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Biologe der Universität Stuttgart entdeckt neue Bärtierchenart

20.04.2015

Winzige Panther im Moos

Sie sind Überlebenskünstler wie ihre Artgenossen, aber an der Körperoberseite gefleckt wie ein Panther: Bei zwei Exkursionen in die italienischen und französischen Seealpen entdeckte eine Gruppe um den Stuttgarter Bärtierchenforscher Dr. Ralph O. Schill eine neue Bärtierchenart. Die Beschreibung des Alpenbärtierchens mit dem Namen Echiniscus pardalis wurde jetzt in der renommierten taxonomischen Zeitschrift des Naturhistorischen Museums in Paris veröffentlicht.*)


Die neu entdeckte Bärtierchenart Echiniscus pardalis erhielt ihren Namen aufgrund des pantherartigen Fleckenmuster unter der Körperoberfläche.

Foto: Peter Degma/ Comenius University in Bratislava

Schon seit 2006 erstellt das das Exzellenznetzwerk EDIT (European Distributed Institute of Taxonomy) zur Klassifikation von Flora und Fauna umfassende Artenbestandslisten in ausgewählten Naturschutzgebieten. Dabei haben Gruppen von Biologen vor Ort geholfen, Bestandslisten sämtlicher vorkommenden Tier- und Pflanzenarten zu erheben beziehungsweise vorhandene Artenlisten zu aktualisieren und zu vervollständigen.

Der Stuttgarter Bärtierchenforscher Ralph Schill und seine Kollegen besuchten im Rahmen des Projekts mehrmals den Naturpark Parco Naturale delle Alpi Marittime auf der Südseite der Seealpen sowie den auf französischer Seite angrenzenden Nationalpark Parc National du Mercantour.

Die Wissenschaftler sammelten mehr als 300 Moosproben, in denen sich Bärtierchen bevorzugt aufhalten. Da Bärtierchen die Fähigkeit besitzen, bei widrigen Umgebungsbedingungen einzutrocknen und trotzdem zu überleben, war die Entnahme der Proben verhältnismäßig einfach: In den Untersuchungsgebieten wurde zunächst die Position der Moose mit GPS bestimmt.

Dann schnitten die Forscher kleine Stücke ab, trockneten diese und bewahrten sie in Kaffeefiltertüten verschlossen auf. Bei der nachfolgenden Auswertung konnten dann insgesamt 30 verschiedenen Arten identifiziert werden.

Was die Biologen aber überraschte: Einige der Tiere wiesen ein auffallendes Fleckenmuster auf der Körperoberseite auf, das diese keiner bisher bekannten Art zugeordnet werden konnte. Nach längeren Untersuchungen war sich Ralph Schill dann sicher – das musste eine neue Art sein, die bislang unbekannt war. Zusammen mit seinem Kollegen Peter Degma aus Bratislava gab er den Alpenbärtierchen den Namen Echiniscus pardalis, benannt nach dem Panthermuster (Panther lat. pardalsi) unter der Körperoberfläche.

Exzellenznetzwerk EDIT (European Distributed Institute of Taxonomy) ist ein Zusammenschluss von 25 europäischen, taxonomisch arbeitenden Institutionen und wird von der Europäischen Union mit 12 Millionen Euro gefördert. Ziel des Verbundes ist die bessere Integration der taxonomischen Forschung in Europa.

*) Degma P. & Schill R. O. 2015. — Echiniscus pardalis n. sp., a new species of Tardigrada (Heterotardigrada, Echiniscidae, arctomys group) from the Parco Naturale delle Alpi Marittime (NW Italy), in Daugeron C., Deharveng L., Isaia M.,Villemant C. & Judson M. (eds), Mercantour/Alpi Marittime All Taxa Biodiversity Inventory. Zoosystema 37 (1): 239-249.
Published By: Muséum national d'Histoire naturelle, Paris, DOI:http://dx.doi.org/10.5252/z2015n1a12

Weitere Informationen:
Dr. Ralph O. Schill, Universität Stuttgart, Institut für Biomaterialien und biomolekulare Systeme, Abteilung Zoologie, Tel. +49 711 685-69143, ralph.schill (at) bio.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu, Universität Stuttgart, Abt. Hochschulkommunikation, Tel. 0711/685-82176,
E-Mail: andrea.mayer-grenu (at) hkom.uni-stuttgart.de

www.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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