Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Bremsen des Immunsystems – wie regulatorische T-Zellen reguliert werden

01.02.2017

Eine erfolgreiche Aktivierung des Immunsystems ist für den Körper von entscheidender Bedeutung, um Infektionen und Krebserkrankungen zu bekämpfen. Doch ebenso wichtig ist es, dass das Immunsystem nach getaner Arbeit wieder herunterreguliert wird, ansonsten wären Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose die Folge. Regulatorische T-Zellen (Tregs) sind für diesen Prozess unabkömmlich, denn sie sind die Bremsen in unserem Immunsystem.

Tregs verhindern, dass Immunzellen spontan aktiviert werden, wenn gar keine Infektion vorliegt, und regulieren das Immunsystem nach einer erfolgreichen Immunantwort wieder herunter. Darüber aber, wie die Tregs selbst reguliert werden, war bislang nur wenig bekannt.


Prof. Ingo Schmitz und Dr. Carlos Plaza-Sirvent, der Erstautor der Studie.

(Foto: privat)

Dies haben Forscher des Instituts für Molekulare und Klinische Immunologie der Otto-von-Guericke-Universität (OVGU) Magdeburg und des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig nun näher untersucht. Sie stellten fest, dass sich Tregs zwar im Gegensatz zu konventionellen T-Zellen schneller vermehren, aber dafür sterben sie auch häufiger. Sie leben also quasi ein Leben auf der Überholspur.

Das kontrollierte Sterben von Zellen, die sogenannte Apoptose, ist ein Mechanismus, der im Körper häufig verwendet wird, um die Menge einer bestimmten Zellsorte genau zu regulieren. Gesteuert wird dieser Vorgang durch Moleküle auf der Oberfläche der Zellen, die Signale aus der Umgebung der Zellen aufnehmen, ins Zellinnere weiterleiten und dort sogenannte Signalkaskaden auslösen, die letztlich zum kontrollierten Tod der Zelle führen.

Auf der Suche nach Molekülen, die zum vermehrten Zelltod der Tregs führen, fanden die Forscher, dass Tregs zwar gleiche Mengen des Todesrezeptors CD95 auf ihrer Zelloberfläche exprimieren wie konventionelle T-Zellen, dass sie aber in ihrem Inneren weniger des Inhibitors c-FLIP exprimieren, der normalerweise den Zelltod verhindert.

Die Bremsen des Immunsystems können also ihren eigenen, durch Todesrezeptoren vermittelten Zelltod, weniger gut verhindern. Um dies zu beweisen, inaktivierten die Wissenschaftler genetisch c-FLIP in Tregs von Mäusen. Das führte dazu, dass die Tiere kaum noch Tregs hatten, was wiederum zu einer Überaktivierung des Immunsystems und einer fatalen Autoimmunerkrankung, die dem humanen IPEX Syndrom (immunodysregulation, polyendocrinopathy, enteropathy, X-linked syndrome) ähnlich war, führte.

Prof. Dr. Ingo Schmitz, der Letztautor der Studie, erläutert die Bedeutung dieser Ergebnisse: „Wir wissen nun, dass c-FLIP ein hoch interessantes potentielles Ziel von Medikamenten ist, denn eine medikamentöse Manipulation der c-FLIP Aktivität könnte bei unterschiedlichen Krankheiten hilfreich sein. Ein c-FLIP Aktivator könnte Treg Zellen länger leben lassen und so Autoimmunerkrankungen verhindern.

Ein Ausschalten von c-FLIP gezielt in Tregs könnte hingegen bei Tumorerkrankungen interessant sein. Denn Tumore erzeugen sich häufig ein immunsuppressives Milieu, indem sie Tregs anlocken und so einer Beseitigung durch das Immunsystem entgehen.“ Nach solchen Pharmaka, die die Aktivität von c-FLIP beeinflussen, suchen die Forscher nun in ihren weiteren Studien.

Die Gruppe um Prof. Schmitz ist Teil des Gesundheitscampus Immunologie, Infektiologie und Inflammation (GC-I³) der OVGU. Unter dem Motto „Entzündung verstehen – Volkskrankheiten heilen“ hat es sich der GC-I³ zur Aufgabe gemacht, Entzündungsprozesse, die an der Entstehung und dem Verlauf vieler wichtiger Volkskrankheiten maßgeblich beteiligt sind, zu verstehen, zu verhindern und zu heilen.

Text: Dr. Martina Beyrau

Originalpublikation: Plaza-Sirvent C, Schuster M, Neumann Y, Heise U, Pils MC, Schulze-Osthoff K, Schmitz I. c-FLIP Expression in Foxp3-Expressing Cells Is Essential for Survival of Regulatory T Cells and Prevention of Autoimmunity. Cell Rep. 2017 Jan 3;18(1):12-22. doi: 10.1016/j.celrep.2016.12.022.

Weitere Informationen:

http://www.cell.com/cell-reports/abstract/S2211-1247(16)31712-0

Kornelia Suske | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte