Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Elefant imitiert menschliche Sprache

02.11.2012
Elefanten sind für ihre tief-frequenten Infraschalllaute bekannt, die teilweise so tief sind, dass Menschen sie nicht wahrnehmen können.

Der Asiatische Elefant namens Koshik aus dem Everland-Zoo in Südkorea imitiert seine Pfleger auf Koreanisch so genau, dass KoreanerInnen verstehen können, was er "sagt". Den Schall produziert der Elefant dabei auf außergewöhnliche Weise: Um seine Mundhöhle für die Produktion menschlicher Laute zu modulieren, steckt Koshik sich seinen Rüssel während der Lautäußerung ins Maul. Aktuell publiziert dazu ein internationales Forschungsteam mit starker Beteiligung der Universität Wien in der Fachzeitschrift Current Biology.


Der Elefant Koshik, während er die menschliche Sprache imitiert

Copyright: Department für Kognitionsbiologie, Universität Wien

Elefant Koshik imitiert fünf koreanische Wörter: "annyong" (hallo), "anja" (setz dich), "aniya" (nein), "nuo" (leg dich hin) und "choah" (gut). Dabei ahmt er zwei wichtige Aspekte der menschlichen Sprache nach: die Tonhöhe und die Klangfarbe. Die Klangfarbe wird maßgeblich von den sogenannten Formanten geprägt. Formanten sind durch die Resonanzeigenschaften des Vokaltraktes verstärkte Bereiche des Sprachspektrums.

Die Lage der Formanten charakterisiert die Bedeutung bestimmter Laute, insbesondere jene der Vokale. Elefant Koshik trifft präzise die menschlichen Formanten sowie die Tonhöhe seiner Pfleger. Dies ist beachtlich, wenn man die Größe, den langen Vokaltrakt und die anatomischen Unterschiede zwischen Mensch und Elefant bedenkt. Elefanten haben einen Rüssel und keine Lippen, der große Elefantenkehlkopf produziert normalerweise sehr tiefe Laute, viele davon im Infraschallbereich.

Sprachimitationen im Tierreich

Vokale Imitation oder vokales Lernen ist eine grundlegende Eigenschaft der menschlichen Sprache und der Musik. Innerhalb des Tierreichs sind in erster Linie Vögel für ihre Fähigkeit, Laute zu imitieren, bekannt. Es gibt auch Berichte über vokale Imitationen bei Afrikanischen und Asiatischen Elefanten: So sollen Afrikanische Elefanten LKW-Geräusche sowie Laute von Asiatischen Elefanten imitiert haben. Darüber hinaus gibt es eine Anekdote, dass ein Asiatischer Elefant in einem Zoo in Kasachstan Wörter in Kasachisch sowie in Russisch imitieren konnte. Wissenschaftlich wurde dies jedoch nie belegt.

Wissenschaftliche Analyse von Koshiks "Sprache"

Im Fall des Elefanten Koshik bestätigte das Team von WissenschafterInnen rund um Angela Stöger und Tecumseh Fitch vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien die Sprachimitation auf mehreren Wegen. "Zunächst wurden Koshiks Imitationen Koreanern vorgespielt, die diese mündlich und schriftlich zu beschreiben hatten. Wir waren über die relativ hohe Übereinstimmung der Beschreibungen – sowohl was die Bedeutung als auch die Schreibweise der Laute betraf – wirklich überrascht. Ein Vergleich der akustischen Struktur der Sprachimitationen mit den gesprochenen Worten seiner Pfleger und mit 'normalen' Elefantenlauten hat ergeben, dass sich Koshiks Imitationen deutlich von natürlichen Elefantenlauten unterscheiden, hingegen aber der Sprache seiner Pfleger sehr ähnlich sind", so Bioakustikerin Angela Stöger. Nach Einschätzung der ForscherInnen kennt Koshik die Bedeutung seiner imitierten Wörter jedoch nicht. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen zum weiteren Verständnis der komplexen, vokalen Imitationen zugrundeliegenden Mechanismen und deren Evolution bei.

Nicht restlos geklärt ist, warum Koshik begann, seine Pfleger zu imitieren. Die WissenschafterInnen vermuten, dass es mit Koshiks "Jugendzeit" zu tun hat. In dieser Phase war Koshik über mehrere Jahre der einzige Elefant im Everland Zoo, und seine Pfleger waren seine wichtigsten sozialen Kontaktpersonen. "Wir vermuten, dass Koshik seine Lautäußerungen an jene der Pfleger angepasst hat, um die soziale Bindung zu seinen Gefährten zu stärken. Das ist ein Verhalten, das man auch von anderen Arten kennt – vorausgesetzt, die Tiere sind zur vokalen Imitation fähig. In speziellen Fällen tritt dies auch zwischen Individuen unterschiedlicher Spezies auf", so Angela Stöger abschließend.

Publikation:
An Asian Elephant Imitates Human Speech. Angela S. Stoeger, Daniel Mietchen, Sukhun Oh, Shermin de Silva, Christian T. Herbst, Soonwhan Kwon, and W. Tecumseh Fitch. In: Current Biology. 1. November 2012.

DOI: 10.1016/

Wissenschaftlicher Kontakt
Mag. Dr. Angela Stöger-Horwath
Department für Evolutionsbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-761 46
angela.stoeger-horwath@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
Universität Wien
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 33
M +43-664-602 77-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise