Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biologische Feldstationen - am Puls unseres Planeten

17.03.2016

Die Galápagos-Riesenschildkröte stand kurz vor dem Aussterben, ohne die Charles Darwin Forschungsstation gäbe es diese und viele andere Tierarten auf den Galápagos-Inseln heute nicht mehr. Artenschutz, Forschung, Information der Öffentlichkeit – die Charles Darwin Station steht exemplarisch für die vielen wichtigen Aufgaben von biologischen Feldstationen (BFS). Forscher des IGB und der renommierte Ökologe Gene E. Likens haben erstmals eine weltweite Bestandsaufnahme durchgeführt: Die meisten der knapp 1300 BFS befinden sich in wenig besiedelten Gebieten. Dabei wäre Forschung auch dort wichtig, wo der menschliche Einfluss auf die Umwelt besonders groß ist.

Ob Artensterben, Landnutzungsänderungen oder Klimawandel – mit Hilfe von BFS können Wissenschaftler globale Veränderungen an Ort und Stelle beobachten und erforschen. Außerdem nehmen diese eine wichtige Rolle für die Bildung und Information der Öffentlichkeit ein.


Luftaufnahme der biologischen Feldstation „Seelabor“ des IGB: In 24 „Seen im See“ können Forscher die Auswirkungen des Klimawandels auf Seen untersuchen (Stechlinsee, Deutschland).

Peter Casper, IGB


Globale Verteilung der biologischen Feldstationen, farbliche Zuordnung zum jeweiligen Schwerpunkt: Land, Binnengewässer, Meer bzw. mehrere Systeme.

Laura Tydecks, IGB

Nun haben Forscher vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und vom Cary Institute of Ecosystem Studies in Millbrook (New York, USA) erstmals umfassende Informationen zu den weltweit verbreiteten Stationen zusammengeführt. Das Forscherteam um die IGB-Wissenschaftlerin Laura Tydecks erfasste insgesamt 1268 aktive BFS, die sich auf 120 Staaten verteilen. Sie decken in ihrem Schwerpunkt marine, limnische und terrestrische Systeme ab.

Diese einzigartige Infrastruktur zur globalen Umweltbeobachtung fehlt in einigen sensiblen Gebieten:
Forschungsstationen sind zumeist in naturnahen und artenreichen Ökosystemen angesiedelt, oft wurden sie ursprünglich als Stationen zum aktiven Naturschutz gegründet, wie etwa die Tundra Ecosystem Research Station in der südlichen Randzone der Arktis in Kanada. Hingegen sind in stark vom Menschen geprägten Gegenden nur wenige BFS zu finden, darunter die Ökologische Rheinstation auf einem ehemaligen Rheinschiff in Köln.

IGB-Direktor Klement Tockner betont: „Wir müssen die Umweltveränderungen dort dokumentieren, wo der menschliche Einfluss besonders ausgeprägt ist. Zugleich sind sensible Gebiete wie Savannen, Wüsten, Bergregionen und küstennahen Regionen wichtige Frühwarnsysteme für den globalen Umweltwandel." Laut der Autoren ist eine einheitliche Strategie für die Gründung neuer BFS nötig, um die Beobachtung, Forschung, Bildung und den Informationsaustausch entlang verschiedener Umweltgradienten und geopolitischer Zonen sicherzustellen.

Gleichzeitig sind BFS aufgrund finanzieller Unsicherheiten, mangelndem öffentlichen Interesse und schlechter Führung immer wieder von der Schließung gefährdet. Klement Tockner hebt hervor: „Wir brauchen dringend solide Langzeitdaten, die den rasanten globalen Wandel und dessen Ursachen dokumentieren, um künftig klare Prioritären im Umweltmanagement zu setzen.

BFS sind als Infrastruktur bei der Unterstützung globaler Programme und Netzwerke, wie der Zwischenstaatlichen Plattform für Biodiversität und Ökosystemleistungen (IPBES) und dem Globalen Beobachtungsnetzwerk von Seen (GLEON) unersetzlich. Diese einzigartige Gelegenheit darf nicht verpasst werden."

Gene E. Likens, Gewinner des Blue Planet Prize 2003 und Gründungsdirektor und Ehrenpräsident des Cary Institute of Ecosystem Studies, betont die herausragende Rolle der BFS in der Ausbildung von Studenten der Umweltforschung, die in dieser Breite nicht auf einem Universitätscampus erreicht werden kann. Daher sollten BFS auch in Zukunft eine wesentliche Rolle bei der Ausbildung der nächsten Generation von Umweltwissenschaftlern spielen. BFS formen einen einzigartigen „Schatz", der unserer Unterstützung bedarf.

Die Datenbank über biologische Feldstationen ist in die „Freshwater Information Platform“ integriert:
http://atlas.freshwaterbiodiversity.eu/

Publikation:
Tydecks, L. et al. (2016): Biological Field Stations: A Global Infrastructure for Research, Education, and Public Engagement. BioScience, doi: 10.1093/biosci/biv174.

Kontakt:
Prof. Dr. Klement Tockner
Tel: 030/64181-602
E-Mail: tockner@igb-berlin.de

Laura Tydecks
Tel: 030/64181-942
E-Mail: tydecks@igb-berlin.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit IGB:
Nadja Neumann/Angelina Tittmann
Tel: 030/64181-975/-631
Mobil: 0170/4549039
E-Mail: pr@igb-berlin.de

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
www.igb-berlin.de

Weitere Informationen zum IGB:
Die Arbeiten des IGB verbinden Grundlagen- mit Vorsorgeforschung als Basis für die nachhaltige Bewirtschaftung der Gewässer. Das IGB untersucht dabei die Struktur und Funktion von aquatischen Ökosystemen unter naturnahen Bedingungen und unter der Wirkung multipler Stressoren. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten bei sich rasch ändernden globalen, regionalen und lokalen Umweltbedingungen, die Entwicklung gekoppelter ökologischer und sozioökonomischer Modelle, die Renaturierung von Ökosystemen und die Biodiversität aquatischer Lebensräume. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Weitere Informationen:

http://atlas.freshwaterbiodiversity.eu/
http://www.igb-berlin.de

Nadja Neumann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise