Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forscher der Saar-Uni weisen nach, wie eine Fettleber entsteht

11.06.2014

Pharmazeuten der Saar-Uni um Professorin Alexandra Kiemer haben in einer Studie gezeigt, wie es zu einer Fettleber kommt.

Verantwortlich für den molekularbiologischen Mechanismus ist ein Protein, das p62. Es veranlasst ein bestimmtes Enzym, mehr Fett in der Leber zu bilden und einzulagern. Gleichzeitig sorgt es auch dafür, dass die Leberzellen mehr von diesem Enzym produzieren.


Die mikroskopische Aufnahme zeigt eine Fettleber. Die weißen "Flecken" sind sozusagen die Fetttröpfchen im Gewebe. Foto: AG Kiemer/Saar-Uni

Die Ergebnisse der Forscher könnten dazu beitragen, Therapien zu entwickeln, um Entzündungsprozessen in der Leber vorzubeugen oder diese zu behandeln. Die Studie wurde nun in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Lipid Research“ veröffentlicht.

Lebererkrankungen sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Dabei schadet nicht nur ein Zuviel an Alkohol der Leber, sondern offenbar auch eine falsche Ernährung. „Schätzungen gehen davon aus, dass sechs bis 33 Prozent der Bevölkerung in den Industrieländern an einer nicht-alkoholischen Fettleber leiden“, erklärt Alexandra Kiemer, Professorin für Pharmazeutische Biologie an der Universität des Saarlandes.

Aus dieser Form kann sich schleichend eine entzündliche Fettleber entwickelt. Sie kann im Laufe der Zeit zu einer Zirrhose und letztlich zu Leberkrebs führen. Die Krankheit bleibt meist lange unentdeckt, erst im fortgeschrittenen Stadium machen sich Symptome bemerkbar. In der Regel sind mehr Männer als Frauen betroffen.

In einer aktuellen Studie haben die Saarbrücker Pharmazeuten um Kiemer untersucht, welche molekularbiologischen Prozesse zu einer entzündeten Fettleber führen. Dafür haben sie in menschlichen Leberzellen ein Protein, das p62, genau unter die Lupe genommen. „Dieses Molekül wurde erstmals 1999 bei einem Patienten mit Leberkrebs entdeckt“, sagt die Professorin.

„Normalerweise kommt es nur in der Leber von Föten während der Entwicklung vor. Welche Funktion es hat, war lange unklar.“ In einer vorangegangenen Arbeit haben die Wissenschaftler der Saar-Uni bereits gezeigt, dass p62 an der Bildung einer Fettleber beteiligt ist. Nun sind sie der Frage nachgegangen, wie genau das Protein an dieser gesteigerten Fetteinlagerung beteiligt ist.

In der Leber liegt Fett in Form von gebundenen kurzen oder langen Fettsäure-Molekülen vor. Verantwortlich für die Länge der Fettsäuren ist ein bestimmtes Enzym, das die Moleküle verlängert. Erstmals konnten Kiemer und ihr Team nachweisen, dass p62 dafür sorgt, dass deutlich mehr Enzym gebildet wird und dadurch mehr Fettsäuren verlängert werden. So lagert sich wiederum mehr Fett in der Leber ein, wodurch Entzündungsprozesse gefördert werden.

Die Ergebnisse der Forscher zeigen zum ersten Mal, welche molekularbiologischen Prozesse bei der Entstehung der Fettleber ablaufen. Die so gewonnenen Erkenntnisse könnten dazu beitragen, therapeutische Verfahren zu entwickeln, die eine Entzündung der Leber unterbinden oder aufhalten.

Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Lipid Research veröffentlicht:
Laggai S, Kessler SM, Boettcher S, Lebrun V, Gemperlein K, Lederer E, Leclercq IA, Mueller R, Hartmann RW, Haybaeck J, Kiemer AK: The IGF2 mRNA binding protein p62/IGF2BP2-2 induces fatty acid elongation as a critical feature of steatosis.
DOI: 10.1194/jlr.M045500

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Alexandra Kiemer
Pharmazeutische Biologie
Tel.: 681 302-57311 oder -57322
E-Mail: pharm.bio.kiemer(at)mx.uni-saarland de

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).

Melanie Löw | Universität des Saarlandes

Weitere Berichte zu: Biologie Enzym Fett Fettleber Fettsäuren Leber Leberkrebs Lipid Protein protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise