Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prionen und Retroviren - eine unheilige Allianz? - Expression endogener Retroviren ist nach Prionen-Infektion verändert

22.08.2007
Im Rahmen des jetzt ausgelaufenen Bayerischen Forschungsverbundes Prionen (FORPRION) konnte ein Team um die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Christine Leib-Mösch zeigen, dass Prion-Proteine in infizierten Gehirnzellen endogene Retroviren aktivieren können.

Die Gruppe sucht am Institut für Molekulare Virologie des GSF - Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg/München (Helmholtz-Gemeinschaft) nach zellulären Komponenten, deren Regulation infolge einer Prion-Infektion verändert ist. In Zusammenarbeit mit Kollegen der Technischen Universität München und der Universität Heidelberg konnten sie mit Mikroarry-Techniken - Mikroarrys sind Chips mit Tausenden oder Zehntausenden von DNA- oder Protein-Proben - nachweisen, dass die Expression von endogenen Retroviren im Mausmodell durch Infektion mit Prion-Proteinen beeinflusst wird.

Prionen - Kurzform für proteinaceous infectious particles - gelten als Auslöser für eine Reihe von Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems, den so genannten spongiformen Enzephalopathien. Zu diesen zählen unter anderem BSE bei Rindern, Scrapie bei Schafen und Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bei Menschen. Prionen sind Strukturvarianten von Proteinen, die auch in gesunden Geweben - vor allem im Gehirn - vorkommen. Das Fatale an Prionen ist, dass sie, einmal in den Organismus eingedrungen, ihre "gesunden" Verwandten strukturell so modifizieren können, dass diese ebenfalls pathogen werden und die Erkrankung fortschreiten lassen.

Über die molekularen Mechanismen der Pathogenese, die Rolle von Ko-Faktoren und die Interaktion von Prion-Proteinen mit zellulären Bestandteilen ist allerdings immer noch wenig bekannt.

... mehr zu:
»Expression »FORPRION »Retroviren

Retroviren wiederum bauen ihre genetische Information in das Erbgut ihrer Wirtszellen ein. Bei endogenen Retroviren handelt es sich um Überreste von lang zurückliegenden retroviralen Infektionen, die über viele Generationen über die Keimbahn weitergegeben wurden. Nahezu zehn Prozent des gesamten Genoms der Maus und des Menschen bestehen aus endogenen retroviralen Sequenzen, die sich im Verlauf der Evolution akkumuliert haben. Die meisten Strukturgene der endogenen Retroviren sind zwar inaktiviert, aber viele regulatorische Elemente, wie zum Beispiel Bindungsstellen für Transkriptionsfaktoren, sind häufig noch aktiv und können benachbart liegende zelluläre Gene beeinflussen.

Die GSF-Wissenschaftler infizierten in Kultur gehaltene neuronale Mauszellen mit Prion-Proteinen und analysierten anschließend die Expressionsmuster der endogenen Retroviren. Die Ergebnisse zeigten, dass die Expression einer ganzen Reihe endogener retroviraler Sequenzen durch die Prion-Infektion beeinflusst wird: Im Vergleich zu nichtinfizierten Zellen nahm die Expression - je nach Zelllinie und Art der untersuchten endogenen Retroviren - zum Teil zu, zum Teil aber auch ab. Durch Pentosan-Polysulfat, einem Anti-Prion-Präparat, konnten diese Effekte unterdrückt werden, das heißt die Beeinflussung der Expression ist tatsächlich auf Prionen zurückzuführen.

Diese Beobachtungen deuten darauf hin, dass Prion-Proteine nicht nur mit Hilfe von Viruspartikeln verbreitet werden, sondern möglicherweise sogar die Produktion solcher Partikel durch Aktivierung von endogenen Retroviren selbst anregen. Diese Retrovirus-ähnlichen Partikel könnten dann dazu benutzt werden, Prion-Proteine von Zelle zu Zelle zu transportieren und so die Infektion zu verbreiten.

Diese Untersuchungen wurden im Rahmen des "Bayerischen Forschungsverbundes Prionen" (FORPRION) in der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Forschungsverbünde abayfor durchgeführt. FORPRION wurde im Jahr 2001 im Zusammenhang mit dem Auftreten der ersten BSE-Fälle in Bayern gegründet und zu gleichen Teilen aus den Etats des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und des Ministeriums für Gesundheit Ernährung und Verbraucherschutz finanziert. Ziel des Forschungsverbundes ist es, sowohl durch Grundlagenforschung als auch durch anwendungsorientierte Forschung zu Erkenntnissen zu gelangen, die bei der Diagnostik und Therapie der Prionkrankheiten bei Mensch und Tier weiterführen und im Verbraucherschutz Anwendung finden. FORPRION vernetzt 25 Projekte, die an fünf bayerischen Universitäten und an Instituten der Max-Planck-Gesellschaft angesiedelt sind. Die Arbeit des Forschungsverbundes FORPRION endete im Juni 2007.

Literatur: A. Stengel, C. Bach, I. Vorberg, O. Frank, S. Gilch, G. Lutzny, W. Seifarth, V. Erfle, E. Maas, H. Schätzl, C. Leib-Mösch, A. D. Greenwood: Prion infection influences murine endogenous in neuronal cells. Biochemical and Biophysical Research Communications 343 (2006) 825-831

Kontakt zur GSF- Pressestelle:
GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Kommunikation
Tel: 089/3187-2460
Fax 089/3187-3324
E-Mail: oea@gsf.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2007/prionen.php

Weitere Berichte zu: Expression FORPRION Retroviren

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Resteverwerter im Meeresboden
24.04.2018 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

24.04.2018 | HANNOVER MESSE

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics