Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Haarnadel gegen HIV

30.10.2007
Haarnadelförmige Mimetika ahmen helikales Protein nach, das bei der Vermehrung von HIV eine Rolle spielt

Nach einer HIV-Infektion schleust das Virus sein Erbmaterial in das der Wirtszelle ein. Diese stellt Kopien her, liest die Viren-RNA ab und stellt nach diesem Bauplan Virenproteine her. Komplette Viren werden freigesetzt und befallen die nächsten Zellen.

Ein Team aus Forschern von der Universität Zürich (Schweiz) und der University of Washington (USA) hat jetzt einen potenziellen Ausgangspunkt für einen neuen Wirkstoff entwickelt, der in diesen todbringen Zyklus eingreifen soll. Wie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichtet, handelt es sich dabei um ein haarnadelförmiges Molekül, das die räumliche Struktur eines wichtigen viralen Proteins nachahmt und so das Ausschleusen der Virus-RNA aus dem Zellkern stoppen soll.

Ein wichtiger Schritt im Lebenszyklus von HIV - und neuer interessanter Ansatzpunkt für eine Therapie: Die im Kern der Wirtszelle nachgebaute Viren-RNA wird als langer Strang durch die Poren der Kernmembran in das Zytoplasma der Zelle hinaustransportiert, um dort in Proteine übersetzt oder in eine Virenhülle verpackt zu werden. Dieses Ausschleusen ist ein aktiver Vorgang, der durch ein bestimmtes, Rev genanntes Virenprotein vermittelt wird. Viele Einheiten von Rev müssen dazu an eine Bindestelle auf der Viren-RNA binden, die Rev Responsive Element (RRE) genannt wird. Die Suche nach effektivem RRE-bindenden Inhibitor blieb bisher allerdings erfolglos.

... mehr zu:
»HIV »Peptid »Protein »RRE »Viren-RNA

Es ist eine kleine argininreiche Domäne aus 17 Aminosäuren, die das Rev-Protein seine Bindestelle, eine Furche auf der RNA, erkennen lässt. An die RNA gebunden, weist diese Domäne eine helikale Form auf. Dieses Proteinstückchen wollte das Forscherteam um John A. Robinson und Gabriele Varani nachbauen, um die Bindung von Rev an RRE zu stören.

Sie stellten ein Peptidmimetikum her, ein Molekül, das die Struktur des gewünschten Peptids nachahmt. Wie die Gruppe bereits zuvor zeigen konnte, lassen sich alpha-helikale Peptide durch eine so genannte beta-Haarnadelschleife gut nachahmen. An das robuste Gerüst der "Haarnadel" werden Seitengruppen so angeknüpft, dass sie die für eine molekulare Erkennung wichtigen Atomgruppierungen räumlich genauso präsentieren wie das beim Vorbild, dem helikalen Peptid, der Fall ist.

In mehreren Screeningstufen wurde, ausgehend von einer kleinen Familie zyklischer Haarnadel-Peptidmimetika, nach und nach eine Struktur entwickelt, die fest und recht spezifisch an RRE bindet und in der Lage ist, das Rev-Protein aus Rev-RRE-Komplexen zu verdrängen.

"Haarnadel-Peptidmimetika sind eine viel versprechende neue Wirkstoffklasse," sagt Robinson. "Wir hoffen, dass sich auf dieser Basis ein Wirkstoff entwickeln lässt, der sich für die HIV-Therapie eignet."

Angewandte Chemie: Presseinfo 43/2007

Autor: John A. Robinson, Universität Zürich (Switzerland), http://www.oci.unizh.ch/groups/robinson.html

Angewandte Chemie, doi: 10.1002/ange.200702801

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Dr. Renate Hoer | idw
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de
http://www.oci.unizh.ch/groups/robinson.html

Weitere Berichte zu: HIV Peptid Protein RRE Viren-RNA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt
18.06.2018 | Universität Bern

nachricht Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen
18.06.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics