Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolgreich jung bleiben mit der Formel für ein langes gesundes Leben

18.09.2013
Formel für Berechnung des biologischen Alters des Forschungsnetzwerks „MARK-AGE“ ist zum Patent angemeldet

Das vor kurzem abgeschlossene EU-Projekt im 7. Europäischen Rahmenprogramm „Biomarker des Alterns“/MARK-AGE hat die aussagekräftigsten physiologischen Faktoren für die Alterung ermittelt und in eine Formel gebracht. Das Projekt mit 26 Forschergruppen aus 14 Ländern und etwa 3700 Probanden war das bisher größte dieser Art.

Es wurde mit der Höchstfördersumme von 12 Millionen Euro von der EU-Kommission gefördert, wodurch die Bedeutung des Themas der Langlebigkeit für die Spitzenforschung und Gesellschaft unterstrichen wird. Koordiniert wurde das Projekt von Professor Dr. Alexander Bürkle an der Universität Konstanz. Dr. Andrea Nestl vom Technologie-Lizenz-Büro (TLB) ist verantwortlich für die schutzrechtliche Absicherung der Projektergebnisse und deren wirtschaftliche Verwertung.

Das biologische Alter kann stark vom kalendarischen abweichen, abhängig von genetischen Voraussetzungen, Lebensstil und Umweltbedingungen. Wie weit der Alterungsprozess fortgeschritten ist, lässt sich deshalb anhand der Lebensjahre nur vage bestimmen. Aussagekräftiger hingegen sind biologische Marker, die altersabhängige Veränderungen des Körpers anzeigen. Mit der umfassenden Populationsstudie von MARK-AGE gelang es erstmals, eine Gruppe von Biomarkern des Alterns zu identifizieren, die in ihrer Gesamtheit das biologische Alter besser erfassen können als jeder Marker für sich genommen. Überraschend ist, dass die Gewichtung der altersrelevanten Marker für Frauen und Männer unterschiedlich ist.

„Die Hoffnung für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft besteht darin, dass anhand des Analyse-Ergebnisses mögliche Risiken für spätere Erkrankungen frühzeitig erkannt und entsprechende Präventionsmaßnahmen eingeleitet werden können. ‚Erfolgreich Altern’ bedeutet in diesem Sinn vor allem gesund Altern und typische Alterskrankheiten wie Arteriosklerose, Alzheimer und andere neurodegenerative Krankheiten zu verhindern oder abzumildern“, so Professor Bürkle. „Wer biologisch wesentlich jünger ist, hat die Gewissheit, dass er bezüglich eines gesunden Lebensstils schon viel richtig macht und wird vielleicht zur Optimierung angespornt.“

Die Alterungsformel punktet auch mit der Objektivität des Ergebnisses, das allein auf Blut und Urin beruht. Alle Parameter, die durch Patientenverhalten manipuliert werden könnten, wurden im Laufe der Studie entfernt, um ein reproduzierbares, verlässliches Resultat zu erzielen.

Die Formel für ein langes Leben wird den Menschen schon bald zur Verfügung stehen. Bis dahin gilt es für noch einige Parameter vereinfachte Analysemethoden zu entwickeln, die in Routineverfahren in medizinischen Diagnostiklaboren eingesetzt werden können.

Langlebigkeit als Maßstab

„In der MARK-AGE Studie sollten möglichst viele Parameter derselben Person parallel untersucht werden. Es ging darum Biomarker zu finden, die unabhängig sind, das heißt, jeder ist für sich genommen, aussagekräftig. Entsprechend ihrer Bedeutung wurden sie dann in eine Rangliste gebracht und zu seiner allgemeingültigen Formel kombiniert“, so Professor Alexander Bürkle.

In der groß angelegten 5-jährigen Studie wurden die Proben der etwa 3700 Testpersonen aus 8 der beteiligten Länder unter großem logistischen Aufwand mit biochemischen und molekularen Verfahren untersucht. Die meisten der Probanden waren aus der Allgemeinbevölkerung im Alter von 35 bis 74 Jahren rekrutiert. Zum Vergleich und zur Positivkontrolle dienten die Nachkommen von Teilnehmern der vorangegangenen großen GEHA-Studie (GEnetics of Healthy Aging) des 6. Europäischen Rahmenprogramms unter der Leitung von Professor Dr. Claudio Franceschi von der Universität Bologna. In der GEHA-Studie ging es darum, diejenigen Gene zu finden, welche für die Langlebigkeit verantwortlich sind. Alle GEHA-Testpersonen waren über 90 Jahre alt und sehr gesund und hatten mindestens 1 Geschwister mit derselben Charakteristik.

Jede beteiligte MARKE-AGE-Forschergruppe hat sich auf andere bekannte Alterungsfaktoren fokussiert oder neue entdeckt. Das Probenmaterial wurde in der der MARK-AGE BioBank an der Universität Hohenheim zentral gesammelt und an der Konstanzer Universität in einer Datenbank ausgewertet.

Des eigenen Glückes Schmied

Es war schon seit längerem bekannt, dass für das Altern nicht in erster Linie unausweichlich fixierte genetische Faktoren die entscheidende Rolle spielen, sondern solche, die vom Menschen, etwa durch einen gesunden Lebensstil, maßgeblich beeinflusst werden können.

Im Fazit bedeutet dies, dass die Bestimmung über den Verlauf des Alterns zum überwiegenden Teil in den Händen jedes Einzelnen selbst liegt. „Wer zu einem gesunden Lebensstil übergeht, darf erwarten, dass sich seine Testresultate aus der Alterungsformel nach drei Monaten zum Positiven hin verändern“, so Professor Bürkle.

Der Nutzen für die Menschheit

Dr. Andrea Nestl vom Technologie-Lizenz-Büro (TLB) in Karlsruhe, verantwortlich für Patentstrategie, Marketing und Kommerzialisierung der Erfindung: „Das Thema Langlebigkeit und gesundes Altern tritt in den letzten Jahren auch hier zu Lande stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft. Wir sind von der Brisanz des Themas und von seiner wirtschaftlichen Bedeutung überzeugt und haben deshalb die Patentanmeldung der Erfindung strategisch aufgebaut. Die validen Biomarker des Alterns bringen die Präventivmedizin ein gutes Stück voran. Das spielt nicht nur für die individuelle Gesundheitsvorsorge eine Rolle, sondern auch für die vielfältigen Probleme unserer überalternden Industriegesellschaften.“

Dr. Regina Kratt | idw
Weitere Informationen:
http://www.tlb.de
http://edukon.biologie.uni-konstanz.de/mark-age/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz
27.07.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse
27.07.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie