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DNA-Variante beeinflusst Diabetesrisiko und Behandlungserfolg

17.05.2013
Eine DNA-Variante in räumlicher Nähe zu einem Verdauungsenzym hat nicht nur Einfluss auf das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sondern auch auf das Ansprechen auf die medikamentöse Behandlung.

Diese Ergebnisse veröffentlichte ein europäisches Konsortium mit deutscher Beteiligung in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Diabetes. Ihre Erkenntnisse bieten neue Ansatzpunkte zur individualisierten Diabetesprävention und -behandlung.

Das Verdauungsenzym Chymotrypsin spaltet Proteine in der Nahrung in kleinere Fragmente auf, die vom Darm aufgenommen werden können. 20% der Bevölkerung sind Träger einer DNA-Variante, die sich in der Nähe der Chymotrypsin-Gene befindet und die Aktivität des Enzyms verstärkt. Neueste Ergebnisse des europäischen Gemeinschaftsprojekt zeigten, dass gesunde Probanden mit dieser DNA-Variante nach einer Mahlzeit eine bis zu 40 Prozent höhere Insulinausschüttung hatten – eine wahrscheinliche Erklärung dafür, warum sie ein vermindertes Risiko haben, Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

„Es war bereits bekannt, dass Menschen mit dieser Variante ein geringeres Risiko haben, Diabetes Typ 2 zu entwickeln“, erklärten die Wissenschaftler Dr. Leen ‘t Hart von der Universitätsklinik Leiden in den Niederlanden und Andreas Fritsche vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung und der Universität Tübingen. „Aber in unserer Studie konnten wir zeigen, warum das so ist.“

GLP-1 (Glucagon-like peptide-1) ist ein Hormon, das vom Darm als Reaktion auf eine Mahlzeit produziert wird. Eine seiner Funktionen ist, die Insulinsekretion der Bauchspeicheldrüse zu stimulieren, so dass die erhöhten Blutzuckerwerte nach einer Mahlzeit schnell zu den Normalwerten zurückkehren.

Außerdem ergab die Studie, dass Patienten mit dieser DNA-Variante schlechter auf eine Behandlung mit einer neuen Klasse von Diabetesmedikamenten ansprechen, die die Funktion von GLP-1 verbessern, sogenannte DPP4-Inhibitoren. Diese Medikamente, auch Gliptine genannt, werden verstärkt zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Noch weiß man nicht, wie die DNA-Variante das Ansprechen auf diese Medikamente beeinflusst. Aber die Forscher erklärten, das könnte eine Folge der beobachteten verstärkten Aktivität von Chymotrypsin im Darm sein.

Das wird Gegenstand künftiger Studien mit dem Ziel einer individualisierten Diabetesbehandlung sein, die spezifische Therapiemethoden bei einzelnen Patienten nach deren genetischen Merkmalen ausrichtet.
Konsortium
Diese Forschungsarbeit war das Ergebnis eines internationalen Kooperationsprojekts, an dem verschiedene Gruppen beteiligt waren, darunter Universität Tübingen und Deutsches Zentrum für Diabetesforschung, Deutschland, Leiden University Medical Center, Leiden, Niederlande, VU University Amsterdam, VU University Medical Center, Amsterdam, Niederlande, Eberhard Karls und University of Dundee, Vereinigtes Königreich.

Originalveröffentlichung:
't Hart LM, Fritsche A, Nijpels G, van Leeuwen N, Donnelly LA, Dekker JM, Alssema M, Fadista J, Carlotti F, Gjesing AP, Palmer CN, van Haeften TW, Herzberg-Schäfer SA, Simonis-Bik AM, Houwing-Duistermaat JJ, Helmer Q, Deelen J, Guigas B, Hansen T, Machicao F, Willemsen G, Heine RJ, Kramer MH, Holst JJ, de Koning EJ, Häring HU, Pedersen O, Groop L, de Geus EJ, Slagboom PE, Boomsma DI, Eekhoff EM, Pearson ER, Diamant M.
The CTRB1/2 locus affects diabetes susceptibility and treatment via the incretin pathway.
Diabetes. 2013 May 14. Online

Kontakt:
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung
Dr. Astrid Glaser
Öffentlichkeitsarbeit
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
Tel: 089-3187-1619
contact@dzd-ev.de

Deutsches Zentrum für Diabetesforschung
Das DZD wurde 2009 als zweites Deutsches Zentrum für Gesundheitsforschung gegründet. Grundlagenforscher und Klinikärzte arbeiten eng zusammen, um die Forschungsergebnisse aus dem Labor schneller in der Praxis anwenden zu können. Mit modernen biomedizinischen Technologien, großangelegten Studien, neuen Methoden und Forschungsansätzen will das DZD dazu beitragen, die Krankheitsentstehung aufzuklären sowie wirksame und maßgeschneiderte Präventionsmaßnahmen als auch individualisierte, kausale Therapien zu entwickeln. Partner des DZD sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke und die Paul-Langerhans-Institute der Universitäten Tübingen und Dresden.

Dr. Astrid Glaser | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzd-ev.de

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