Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schneller zum Wirkstoff gegen Pilze

09.10.2007
Bisherige Medikamente gegen krankheitserregende Pilze haben ein begrenztes Wirkspektrum und teilweise erhebliche Nebenwirkungen. Mit einem neuen automatisierten Screeningverfahren suchen Forscher am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB nach spezifischen und verträglicheren Wirkstoffen.

Etwa die Hälfte aller Menschen beherbergt den Hefepilz Candida albicans in ihrem Körper. Im Allgemeinen hält das Immunsystem die oft lästigen Untermieter in Schach. Dennoch werden pathogenen Pilzen allein in Deutschland mehrere Tausend Todesfälle pro Jahr angelastet – Tendenz steigend. Insbesondere immungeschwächte Chemotherapie-Patienten oder Empfänger von Transplantaten sind von den lebensgefährlichen Mykosen, also aggressiven Pilzinfektionen, betroffen.

Die bisherigen Präparate sind häufig wenig spezifisch und haben zum Teil erhebliche Nebenwirkungen. Zudem werden die Pilze zunehmend resistent gegen die eingesetzten Wirkstoffe. Forscher am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart haben sich daher mit ihrem Industriepartner EMC microcollections GmbH in Tübingen auf die beschleunigte Suche nach Verbindungen begeben, die spezifisch gegen den Hefepilz Candida albicans wirken und besser verträglich sind als herkömmliche Antimykotika.

Möglich wird die beschleunigte Suche nach antimykotischen Wirkstoffen mit einem neuen zellbasierten Testsystem. Mit diesem Assay haben die Forscher am Fraunhofer IGB eine Substanzbibliothek der EMC microcollections GmbH durchsucht, für die das Unternehmen zehntausende potenzieller Wirkstoffverbindungen synthetisiert hat. »Mit dem Assay können wir die Testsubstanzen in nur einem Ansatz gleichzeitig auf antimykotische Wirksamkeit und Verträglichkeit gegenüber menschlichen Zellen untersuchen«, beschreibt Priv.-Doz. Dr. Steffen Rupp, Abteilungsleiter am Fraunhofer IGB, die Besonderheit.

... mehr zu:
»Assay »EMC »Hefepilz »Nebenwirkung »Wirkstoff
Der ausgeklügelte Test funktioniert folgendermaßen: In den einzelnen Näpfchen einer Mikrotiterplatte befindet sich zuunterst eine Schicht aus lebenden menschlichen Zellen, die dann mit den zu testenden Substanzen aus der Bibliothek sowie Zellen des krankheitserregenden Pilzes Candida albicans versehen und bei Körpertemperatur inkubiert werden. Die Pilzzellen entfalten so normalerweise sofort ihr ganzes pathogenes Potenzial: Sie bilden fadenförmige Hyphen, dringen in die menschlichen Zellen ein und töten sie. Wenn aber eine Substanz das Wachstum des Pilzes hemmt, bleiben die menschlichen Zellen am Leben. »Damit wir das leicht, sicher und schnell erfassen können, versetzen wir die Zellen zusätzlich mit der Vorstufe eines fluoreszierenden Farbstoffes. Nur lebende menschliche Zellen setzen diese zu einem gelben Fluoreszenz-

farbstoff um«, erklärt IGB-Wissenschaftlerin Dr. Anke Burger-Kentischer ihre Vorgehensweise im Labor. »Bei einem gelben Näpfchen wissen wir so auf einen Blick, dass die menschlichen Zellen vital sind. Das heißt, die hier getestete Substanz hemmt das Wachstum des Pilzes oder tötet ihn ab, beeinträchtigt aber nicht die menschlichen Zellen«.

Um Zeit und Kosten zu sparen, haben die Forscher das Screening teilautomatisiert, so dass pro Woche tausende von Substanzen getestet werden können. Auf diese Weise haben die Forscher am Fraunhofer IGB bereits einige vielversprechende antimykotische Verbindungen gefunden, die gegenwärtig auf Patentfähigkeit überprüft werden. Zudem konnten sie in genomweiten Untersuchungen mit Biochips bereits die Targets, also die Zielproteine der Wirksubstanzen, eingrenzen. Um die Wirkung der Substanzen gegen den Pilz nun weiter zu verbessern, modifizieren die EMC-Spezialisten derzeit deren chemische Struktur. Privat-Dozent Dr. Steffen Rupp ist zuversichtlich, dass erste Wirkstoffe schon in den nächsten Jahren klinisch untersucht werden könnten. Das zellbasierte Testsystem wird auf der Biotechnica vom 9. bis 11. Oktober 2007 in Hannover in Halle 9, Stand E 29 vorgestellt.

Das Funktionsprinzip lässt sich auch auf andere Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren übertragen und steht damit für das schnelle Screening weiterer Substanzbibliotheken zur Verfügung.

Dr. Claudia Vorbeck | Fraunhofer IGB
Weitere Informationen:
http://www.igb.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Assay EMC Hefepilz Nebenwirkung Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Selbstfaltendes Origami
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie