Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Entdecktes Lern-Gen möglicher Schlüssel zur Suchtbekämpfung

01.08.2008
Studien an Fruchtfliegen und Meeresschnecken liefern Hinweise

Wissenschaftler der Freien Universität Berlin (FUB) sind der Entschlüsselung der molekularen Grundlagen des Lernens einen Schritt näher gekommen. Schlüssel dazu war die Entdeckung eines Gens für operante Konditionieren in der Fruchtfliege Drosophila. "Das war eine große Überraschung, denn bisher sind wir davon ausgegangen, dass dafür die gleichen Gene wie fürs klassische Konditionieren verantwortlich sind", erläutert Björn Brembs, Experte für Neurobiologie an der FUB, gegenüber pressetext. Die Ergebnisse könnten helfen, die Prozesse bei Suchtverhalten besser zu verstehen.

Verhaltensforscher unterscheiden seit 80 Jahren zwei Lernformen: das klassische und das operante Konditionieren. Der Begriff der klassischen Konditionierung wurde von dem russischen Mediziner Iwan Pawlow geprägt. Dieser trainierte seine Hunde so, dass diese schon auf einen Klingelton mit vermehrtem Speichelfluss reagierten, wenn dieser akustische Reiz regelmäßig der Fütterung vorausging. 20 Jahre später brachte der amerikanische Psychologe Burrhus Skinner Ratten bei, durch Drücken eines Hebels an Futter zu kommen - und prägte den Begriff der so genannten operanten Konditionierung.

Bisher nahm die Wissenschaft an, dass bei beiden Lernformen eine bekannte Gruppe von Lern-Genen eine Rolle spielt. Diese These konnte jetzt von Brembs und seinem Team widerlegt werden. Dazu untersuchten sie genetisch veränderte Fruchtfliegen, bei denen das Enzym Proteinkinase C gehemmt war, das in Zellen eine Vielzahl von Veränderungen regelt. In einer Art Flugsimulator wurden die Fliegen unterschiedlichen äußeren Einflüssen ausgesetzt. Die Forscher konnten dabei zeigen, dass die Versuchstiere aktiv erlernen, sich in einer bestimmten, für sie vorteilhaften Weise zu verhalten. Als weitergehenden Schritt wurde das rein operante Lernen (Verhaltenslernen) untersucht. Dafür verzichteten die Forscher auf den äußeren Reiz. Die Fliegen erhielten jedoch einen Hitzestoß, wenn sie ihren Körper versuchten nach rechts zu drehen.

... mehr zu:
»Gen »Lern-Gen

Brembs fand heraus, dass die genveränderten Fliegen zwar ein sehr gutes konditioniertes Lernverhalten an den Tag legten, im abschließenden Test zum Verhaltenslernen jedoch keinerlei Lerneffekt aufzeigten. Das Team vermutet, dass der operante dem so genannten Gewohnheitslernen zugrunde liegt. Bisher wurde die Auffassung verfolgt, dass alle Formen des operanten Lernens durch die bekannten Lerngene bestimmt werden. "Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Lerngene beim reinen Verhaltenslernen aber keine Rolle spielen", sagt Brembs.

Noch sind sich die Berliner Forscher aber nicht sicher, ob sich die Forschungsergebnisse auch auf den Menschen übertragen lassen. "Andere Wissenschaftler haben unabhängig von uns gerade auch bei der Meeresnacktschnecke Hermissenda crassicornis derartiges Lernverhalten nachweisen können", erzählt Brembs. Da die bislang bekannten Lerngene sowohl bei Fruchtfliege und Meeresnacktschnecke aber auch beim Menschen fürs Lernen verantwortlich sind, hofft man die Forschungsergebnisse auch auf den Menschen übertragen zu können. Sollte dies möglich sein, hofft Brembs damit das zwanghafte Verhalten bei Suchtkranken behandeln zu können. "Wir können zwar nicht äußere Einflüsse abschalten, doch könnten Suchtentstehen verlangsamen oder aufhalten.", meint Brembs.

Erik Staschöfsky | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Berichte zu: Gen Lern-Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Adenoviren binden gezielt an Strukturen auf Tumorzellen
23.04.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Software mit Grips
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics