Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie entwickeln sich Pflanzenwurzeln in der Schwerelosigkeit?

06.07.2010
Ein Weltraumexperiment liefert erste Ergebnisse

Pflanzen wurzeln nach unten – jedenfalls auf der Erde. Doch was, wenn es ohne Schwerkraft kein „Oben“ oder „Unten“ für die Wurzeln gibt?

Prof. Günther Scherer vom Institut für Zierpflanzen und Gehölzwissenschaften der Leibniz Universität Hannover geht in seinem Forschungsprojekt gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Hannover und Freiburg dieser Frage nach. Das Projekt wurde mit rund 350.000 Euro durch die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bewilligt. Projektpartner ist auf der wissenschaftlichen Seite Prof. Klaus Palme, Universität Freiburg.

Ein Shuttle der US-Raumfahrtorganisation NASA startete im März mit zwei genetisch verschiedenen Pflanzensamen zum BIOLAB im Weltraum. Dort wurden die Samen von Arabidopsis-Wildpflanzen aus der Familie der Kreuzblütler und einer Mutante in metallene Experimentcontainer gepflanzt, und zwar vier in Schwerelosigkeit und vier in Schwerkraft, erzeugt durch eine Zentrifuge. Alle Container hatten Öffnungen für Lichteinfall.

Normalerweise wachsen Pflanzenwurzeln senkrecht nach unten. Sie weichen Hindernissen aus, indem sie zur Seite wachsen. Wird eine Wildpflanze auf eine glatte 45°-Fläche gesetzt, in die sie nicht hineinwachsen kann, weicht die Wurzelspitze immer wieder zurück und entwickelt Wellenlinien. Mutanten lassen die Ausweichbewegung teilweise weg und wachsen in einem vollen Kreis. In der Schwerelosigkeit ist das kreisförmige Wachstum häufiger, an der Mutante besonders häufig zu beobachten. Dies zeigt, dass Wurzeln eine natürliche Tendenz zum asymmetrischen Wachstum haben. Die Entwicklung der Wurzeln wurde für eine anschließende Auswertung täglich fotografisch festgehalten.

Nach der Rückkehr der Pflanzen aus dem All untersuchen nun Forscherinnen und Forscher aus Hannover und Freiburg, wie die PIN Proteine, die den Transport des Pflanzenhormons Auxin steuern, auf Schwerelosigkeit reagiert haben. Um Vergleichswerte zu erhalten, muss das Experiment auch auf der Erde durchgeführt werden. Prof. Günther Scherer rechnet damit, dass in rund einem Jahr die Endergebnisse der Auswertung feststehen. Die Versuchsergebnisse sollen später auf das Wachstumsverhalten von Nutzpflanzen übertragen werden.

Auf der Technischen Seite unterstützen die Industriepartner OHB Bremen und Astrium EADS, die Europäische Weltraumbehörde (ESA) und die NASA das Forschungsprojekt.

Hinweis an die Redaktion:
Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Günther Scherer, Institut für Zierpflanzen und Gehölzwissenschaften, unter Telefon +49 511 762 3153 oder per E-Mail unter scherer@zier.uni-hannover.de gern zur Verfügung.

Jessica Lumme | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Geteiltes Denken ist doppeltes Denken
19.01.2017 | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

nachricht Neue CRISPR-Methode enthüllt Genregulation einzelner Zellen
19.01.2017 | CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie