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Früher Vogel fängt die Braut

16.10.2007
Warum bei einigen Vogelarten oft nur die Weibchen im Süden überwintern - die Deutsche Wildtier Stiftung informiert

Schwärme von Kranichen sammeln sich derzeit auf Deutschlands Äckern und füllen ihre Fettreserven für den kräftezehrenden Flug in ihre südlichen Winterquartiere. Unter den Zugvögeln bilden sie hierzulande ein Schlusslicht.

Bei rund 80 Prozent der heimischen Vogelarten hingegen verlässt nur ein Teil der Population den Lebensraum Deutschland, viele praktizieren sogar eine Rollenteilung. "Beim Buchfink, aber auch beim Rotkehlchen oder der Amsel ziehen im Herbst vorwiegend die Weibchen in den Süden. Die Männchen nehmen in unseren Breiten die Strapazen des Winters auf sich, um frühzeitig einen guten Brutplatz zu besetzen. Ob der Standort wirklich angenommen wird, entscheiden jeodch die Weibchen bei ihrer Rückkehr", erläutert Dr. Dieter Martin, Biologe und Leiter der Forschungsstation Klepelshagen. Wer spät kommt, hat nur die zweite Wahl. Der Standortvorteil ist entscheidend bei deutlich schwindenden Wildtier-Lebensräumen.

Der wichtigste Grund für den Vogelzug ist das im Jahresverlauf extrem schwankende Nahrungsangebot in den Brutgebieten.

Insektenfresser finden nur im Frühjahr und Sommer in Deutschland reichlich Nahrung, sie würden hier im Winter verhungern. Umgekehrt versammeln sich in den südlichen Winterquartieren derart viele Vögel, dass auch dort die Nahrung im Frühling zu knapp würde, um Jungvögel großzuziehen.

Teilzieher sind die Arten, bei denen ein Teil der Population, meistens jedoch die Weibchen, in den Süden fliegen. Jahresvögel sind ganzjährig standorttreu. Zu ihnen zählen beispielsweise Haus- und Feldsperlinge, Spechte und viele Meisen.

Gartenbesitzer können Vögeln mit einfachen Mitteln helfen, durch den Winter zu kommen und im Frühjahr Nistmöglichkeiten und Nahrung für den Nachwuchs zu finden. Im Herbst sollte das Laub zumindest unter den Büschen liegen bleiben. Dort finden die Vögel auch im Winter Insekten. Rotkehlchen bauen ihre Nester in geschützten kleinwüchsigen Sträuchern wie Schnee- und Johannisbeere.

Buchfinken brüten gern in Flieder und Liguster - sofern diese nicht als streng beschnittene Hecken zu dicht gewachsen sind. Amseln bauen ihre Nester in mehren Metern Höhe in stärkeren Astgabeln. Sie brauchen hochwachsende Bäume. Dr. Martin: "Generell schafft schon ein bisschen Wildnis im Garten viele Wildtier-Lebensräume".

Birgit Radow | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

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