Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fleischfressende Pflanze mit Katapultfalle

27.09.2012
Neuer Beutefangmechanismus bei einem Sonnentau mit Schnapptentakeln beschrieben

Fleischfressende Pflanzen haben komplexe Mechanismen entwickelt, um in nährstoffarmer Umgebung zu überleben: Fallensysteme sorgen dafür, dass kleine Beutetiere wie Insekten angelockt, gefangen, getötet, verdaut und die daraus gewonnenen Nährstoffe aufgenommen werden. Führt die Pflanze mit ihrer Falle eine Bewegung aus, spricht man von einer aktiven Falle.


Drosera glanduligera
Quelle: Uni Freiburg

Die Biomechanik und funktionelle Morphologie dieser aktiven Systeme sind Gegenstand aktueller Untersuchungen in der Plant Biomechanics Group des Botanischen Gartens Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Speck. Im Rahmen der Promotion von Simon Poppinga vom Biologischen Institut II haben die Biologinnen und Biologen in Zusammenarbeit mit den Züchtern Siegfried und Irmgard Hartmeyer erstmals die Fangbewegung der extrem heiklen und seltenen fleischfressenden Pflanze Drosera glanduligera, einem Sonnentau, genau beschreiben und analysiert.

Diese neue und spektakuläre Bewegung wurde biophysikalisch beschrieben und die Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

Sonnentau-Arten sind für ihre mit klebrigen Tentakeln besetzten Blätter bekannt, an denen Beutetiere haften bleiben und durch langsame, Minuten dauernde Bewegungen umschlungen werden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der im Schwarzwald heimische, in nährstoffarmen Mooren wachsende Rundblättrige Sonnentau Drosera rotundifolia. Die aus Australien stammende Art Drosera glanduligera bildet zusätzlich zu den klebrigen Leimtentakeln leimfreie Schnapptentakel aus, die sich nach Berührung innerhalb von 75 Millisekunden falleneinwärts biegen und schneller sind als die „Fangeisen“ der berühmten Venusfliegenfalle. Bislang konnte über diese Funktion jedoch nur spekuliert werden. Die Biologen konnten nun zeigen, dass diese Schnapptentakel unvorsichtige Beutetiere auf die Mitte des klebrigen Fangblattes schleudern. Die Pflanze verfügt somit über einen kombinierten Katapult- und Klebemechanismus.

Fleischfressende Pflanzen erfreuen sich unter Sammlern großer Beliebtheit. Auch wenn der hier beschriebene Fangmechanismus mit Sicherheit zu den spektakulärsten Bewegungen im Pflanzenreich gehört, so werden ihn aufgrund der schwierigen Haltung und der kurzen Lebensdauer der Pflanze nur wenige Menschen live erleben können. Doch die Arbeit an diesem Sonnentau wurde dokumentarisch festgehalten und kann auf YouTube angesehen werden: http://www.youtube.com/watch?v=Zzi3XDQs-i0

Veröffentlichung:
Poppinga, S., Hartmeyer, S. R. H., Seidel, R., Masselter, T., Hartmeyer, I., Speck, T. (2012) Catapulting tentacles in a sticky carnivorous plant. PLOS ONE (in press.). doi: 10.1371/journal.pone.0045735
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0045735

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Speck
Plant Biomechanics Group
Botanischer Garten der Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-2875
Fax: 0761/203-2880
E-Mail: thomas.speck@biologie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | Uni Freiburg
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de
http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2012/pm.2012-09-27.253-en?set_language=en

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte