilden Moleküle ein hochporöses Netzwerk, dessen Hohlräume mit verschiedenen Stoffen gefüllt werden können. „Theoretisch könnten dort Medikamente eingelagert werden“, sagt Martin Lohe, Doktorand an der Professur für Anorganische Chemie I der TU Dresden. Er hat die neuen Erkenntnisse zusammen mit Physiker- und Chemikerkollegen entwickelt.

Mit den zusätzlichen magnetischen Partikeln können die MOF-Verbindungen im Körper nicht nur an die richtige Stelle transportiert werden, zum Beispiel dorthin, wo der Tumor sitzt. Mittels magnetischer Wechselfelder wie denen in einem MRT werden die Partikel auch erwärmt und können als eine Art Fernsteuerung genutzt werden. Medikamente werden von warmen Partikeln schneller freigesetzt, wodurch eine gewisse Steuerung der Medikamentendosierung von außerhalb ermöglicht wird.

Noch ist der Einsatz der MOFs in der Krebstherapie Zukunftsmusik. Martin Lohe rechnet, dass bis dahin noch mindestens fünf bis zehn Jahren vergehen. Denn bisher sind nur sehr wenige, für den Menschen unbedenkliche und stabile MOFs bekannt. „Ein erster wichtiger Schritt ist mit unserer Erkenntnis jedoch getan“, sagt er. Die hergestellten Materialien können Modell für zukünftige Weiterentwicklungen sein.

Neben der Anwendung in der Medizin können die neuen magnetischen Strukturen auch in der chemischen Industrie zum Einsatz kommen. Hier dienen die MOFs als Katalysatoren, also Hilfsmittel bei der Herstellung von Chemikalien. Dank der magnetischen Eigenschaften lassen sich die Partikel nach dem Produktionsprozess aus Flüssigkeiten schnell und einfach abtrennen. Sie können so mehrmals verwendet werden. „Das ist umweltfreundlich und nachhaltig“, sagt Martin Lohe.

Die Ergebnisse der Dresdner sind jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Chemical Communications erschienen. In der monatlich erscheinenden chemischen Nachrichtenzeitschrift Chemistry World der britischen Royal Society of Chemistry wurde die Arbeit als „research highlight“ vorgestellt. Auch in den USA hat die Forschung von Martin Lohe Interesse geweckt. Das Crystal Growth & Design Network der American Chemical Society ehrt die Dresdner Gruppe und ihre Erkenntnisse als „Structure of the Week“.

Der Beitrag in der Chemistry World ist im Internet verfügbar.
http://www.rsc.org/chemistryworld/News/2011/February/04021102.asp
Informationen für Journalisten:
Martin Lohe, Doktorand an der Professur für anorganische Chemie I der TU Dresden
Tel.: +49 351 463- 32021
Martin.Lohe@chemie.tu-dresden.de

Mathias Bäumel | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de
http://www.rsc.org/chemistryworld/News/2011/February/04021102.asp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der erste Blick auf ein einzelnes Protein
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart

nachricht Unterschiedliche Rekombinationsraten halten besonders egoistische Gene im Zaum
18.01.2017 | Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik