Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fledermäuse: Einheimische und Migranten hängen gemeinsam ab

20.01.2014
Der Große Abendsegler überwintert in alten Baumhöhlen. Diese Winterquartiere für Fledermäuse verschwinden zunehmend, da es immer weniger alte, große Bäume gibt.

Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) belegen gemeinsam mit internationalen Partnern in einer aktuellen Studie, dass Fledermauskästen daher für die Erhaltung dieser bedrohten Art umso wichtiger sind.


Über 100 Große Abendsegler überwintern in einem Fledermauskasten. | Foto: IZW

Einige Fledermausarten ziehen zum Überwintern in wärmere Gefilde. So werden die Großen Abendsegler aus Skandinavien und Osteuropa von der Kälte in Richtung Deutschland getrieben, wo sie in gemeinsamen Gruppen mit Einheimischen den Winter über in alten Baumhöhlen abhängen.

Doch diese Quartiere gehen zunehmend verloren: Innerhalb der Städte werden in Parks und Grünanlagen oft solche alte Bäume abgeholzt, die drohen, marode zu werden – sie sind ein Sicherheitsrisiko. Auch in Wäldern erreichen Bäume immer seltener ein Alter, in dem sich Hohlräume bilden. Gerade in den letzten Jahren wurde in vielen Gebieten vor allem in den neuen Bundesländern die Waldnutzung intensiviert. Der Bestand an alten Bäumen wird dann drastisch dezimiert.

Um den Fledermäusen dennoch eine Möglichkeit zum Überwintern zu bieten, hängen ehrenamtliche Fledermausschützer und Naturschutzorganisationen künstliche Winterquartiere auf. Dr. Christian Voigt vom IZW erläutert: „Wir wollten wissen, ob nur einheimische Fledermäuse in diesen Kästen überwintern, oder auch solche, die nur für den Winter in unsere Gegend gekommen sind.“

Die Forscher stellten fest, dass 70 Prozent der Großen Abendsegler in den Kästen aus der Region stammen und 30 Prozent einen Migrationshintergrund haben.

Woran erkennen die Wissenschaftler, woher ein Großer Abendsegler stammt? Migranten sehen nicht anders aus als ihre deutschen Artgenossen, auch sprachliche und kulturelle Unterschiede sind nicht bekannt. In ihrer Studie haben die Forscher drei Kriterien für die Herkunft der Fledermäuse zugrunde gelegt.

Als erstes haben sie Fellproben analysiert. Dabei haben sie einige wenige Härchen vom Rücken der Fledermäuse abgeschnitten und das Verhältnis der stabilen Wasserstoffisotope bestimmt. In jeder Temperaturzone gibt es ein ganz bestimmtes Verhältnis von leichten und schweren Wasserstoffisotopen. Diese Isotope befinden sich in allen Pflanzen und Tieren. Wenn die Forscher das Verhältnis kennen, können sie angeben, aus welcher Temperaturzone ein Tier stammt.

Schon in früheren Jahren wurden die Wanderrouten von Fledermäusen mit Beringungen untersucht. Aus den Beringungsstudien wurde die Distanz und Richtung der Wanderungen des Großen Abendseglers ermittelt. Mit allen drei Kriterien – Isotopenverhältnis, Distanz und Richtung – lässt sich dann eine Wahrscheinlichkeitsverteilung für die Herkunft der überwinternden Großen Abendsegler errechnen.

Die Forscher haben verschiedene Überwinterungsplätze im Norden Deutschlands untersucht. Sie fanden nun heraus, dass die Wintergäste im Berliner Raum aus Polen stammen, die Gäste Schleswig-Holsteins und Nordrhein-Westfalens halten sich im Sommer in Südschweden auf.

Christian Voigt betont: „Unsere Studie zeigt erstmals, wie wichtig die Fledermauskästen auch für den internationalen Fledermausbestand sind. Gerade der Große Abendsegler bedarf des besonderen Schutzes, da er häufig an Windkraftanlagen verunglückt – Grund dafür ist, dass er im Bereich der Rotorblätter fliegt, wenn er in den Süden wandert, aber auch bei der Nahrungssuche.“

Von den Zuzüglern aus kälteren Regionen profitieren auch die lokalen Populationen. Die Großen Abendsegler balzen schon während des Herbstzuges. Dabei singen die Männchen ähnlich virtuos wie Singvögel und locken damit Weibchen, die sich auf dem Zug befinden, in ihr Balzquartier. So durchmischen sich die verschiedenen.

Sie finden die Pressemitteilung mit Foto unter http://www.fv-berlin.de/news/fledermaeuse-einheimische-und-migranten-haengen-gemeinsam-ab.

Publikation
Biodiversity and Conservation
DOI: 10.1007/s10531-014-0620-y
Kontakt
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung
PD Dr. Christian C. Voigt
Tel: (030) 5168-517
E-Mail: voigt@izw-berlin.de

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin
Weitere Informationen:
http://www.batlab.de
http://www.fv-berlin.de/news/fledermaeuse-einheimische-und-migranten-haengen-gemeinsam-ab
http://www.fv-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen
12.12.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Undercover im Kampf gegen Tuberkulose
12.12.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik