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Erfolgreiches wissenschaftliches Nachzuchtprogramm für Anemonenfische

07.06.2011
Viele Millionen Euro geben Aquarianer jährlich für marine Zierfische und andere Organismen wie Korallen oder Garnelen aus.

Diese Tiere wurden bisher selten erfolgreich in Gefangenschaft nachgezüchtet und stattdessen in ihrem natürlichen Lebensraum, insbesondere den Korallenriffen und Mangrovenwäldern Südost-Asiens, gefangen. Die Fangmethoden, wie Dynamit- oder Giftfischerei, sind häufig zerstörerisch. Während des Sammelns und Transportes werden bis zu 90% Verluste in Kauf genommen. Schädigung der marinen Ökosysteme und ihrer einzigartigen Biodiversität sind die Folge.


Anemonenfische (Amphiprion ocellaris) aus dem Nachzuchtprogramm des ZMT

Seit 2009 läuft am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) in Bremen ein wissenschaftliches Nachzuchtprogramm für Anemonenfische und andere Zierorganismen, das mittlerweile sehr erfolgreich ist. Bei Überlebensraten von bis zu 80% beherbergt das ZMT zeitweise mehrere hundert Jungtiere von zwei Anemonenfischarten. Sofern sie nicht für Forschungsarbeiten benötigt werden, stellt das Institut sie Kooperationspartnern zur Verfügung. So hat nun das Klimahaus in Bremerhaven eine Lieferung der Art Amphiprion ocellaris erhalten. Für die Ausstellung zur tropischen Unterwasserwelt Samoas sollen die Fische in Schauaquarien gehalten werden, die die Tierwelt eines Saumriffes darstellen.

Mit ihrer Forschung zur Nachzucht in der zentrumseigenen Meerwasserversuchsanlage MAREE (MARine Experimental Ecology) wollen die Wissenschaftler einen Beitrag dazu leisten, die Zerstörung der marinen Ökosysteme durch Wildfänge einzudämmen. Importierte Wildfänge sind immer noch preiswerter als gezüchtete Zierorganismen. Daher ist es ein Ziel der Forschung am ZMT, Aufzuchtsbedingungen zu optimieren. Zierorganismen aus Zuchtprogrammen sind überlebensfähiger und für Aquarianer besser zu halten als Wildfänge, da sie an die Verhältnisse in den Aquarien angepasst sind.

Zur Zeit werden verschiedene Anemonenfische, Nacktschnecken, Krebse und Korallen in den Hälterungsbecken gehalten. Neben Faktoren, die die Fortpflanzung kontrollieren, werden Möglichkeiten zur Verbesserung der Wasser- und Futterqualität erforscht, die höhere Überlebensraten garantieren. Zum Beispiel verändert sich bei den heranwachsenden Larven täglich die Mundgröße, so dass ihnen lebendes Zooplankton in verschiedenen Größen angeboten werden muß. Die Etablierung einer Lebendfutteraufzucht ist somit Voraussetzung für die erfolgreiche Aufzucht der Larven vieler Zierorganismen.

Studien über die Lebenszyklen geben darüber hinaus Einblicke in die Bedürfnisse der Organismen in den verschiedenen Lebensphasen. Die Experimente in der Versuchsanlage ergänzen und begleiten auch Freilandversuche und liefern so wertvolle Ergebnisse zur Funktion der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum und zu ihrer Stresstoleranz gegenüber widrigen Umweltbedingungen.

Es sind noch viele Fragen offen, die das ZMT in seinem Forschungsprogramm angehen wird. So gibt es bisher keine wissenschaftlichen Daten zu Ablaichzeitpunkt und –muster, zu Gründen für hohe Verluste in der Larvalphase oder zu der Entwicklung der juvenilen Stadien. Auch fehlen Informationen zu Problemen wie der Verpilzung der Gelege oder den Farbanomalien, die häufig bei Tieren aus anderen Nachzuchten auftreten.

Weitere Informationen:

Dr. Andreas Kunzmann
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie
Tel: 0421 / 23800 – 26
Email: andreas.kunzmann@zmt-bremen.de
Das LEIBNIZ-ZENTRUM FÜR MARINE TROPENÖKOLOGIE - ZMT in Bremen widmet sich in Forschung und Lehre dem besseren Verständnis tropischer Küstenökosysteme. Im Mittelpunkt stehen Fragen zu ihrer Struktur und Funktion, ihren Ressourcen und ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber menschlichen Eingriffen und natürlichen Veränderungen. Das ZMT führt seine Forschungsprojekte in enger Kooperation mit Partnern in den Tropen durch, wo es den Aufbau von Expertise und Infrastruktur auf dem Gebiet des nachhaltigen Küstenzonenmanagements unterstützt. Das ZMT ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Dr. Susanne Eickhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.zmt-bremen.de

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