Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit einer Tasse Kaffee zu neuen Wirkstoffen

18.10.2007
Um Ausgangsstoffe für pharmazeutische Wirkstoffe herzustellen, werden in der modernen Biotechnologie lebende Zellen als kleine Fabriken eingesetzt.

Leider liefern die Zellen die gewünschten Stoffe nicht immer in der geforderten Reinheit: Zellstress ist hierbei die Ursache, dass unerwünschte Nebenprodukte gebildet werden. Der Forschergruppe um Martin Bertau vom Institut für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg gelang zusammen mit Kollegen der TU Dresden nun eine Lösung dieses Problems. Die Zugabe von Coffein schaltet gezielt stressgeschädigte Zellen aus.

Die Natur als chemische Fabrik nutzen. Dies ist das Ziel der "weißen" Biotechnologie. Anwendung findet dieser Ansatz unter anderem bei der Herstellung von Vorstufen für Medikamente. Hierbei setzen Chemiker lebende Mikroorganismen ein, deren Enzyme sie gezielt zur Erzeugung von Vorstufen für Pharmawirkstoffe nutzen. "Einer dieser Organismen ist die Bäckerhefe.

Ihre Enzyme arbeiten wie in einem Großraumbüro zusammen", erklärt Martin Bertau vom Institut für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg. "Die Prozesse sind genau aufeinander abgestimmt, so dass sie sich nicht gegenseitig behindern. Regen wir nun ein Enzym an, für uns einen Stoff zu erzeugen und damit eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen, wird der gesamte Ablauf in der Zelle gestört. Dies kann zu so genanntem Zellstress führen. Dadurch erzeugt die Zelle auch Stoffe, die das Endprodukt verunreinigen."

... mehr zu:
»Enzym »Medikament »Wirkstoff »Zelle

Wollte man bisher die von der Zelle gebildete chemische Verbindung weiterverarbeiten, mussten die nicht gewünschten Bestandteile mit hohem Aufwand abgetrennt werden. Denn an Ausgangsstoffe für Medikamente werden hohe Anforderungen an die Reinheit gestellt. In einem dreijährigen Forschungsprojekt konnten die Wissenschaftler um Martin Bertau nun zeigen, wie sich die Produktion unerwünschter Stoffe bereits in der Zelle unterbinden läßt.

Die Zugabe von Coffein brachte die Lösung. Es verhindert, dass stark stressgeschädigte Zellen in den Produktionsprozess eingreifen, indem diese dazu veranlasst werden, den programmierten Zelltod einzuleiten. Ihr neuartiges Verfahren haben sich die Freiberger Wissenschaftler patentieren lassen. Erste Industriepartner interessieren sich bereits für dessen Umsetzung.

Diese Ergebnisse sind auch von großer Bedeutung für die Aufnahme von Medikamenten im menschlichen Darm. Welche Auswirkungen eine einfache Tasse Kaffee auf die dort vorkommenden Mikroorganismen hat, untersucht die Arbeitsgruppe daran anknüpfend im Rahmen eines europäischen Exzellenznetzwerkes (BioSim).

Kontakt:
PD Dr. Martin Bertau
Institut für Technische Chemie
Technische Universität Bergakademie Freiberg
Tel.: 03731/39 23 84
E-Mail: martin.bertau@chemie.tu-freiberg.de

Christian Möls | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-freiberg.de/

Weitere Berichte zu: Enzym Medikament Wirkstoff Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der „heilige Gral“ der Peptidchemie: Neue Strategie macht Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar
21.02.2018 | Technische Universität München

nachricht Bakterien produzieren mehr Substanzen als gedacht
21.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste Verteidigungslinie gegen Grippe weiter entschlüsselt

21.02.2018 | Medizin Gesundheit

Der „heilige Gral“ der Peptidchemie: Neue Strategie macht Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Designvielfalt für OLED-Beleuchtung leicht gemacht

21.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics