Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dunkle Schatten über dem Bienenfrühling

27.03.2012
300.000 Bienenvölker sind gefährdet: Wissenschaftler suchen Strategien zur Bekämpfung der tödlichen Milbe Varroa destructor.

Für die Imker und Bienenforscher beginnt der Frühling in diesem Jahr mit einer traurigen Bilanz. Bis zu 30 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland sind im vergangenen Winter der Milbe Varroa destructor zum Opfer gefallen.


Erwachsenes Varraoweibchen auf einer Bienenlarve, entnommen aus einer kurz zuvor verdeckelten Brutzelle. Hier legt die Milbe ihre Eier ab. Die sich daraus entwickelnden weiblichen Milben verlassen die Brutzelle mit der schlüpfenden Biene und können auf diesem Weg andere Völker infizieren. Foto: Uwe Dettmar

Einzelne Imker haben sogar alle ihre Völker verloren. Am Institut für Bienenkunde der Goethe-Universität trafen sich bereits in der vergangenen Woche 20 Wissenschaftler aus ganz Deutschland zu einer Krisensitzung. Die Ergebnisse ihrer Diskussion zur Situation der Bienenhaltung und Lösungskonzepte zum Varroaproblem stellen sie auf der heute beginnenden 59. Jahrestagung der AG der Bieneninstitute an der Universität Bonn vor.

Die ursprünglich in Asien beheimatete und nur auf Bienen vorkommende, parasitische Milbe Varroa destructor bildet die größte Gefahr für die heimischen Bienenvölker. Ohne effektive Behandlung kann die Varroamilbe ein befallenes Volk zugrunde richten. Die Wissenschaftler erwarten für das Jahr 2012 bedrohliche Verluste im Umfang von 20 bis 30 Prozent aller Völker. Das sind fast 300.000 Bienenvölker. Die Bekämpfung der Milbe ist daher eines der vordringlichen Ziele der Forschung. Allerdings gibt es noch kein Patentrezept, mit dem die betroffenen Imker ihre Völker retten können. Neue Behandlungskonzepte sind gefragt.

Sicher ist: der Milbenbefall ist für die Imkereien überaus bedrohlich; die Verluste werden 2012 erheblich sein. Einige Forscher beobachten sogar eine deutliche Zunahme der Varroamilben. So gingen in einer Langzeitstudie des Instituts für Bienenkunde der Goethe-Universität in einem hessischen Landkreis die Varroabefallszahlen steil nach oben. „Dieses Jahr haben wir so viele Milben gezählt, wie in keinem der Jahre seit 2008 zuvor. Wir müssen dringend etwas tun“, fasst Prof. Bernd Grünewald, Leiter des Instituts für Bienenkunde in Oberursel die Ergebnisse zusammen. „Wir brauchen eine gemeinsame Linie, ein Konzept für zeitgemäße Betriebsweisen und nachhaltige Behandlungsmethoden, die alle der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute angeschlossenen Einrichtungen in ihre Beratung aufnehmen können“, fasst Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstituts in Kirchhain, Hessen, die Situation zusammen. Allerdings erschweren starke regionale Unterschiede eine Einschätzung der Lage.

Doch die Behandlung mit den in Deutschland zugelassenen Medikamenten ist schwierig, zeitraubend und der Erfolg nicht immer garantiert. Die deutschlandweite Zulassung von Medikamenten, die in anderen Ländern eingesetzt werden, könnte neue Probleme wie Rückstände im Wachs oder medikamentenresistente Milben mit sich bringen. Dazu Dr. Werner von der Ohe, Leiter des niedersächsischen Bieneninstituts in Celle und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute: „Wir brauchen modulare Behandlungskonzepte und dürfen nicht vor Tabus haltmachen. Neben den ‚weichen‘ Milbenbekämpfungsmitteln wie der Ameisensäure und den ätherischen Ölen müssen wir ernsthaft über den Einsatz ‚harter‘ Medikamente nachdenken. Daneben sind die praktische Imkerberatung und die Erforschung nachhaltiger, biologischer Methoden wichtige Stützpfeiler einer zeitgemäßen Bekämpfung der Varroose.“

Informationen: Prof. Bernd Grünewald, Institut für Bienenkunde, Karl-von-Frisch-Weg 2, 61440 Oberursel, Tel.: (06171)21278; b.gruenewald@bio.uni-frankfurt.de; www.institut-fuer-bienenkunde.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Das Institut für Bienenkunde ist eine Forschungseinrichtung, die gemeinsam von der Polytechnischen Gesellschaft und der Goethe-Universität Frankfurt am Main getragen und dem Fachbereich Biowissenschaften zugeordnet ist. Neben neurobiologischer Grundlagenforschung sucht das Bieneninstitut neue Wege zur Bekämpfung der Varroamilbe, und bildet Nachwuchswissenschaftler und Imker aus.

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.institut-fuer-bienenkunde.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Buche in die Gene schauen - Vollständiges Genom der Rotbuche entschlüsselt
11.12.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Mit den Augen der Biene: Zoologe der Uni Graz entwickelt Verfahren zur Verbesserung dunkler Bilder
11.12.2017 | Karl-Franzens-Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit