Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Malaria-freie Mücke gezüchtet

19.07.2010
Genetische Manipulation macht Anopheles Parasiten-immun

Einem Forscherteam der University of Arizona ist es gelungen, genetisch veränderte Stechmücken zu züchten, die gegen den Malaria-Parasiten immun sind. Die gezüchteten und freigelassenen Gen-Mücken, könnten die wildlebenden Populationen verdrängen. Das wäre ein Ansatzpunkt gegen die Ausbreitung der Krankheit.

Der Parasit, der Einzeller Plasmodium, ist der Erreger der gefährlichen Erkrankung, die durch weibliche Stechmücken der Gattung Anopheles an den Menschen übertragen wird. Bisher scheiterten solche Versuche, weil die Moskitos den Erreger immer noch übertragen konnten. "Wenn man die Ausbreitung des Parasiten stoppen will, braucht man Moskitos, die nicht weniger als 100 Prozent resistent gegen den Erreger sind", erklärt Studienautor Michael Riehle. "Schlüpft nur ein einziger Parasit durch und infiziert einen Menschen, ist die ganze Herangehensweise zum Scheitern verurteilt", meint der Entomologe.

Forscher vom Ergebnis überrascht

Riehles Team hat molekularbiologische Techniken verwendet, bei der bestimmte genetische Informationen ins Genom der Stechmücke eingebracht werden. Dieses "Konstrukt" wurde anschließend in die Moskitoeier injiziert. Die nachfolgende Insekten-Generation trägt die veränderte genetische Information an die Nachkommen weiter.

Das Forscherteam hat für seine Versuche die Stechmücke Anopheles stephensi genommen, die am indischen Subkontinent Malariaüberträger ist. "Die genetisch veränderten Stechmücken haben wir mit malariabefallenem Blut gefüttert, doch die Plasmodium-Parasiten haben anschließend kein einziges Versuchstier infizieren können", so der Forscher. "Wir waren selbst erstaunt, wie gut das funktionierte."

Skepsis unter Experten

"Bis jetzt haben ähnliche Versuche mit veränderten Stechmücken - beispielsweise mit unfruchtbaren Männchen - nicht funktioniert", meint der Infektionsbiologe Pavel Kovarik von den Max F. Perutz Laboratories http://www.mfpl.ac.at in Wien gegenüber pressetext. "Der Ansatz ist aus akademischer Sicht sehr spannend, weniger aber in Bezug auf praktische Anwendungen."

Der Kampf gegen Malaria wird am ehesten auf pharmakologischem Weg erfolgen, meint Kovarik. Ein anderer vielversprechender Ansatz sei die Schaffung von Antikörpern. "Die Studienautoren haben in ihrer Publikation kein Statement abgegeben, einen Praxis-Versuch mit den gentechnisch veränderten Stechmücken zu starten", meint der Forscher. "Es ist schwer vorstellbar, dass man die weltweite Population von Anopheles-Mücken genetisch manipuliert."

Eine Mio. Todesopfer jährlich

Jährlich erkranken weltweit rund 250 Mio. Menschen an Malaria. Nach Schätzungen der WHO sterben rund eine Mio. - der Großteil davon sind Kinder. 90 Prozent der Fälle treten in Afrika südlich der Sahara auf. Auch in der Reisemedizin ist Malaria und die dazu gehörige Praxis immer noch ein heißes Thema.

"Die in der Zwischenzeit vorhandenen Medikamente gegen Malaria sind sehr gut", meint der Tropenmediziner Herwig Kollaritsch vom Zentrum für Reisemedizin http://www.reisemed.at/reisemedzentrum.htm in Wien gegenüber pressetext. Der Mediziner rät jedem Touristen dazu, sich vor einer geplanten Reise rechtzeitig über die Gesundheitsrisiken des Reisezieles zu informieren.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://uanews.org/node/28276
http://www.mfpl.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie
22.02.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Erster Atemzug prägt Immunsystem nachhaltig
22.02.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften