Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nature Genetics: Cystatin C-Variante als Risiko für die Alzheimer Krankheit

19.11.2007
Schätzungsweise 18 Millionen Menschen leiden weltweit an der Alzheimer Krankheit, Tendenz steigend. Ein wichtiges Merkmal dieser am häufigsten auftretenden Demenzform sind Proteinablagerungen, sogenannte Amyloid-Plaques, im Gehirn von Betroffenen. Diese bestehen hauptsächlich aus abnorm gefaltetem und aggregiertem beta-Amyloid.

Aber auch andere Proteine werden in diesen Ablagerungen gefunden, unter anderem auch Cystatin C, das praktisch von allen Körperzellen gebildet und in alle Körperflüssigkeiten sezerniert wird.

Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass Alzheimerpatienten gehäuft eine bestimmte Variante des Cystatin C-Gens aufweisen. Diese Genvariante führt zu einer verminderten Sekretierung des Cystatin C-Proteins aus der Zelle und somit einer niedrigeren Konzentration von Cystatin C in den Körperflüssigkeiten.

In einer gerade publizierten Studie konnte nun Stephan Käser aus der Arbeitsgruppe von Prof. Mathias Jucker am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung des Universitätsklinikums Tübingen zeigen, dass genetisch veränderte Mäuse, die mit zunehmendem Alter Amyloid-Plaques im Gehirn haben, eine deutlich reduzierte Menge dieser Ablagerungen aufweisen, falls sie gleichzeitig im Gehirn menschliches Cystatin C produzieren. Weiter konnten die Wissenschaftler zeigen, dass Cystatin C an beta-Amyloid bindet und somit dessen Aggregation vermindert.

... mehr zu:
»Alzheimer »Cystatin »Genetics »Nature

Eine Forschergruppe aus den USA, deren Veröffentlichung gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Tübinger Forscher in Nature Genetics erschienen ist, kommt zu genau den gleichen Schlussfolgerungen.

Mehrere Risikogene für die Alzheimer Krankheit sind bekannt, allen voran die Epsilon 4-Variante von Apolipoprotein E. Nun gehört auch Cystatin C in die Liste der Risikofaktoren. Obwohl das Testen für alle diese Genvarianten relativ einfach ist, rät Jucker von Gentests ab, solange den Risikopatienten keine kausale Alzheimer-Therapie zur Verfügung steht. Jucker: "Ich sehe eher die Möglichkeit, Cystatin C-Analoga zu entwickeln. Diese könnten die beta-Amyloid-Aggregation hemmen und damit eventuell zu einem neuen Therapieansatz führen."

Das Tübinger Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, das bundesweit größte und modernste Zentrum für Neurologie, ist ein Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, des Universitätsklinikums Tübingen, der Medizinischen Fakultät Tübingen und der Eberhard Karls Universität.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Prof. Mathias Jucker
Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung
Otfried-Müller Strasse 27, 72076 Tübingen
mathias.jucker@uni-tuebingen.de
Tel. 0 70 71/29-8 19 47, Fax 0 70 71/29-45 21
** Titel der Originalpublikation
Kaeser SA, Herzig MC, Coomaraswamy J, Kilger E, Selenica ML, Winkler D, Staufenbiel M, Levy E, Grubb A, Jucker M (2007). Cystatin C modulates cerebral beta-amyloidosis. Nature Genetics, scheduled to be online Nov 18. 2007

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Alzheimer Cystatin Genetics Nature

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie