Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flechten leiden unter dramatischen Verlusten

19.12.2012
Viele Flechtenarten reagieren sehr sensibel auf Luftschadstoffe und klimatische Veränderungen und gelten daher als sogenannte Bioindikatoren.

Ein Rückgang des Artenreichtums dieser Organismen lässt auf eine negative Veränderung der Umweltbedingungen schließen. Wissenschaftler der Universität Göttingen konnten nun nachweisen, dass es in den vergangenen 150 Jahren zu dramatischen Verlusten des Artenreichtums bei epiphytischen Flechten kam. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.


Lobaria pulmonaria ist eine typische Flechtenart luftfeuchter Waldbinnenlagen, die im 19.Jahrhundert weit verbreitet war, aber heute in Norddeutschland fast ausgestorben ist.

Foto: Einar Timdal

Göttinger Forscher untersuchen Artenrückgang – Ursachen sind Holzeinschlag und Trockenlegung

Flechten sind symbiotische Lebensgemeinschaften, die aus einem Pilz- und einem oder mehreren Algenpartnern bestehen und wesentlich zur Biodiversität von Wäldern beitragen. Die meisten der in Wäldern vorkommenden Flechtenarten sind sogenannte Epiphyten, das bedeutet sie wachsen auf einer anderen Pflanze, Baumrinde oder Totholz. Viele Flechtenarten reagieren sehr sensibel auf Luftschadstoffe und klimatische Veränderungen und gelten daher als sogenannte Bioindikatoren. Ein Rückgang des Artenreichtums dieser Organismen lässt auf eine negative Veränderung der Umweltbedingungen schließen. Wissenschaftler der Universität Göttingen konnten nun nachweisen, dass es in den vergangenen 150 Jahren zu dramatischen Verlusten des Artenreichtums bei epiphytischen Flechten kam. Ihre Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.

Die Wissenschaftler verglichen historische Daten mit aktuellen Studien. Dabei fanden sie etwa 30 Prozent der ursprünglich in Waldgebieten des Nordwestdeutschen Tieflandes und im Solling vorkommenden epiphytischen Flechtenarten nicht mehr vor. Diese müssen daher in den untersuchten Gebieten als ausgestorben gelten, schließen die Forscher. Darüber hinaus kam es zu starken Veränderungen in der Artenzusammensetzung und Häufigkeit der vorkommenden Flechtenarten. So war ein besonders starker Rückgang bei Arten zu beobachten, die sich auf Standorte wie regengeschützte Furchen in der Baumrinde, Aushöhlungen in alten Bäumen oder feuchtes Totholz spezialisiert haben. Nur wenige Flechtenarten konnten von erhöhten Schadstoffeinträgen oder Klimaänderungen profitieren und breiteten sich aus.

Die Abholzung von Altbäumen, die Entfernung von Totholz oder die Trockenlegung von Waldbeständen während der Industrialisierung gelten als Hauptursache für den starken Artenrückgang der epiphytischen Flechten. „Um einem weiteren Artenrückgang entgegenzuwirken, benötigen wir strukturreiche Wälder mit einem höheren Anteil von Altbäumen und Totholz“, sagt Prof. Dr. Christoph Leuschner von der Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung und Leiter der Studie. Daneben tragen Luftschadstoffe zum Rückgang der Flechten bei.
Die Studie wurde im „Biochange-Projekt“ im Rahmen des Exzellenzclusters „Functional Biodiversity Research“ der Universität Göttingen durchgeführt. Im Exzellenzcluster arbeiten Forscher der Fakultät für Forstwissenschaft und Waldökologie, der Fakultät für Biologie und Psychologie und der Fakultät für Agrarwissenschaften zusammen. Das Projekt wird seit 2008 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit insgesamt 3,7 Millionen Euro gefördert.

Originalveröffentlichung: Markus Hauck et al. (2013): Dramatic diversity losses in epiphytic lichens in temperate broad-leaved forest during the last 150 years. Biological Conservation 157: 136-145.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Christoph Leuschner / Prof. Dr. Markus Hauck
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Biologie und Psychologie – Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften
Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung
Untere Karspüle 2, 37073 Göttingen, Telefon (0551) 39-5722
E-Mail: cleusch@gwdg.de

Thomas Richter | idw
Weitere Informationen:
http://www.plantecology.uni-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie