Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fantastische Fähigkeit: Der Unterschied zwischen Fiktion und Realität stellt für das menschliche Gehirn kein Problem dar

14.04.2009
Viele Wege führen nach Rom. Wer das im echten Leben noch nicht erfahren hat, kann es in der Fiktion leicht nachholen, braucht dazu beispielsweise nur einmal die Abenteuer der wohl prominentesten Gallier der Comicgeschichte zu lesen.

Ein Asterix-Heft zur Hand nehmen, und die Reise durch das römische Reich - mit Blick über die Schultern der beiden Fantasiehelden - kann losgehen.

Denn Menschen besitzen die Fähigkeit, durch die Aufnahme von Inhalten aus den Medien problemlos in fiktive Welten einzutauchen und - als ob diese Befähigung noch nicht genug wäre - dabei den Bezug zur Realität nicht zu verlieren. (PLoS ONE, 11. März 2009)

Durch Filme, Romane und Computerspiele sind Menschen in der Lage, fließend in fiktive Welten einzutauchen. Wie ein Forscherteam vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften jetzt herausgefunden hat, sind sie sich dabei ihres "kognitiven Trips" nach Fantasialand stets bewusst und können die Realität ohne Probleme von der Fiktion trennen.

Wie das menschliche Gehirn diesen Spagat zwischen Realität und Fiktion schafft, konnten die Wissenschaftler bereits in einer ersten Studie zu diesem Thema aufdecken: Es war ihnen gelungen zu zeigen, dass für das Lesen von realen und fiktiven Inhalten verschiedene Regionen im menschlichen Gehirn - genau gesagt der anteriore mediale präfrontale und der posteriore cinguläre Cortex - aktiv werden.

Reale Inhalte lösten bei den Untersuchungen Aktivitäten in den Gehirnbereichen aus, die auch gefragt sind, wenn der Gebrauch des autobiographischen Gedächtnisses oder selbstreferenzielle Prozesse anstehen. Fiktive Inhalte wurden dagegen in anderen Hirnregionen verarbeitet. Diese Entdeckung begründete die Vermutung der Forscher, dass für die kognitive Verarbeitung realer Inhalte folglich persönlich relevante Erfahrungen und Kenntnisse der jeweiligen Versuchspersonen eine Rolle spielten, da diese schließlich in denselben Gehirnregionen verarbeitet wurden.

Von dieser Annahme ausgehend, wollten die Max-Planck-Wissenschaftler mit einer Folgestudie herausfinden, ob die persönliche Relevanz realer Personen oder fiktiver Charaktere für Menschen tatsächlich eine Rolle spielt.

Dafür stellten sie zunächst drei verschiedene Gruppen mit Versuchsteilnehmern zusammen, wodurch sie automatisch gewährleisten konnten, dass die persönliche Relevanz der realen und fiktiven Figuren für die Probanden verschieden war. Anschließend mussten alle Teilnehmer Sätze lesen, die entweder von fiktiven Figuren wie Cinderella oder aber realen Personen erzählten, wobei die realen Personen wiederum bekannte, wie beispielsweise der amerikanische Präsident, waren oder aber Freunde und Familienmitglieder der Probanden. Wie Anna Abraham, leitende Wissenschaftlerin der Studie, erklärt, "hat sich dabei gezeigt, dass Familienmitglieder oder Freunde, zu denen eine persönliche Bindung besteht, eine hohe Relevanz bei den Versuchsteilnehmern genossen haben. Reale, bekannte Personen dagegen mussten schon deutlich an Wichtigkeit einbüßen - von den fiktiven Charakteren ganz zu schweigen."

Wie von den Forschern erwartet, verringerte sich das Aktivierungspotenzial in den verarbeitenden Hirnregionen, je unpersönlicher die Personen in den Szenarien für die Versuchsteilnehmer wurden."Diese Entdeckung, dass sich die Aktivitäten der Gehirnregionen spontan an dem Verhältnis von Stimulus und persönlicher Relevanz der Figuren für die Versuchsteilnehmer ausrichten, ist folgerichtig und nährt die Vermutung, dass eben diese persönliche Relevanz für die Unterscheidung von Realität und Fantasie eine Schlüsselrolle spielt", betont Anna Abraham. "So liegt es nahe, dass die Tiefe des persönlichen Bezugs zu realen oder fiktiven Figuren Einfluss nimmt auf Wahrnehmungs- und Speicherungsprozesse. Dadurch ist das Gehirn wiederum in der Lage zu unterscheiden, was real und was fiktiv ist."

Originalveröffentlichung:

Abraham A, von Cramon DY
Reality = Relevance? Insights from Spontaneous Modulations of the Brain's Default Network when Telling Apart Reality from Fiction

PLoS ONE 11. März 2009, doi:10.1371/journal.pone.0004741

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Anna Abraham
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
Tel.: +49 341 9940-132
E-Mail: abraham@cbs.mpg.de

Barbara Abrell | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/
http://www.cbs.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung