Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BRENDA kehrt nach Braunschweig zurück

17.09.2007
Eine der weltweit wichtigsten biologischen Internet-Datenbanken ab jetzt an der TU Braunschweig

Enzyme - sie stellen die größte und "intelligenteste" Gruppe der Eiweißstoffe in unserem Körper dar. Jeden Monat benötigen über 130.000 Wissenschaftler aus aller Welt aktuelle Daten über Enzyme. Sie recherchieren bei BRENDA, einer der meist besuchten wissenschaftlichen Datenbanken überhaupt. Mit der Berufung von BRENDA-Gründer Prof. Dietmar Schomburg an die Technische Universität Braunschweig kehrt nun auch die Datenbank nach Braunschweig zurück.

Enzyme "zerhacken" unsere Nahrungsmittel in kleine Bruchstücke und fügen sie wieder zu neuen Stoffen zusammen, aus denen wir bestehen. Sie werden in der Industrie als Biokatalysatoren für die Synthese von Arzneimitteln verwendet und werden als Fleckentferner den Waschmitteln zugesetzt. Als Biosensoren erlauben sie Zuckerkranken, ihren Blutzuckergehalt zu messen. Eine Fehlfunktion eines Enzyms führt zu schwersten, oft tödlichen Stoffwechselkrankheiten. In Bakterien stellen sie oft die Achillesferse dar, deren Ausschaltung es uns erlaubt, Infektionen zu bekämpfen.

Enzyme sind also eine hochkomplexe und wissenschaftlich hochinteressante Gruppe von Biomolekülen, die weltweit intensiv erforscht werden. Die Veröffentlichung dieser Forschungsergebnisse ist aber auf Tausende von verschiedenen Zeitschriften verteilt, so dass es keinem Wissenschaftler weltweit gelingen kann, auch nur annähernd alle Informationen über Enzyme selbst zusammenzutragen.

Hier kommt nun BRENDA ins Spiel - die "Braunschweiger Enzymdatenbank". 1987 in der damaligen GBF, der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (heute Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung) von Prof. Dietmar Schomburg gegründet, wurde sie 1996-2007 an der Universität Köln in seiner Gruppe zu einem der weltweit meist besuchten Informationssysteme weiterentwickelt. Mit seiner Berufung an die Technische Universität Braunschweig kehrt auch das Projekt BRENDA jetzt nach Braunschweig zurück. Die Datenbank kann in Zukunft unter www.brenda.tu-bs.de erreicht werden.

Mehr als fünf Millionen Zugriffe monatlich auf 70.000 Artikel

Über fünf Millionen Zugriffe verzeichnet die Webseite im Monat. Kein Wunder, dass die EU sie seit 2006 großzügig finanziert, damit sie auch in Zukunft allen Wissenschaftlern aus der Medizin - darunter auch vielen Ärzten - aber auch aus der Biotechnologie und der Grundlagenforschung kostenlos zur Verfügung steht. Eine kostenpflichtige Industrieversion wird von der Wolfenbütteler Firma Biobase an große internationale Konzerne vertrieben.

"BRENDA wird die internationale Sichtbarkeit der renommierten Braunschweiger Fakultät für Lebenswissenschaften weiter erhöhen", so Prof. Schomburg. "Die Datenbank wird ein wichtiger Baustein in dem Forschungszentrum für Systembiologie sein, das die TU Braunschweig und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung jetzt gemeinsam gründen wollen."

Fast 70.000 wissenschaftliche Artikel wurden von der Gruppe um Prof. Schomburg ausgewertet und mehr als zwei Millionen Informationen über Enzyme zusammengetragen. Die Artikel werden in der Abteilung von Prof. Schomburg zusammengestellt, dann an Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus mehreren europäischen Ländern versandt und von diesen ausgewertet. Bisher in Köln, jetzt in Braunschweig werden alle Informationen nochmals überprüft, zu einer Datenbank zusammengefügt und über das Internet in einem komfortablen Benutzerportal zur Verfügung gestellt.

Die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet geht aber so schnell voran, dass die manuelle Auswertung der Literatur in Zukunft in der BRENDA-Gruppe durch automatische computerbasierte Auswertungsverfahren (sogenanntes "Text-Mining") ergänzt wird.

Übrigens handelt es sich bei BRENDA um ein echtes Familienprojekt: Eine der ersten Mitarbeiterinnen an der Datenbank war und ist die Ehefrau des Gründers, die Chemikerin Dr. Ida Schomburg. Auch die jüngste Tochter Karen, die bei Gründung der Datenbank gerade mal drei Jahre war und inzwischen Biochemie an der Universität Bochum studierte, hat nach Abschluss ihres Biochemie Bachelorstudiums schon mitgearbeitet.

Kontakt:
Prof. Dietmar Schomburg
Institut für Biochemie und Biotechnologie
Technische Universität Braunschweig
Tel.: 0531 391-8300
d.schomburg@tu-braunschweig.de

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://fileserver.bioinfo.nat.tu-bs.de/bioinf/
http://www.tu-braunschweig.de/

Weitere Berichte zu: BRENDA Biochemie Enzym Infektionsforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen

23.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Magnetfeld-Sensor Argus „sieht“ Kräfte im Bauteil

23.11.2017 | Physik Astronomie

Max-Planck-Princeton-Partnerschaft in der Fusionsforschung bestätigt

23.11.2017 | Physik Astronomie