Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolgreiches Teamwork: Ungewöhnlicher Pilzmetabolit mit Antitumor-Aktivität dank Schwarmintelligenz entdeckt

11.12.2013
Pilze sind seit der Entdeckung des Penicilins eine schier unerschöpfliche Quelle für neue Wirkstoffe. „Schwarmintelligenz“, d.h. die Beteiligung vieler interessierter Laien, half amerikanischen Forschern dabei, einen neuen Pilz zu finden, aus dem sie ein ungewöhnliches Stoffwechselprodukt mit interessanter Antitumor-Wirkung isolierten und es charakterisierten.

Bisher sind weniger als 7% der auf über 1,5 Mio. geschätzten Pilzspezies auf ihre bioaktiven Bestandteile untersucht. Um dies zu ändern, hat eine Forschungsgruppe um Robert H. Cichewicz an der University of Oklahoma eine Sammlung mehrerer Tausend Pilz-Isolate aus drei klimatisch unterschiedlichen Regionen in Alaska, Hawaii und Oklahoma angelegt.


Durch einen "Crowdsourcing"-Ansatz gelang Forschern nun die Isolierung einer neuen Verbindung mit Anti-Tumor-Wirkung.

(c) Wiley-VCH

Die Pilz-Extrakte werden von Susan L. Mooberry an der University of Texas in San Antonio analysiert und biologischen Tests unterzogen, u.a. auf Antitumoraktivität. Eine Reihe interessanter Stoffe wurde bereits entdeckt.

Die Wissenschaftler merkten bald, dass ein einzelnes Team nicht in der Lage sein würde, die immense Vielfalt Tausender von Pilzen zusammenzubringen. Daher wurden in einem „Crowdsourcing“-Ansatz interessierte Laien, „Citizen Scientists“, eingeladen, sich zu beteiligen, indem sie Bodenproben von ihren Grundstücken schickten. „Crowdsourcing“ oder Schwarmintelligenz wird immer wichtiger, da Forschungsgruppen nur so Zugang zu Informationen und/oder Proben erhalten, die sonst von wissenschaftlichen Untersuchungen unberührt blieben. Schwarmintelligenz wurde z.B. für die Analyse historischer Wetterdaten oder die Klassifizierung von Galaxien genutzt.

In einer über diesen Ansatz erhaltenen Bodenprobe aus Alaska entdeckte das Team einen neuen Pilz der Spezies Tolypocladium. Dessen Isolat, von Andrew Miller an der University of Illinois untersucht, reagierte empfindlich auf Veränderungen der Kulturbedingungen des Pilzes, was zur Produktion einer Reihe neuer Verbindungen führte. Das Team fand darunter einen bisher einzigartigen Metaboliten mit Anti-Tumor-Wirkung, die bestimmte Wege der Resistenzentstehung umgeht und den Stoff so zu einem wertvollen Ansatz für die Krebstherapie machen könnte.

Um den Stoff zu erhalten, musste ein normalerweise nicht stattfindender Biosyntheseweg durch Zugabe bestimmter Chemikalien, ein spezielles Kulturmedium und die Anwesenheit von Pseudomonas-Bakterien aktiviert werden. Den Wissenschaftlern gelang es jetzt, den Stoff, den sie Maximiscin nannten, zu isolieren und zu charakterisieren. Spektroskopische Verfahren ergaben, dass Maximiscin eine ungewöhnliche Struktur hat, die der Pilz in einer einzigartigen Kombination verschiedener Biosynthetisewege herstellt.

Cichewicz betont die bedeutende Rolle, die Laienwissenschaftler spielen: „Viele der bahnbrechenden Forschungen der letzten zwei Jahrhunderte wurden von Wissenschaftlern im eigenen Heim gemacht. Die Idee, dass Citizen Scientists immer noch an der Forschung teilhaben können, könnte das öffentliche Interesse an Wissenschaft neu beleben und wichtige Entdeckungen ermöglichen.“

Angewandte Chemie: Presseinfo 48/2013

Autor: Robert H. Cichewicz, University of Oklahoma, Norman (USA), http://chem.ou.edu/robert-h-cichewicz

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201306549

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop
16.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Nervenkrankheit ALS: Mehr als nur ein Motor-Problem im Gehirn?
16.01.2017 | Leibniz-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie