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Dem „unterirdischen“ Lebensraum der Listerien auf der Spur

29.09.2014

Listerien sind extrem genügsame Bakterien. In geringen Mengen finden sie sich fast überall, auch in Erde und Wasser. Um ihre Verbreitung besser zu verstehen, untersuchten WissenschafterInnen vom Institut für Milchhygiene an der Vetmeduni Vienna verschiedene Erd- und Wasserproben in Österreich. Das Ergebnis: Nach Überschwemmungen kann man vermehrt Listerien in der Erde und in Wasserproben nachweisen. Außerdem fanden die Forschenden antibiotikaresistente Listerienstämme in der Erde. Die Daten veröffentlichten die Forschenden im Fachjournal Applied Environmental Microbiology.

In der Literatur werden Listerien als sogenannte ubiquitäre Keime, das sind Bakterien, die so gut wie überall vorkommen, bezeichnet. Problematisch für Mensch und Tier werden Listerien aber erst dann, wenn sie in lebensmittelproduzierende Betriebe gelangen, sich dort vermehren und in hohen Konzentrationen in die Nahrungskette gelangen. Für Menschen und Tiere mit schwachem Immunsystem kann eine Infektion mit Listeria monocytogenes sogar tödlich verlaufen.


Die gesammelten Erd- und Wasserproben wurden im Labor auf ihre Identität untersucht.

Foto: Beatrix Stessl/Vetmeduni Vienna

Listerien im Boden oder Wasser ungefährlich

„Listerien im Erdboden oder Wasser stellen so gut wie keine Gefahr für den Menschen dar“, erklärt Studienleiterin Beatrix Stessl. „Die Mengen sind zu gering. Uns ging es in der Studie vor allem darum, zu erheben, wo Listerien vorkommen und welche Spezies und Genotypen es dort gibt. „Mit diesen Informationen können wir die Verbreitungsmechanismen dieser Keime besser nachvollziehen“, erklärt Martin Wagner, Leiter des Instituts für Milchhygiene.

Hochwasser begünstigt Listerienbelastung

Erstautorin Kristina Linke und ihre KollegInnen untersuchten über einen Zeitraum von 2007 bis 2009 fast 500 Erd- und 70 Wasserproben aus drei österreichischen Regionen: Ostalpen, Nationalpark Donauauen und Neusiedlersee. Bei den untersuchten Regionen handelt es sich um nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen. 30 Prozent aller Proben enthielten Listerien.

Davon waren sechs Prozent mit Listeria monocytogenes kontaminiert. Nur diese Spezies ist sowohl für Mensch als auch Tiere potenziell gefährlich. Vor allem in Gegenden nahe dem Fluss Schwarza und Donau wurde diese Art nachgewiesen. In besonders hohen Mengen kam der Keim in Erd- und Wasserproben im September des Jahres 2007 vor. Damals gab es ein umfangreiches Hochwasser in dieser Region.

In den meisten Regionen fanden die Forschenden lediglich für den Menschen ungefährliche Listerien.

Die potentiell für Tiere gefährliche Spezies Listeria ivanovii kam vor allem in Bergregionen vor, dort wo vermutlich Wildtiere den Keim ausscheiden. Die nicht krankheitserregende Spezies Listeria seeligeri war in der Region um den Neusiedlersee am häufigsten isolierbar und ist vermutlich auf die Wasservogelpopulation in dieser Gegend zurückzuführen.

In besonders hoch gelegenen Bergregionen wiesen die ForscherInnen keine Listerien nach. Die höhere Keimbelastung in niedrigeren Regionen erklären die ExpertInnen mit der Nähe zu landwirtschaftlichen Betrieben und städtischem Raum.

Antibiotikaresistente Listerien im Boden

Obwohl Listerien auf Lebensmitteln eher selten als antibiotikaresistent gelten, fanden Stessl und ihr Team einige Listerienstämme in Erdproben, denen die Behandlung mit Antibiotika nichts anhaben konnte. Die Bakterien haben also Resistenzen entwickelt. Mögliche Ursachen sieht Stessl wie folgt: „In Erdböden gibt es Mikroorganismen, vor allem Pilze, die natürlicherweise Antibiotika produzieren. Listerien, die im Boden ständig diesen Substanzen ausgesetzt sind, entwickeln wahrscheinlich auch Resistenzen. Die Entstehung besonders hochresistenter Listerienstämme führen wir aber eher auf die Nähe zu landwirtschaftlichen Nutzflächen und urbanem Umfeld zurück.“

Service:

Der Artikel „Reservoirs of Listeria species in three environmental ecosystems” von Kristina Linke, Irene Rückerl, Katharina Brugger, Renata Karpiskova, Julia Walland, Sonja Muri-Klinger, Alexander Tichy, Martin Wagner und Beatrix Stessl wurde im Journal Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht. doi: 10.1128/AEM.01018-14 http://aem.asm.org/content/80/18/5583.long

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Beatrix Stessl
Institut für Milchhygiene
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-3502
beatrix.stessl@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2014/lis...

Dr. Susanna Kautschitsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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