Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regulatorische T-Zellen bremsen überschießende Immunreaktion: Mechanismus jetzt aufgedeckt

14.06.2007
Regulatorische T-Zellen verhindern autoaggressive Immunreaktionen durch zyklisches Adenosinmonophosphat (cAMP) - Veröffentlichung im JEM

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Universitätskliniken in Mainz und Würzburg haben herausgefunden, wie körpereigene Zellen eine überschießende Immunantwort, beispielsweise gegen eindringende Krankheitserreger, verhindern können. "Bei unseren Untersuchungen konnten wir den Mechanismus der regulatorischen T-Zellen aufdecken und damit neue Perspektiven für die Behandlung von Allergien und Autoimmunerkrankungen aufzeigen", sagte Prof. Dr. Edgar Schmitt vom Institut für Immunologie der Universität Mainz. Die Forschungsarbeit wurde in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Experimental Medicine (JEM) veröffentlicht.

Unser Organismus wird durch das Immunsystem vor dem Angriff krankheitserregender Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze geschützt. Zu diesem Zweck verfügt das Immunsystem über ein großes Arsenal sehr effizienter und schnell wirkender Mechanismen. Da allerdings auch die Gefahr besteht, dass sich diese Mechanismen gegen den Organismus selbst richten, was zu allergischen und autoimmunen Erkrankungen führt, müssen sie streng kontrolliert und reguliert werden. Namentlich regulatorische T-Zellen (Tregs) spielen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Diese blutbildenden Zellen entstehen im Thymus und verhindern überschießende autoaggressive Immunreaktionen, die zu schweren Erkrankungen führen können. Schon vor über zehn Jahren wurde gefunden, dass die suppressive Wirkung der Tregs auf direktem Kontakt mit ihren Zielzellen beruht. Trotz weltweiter Anstrengungen konnte allerdings der zugrunde liegende Mechanismus nicht aufgeklärt werden.

Forscher um Dr. Tobias Bopp und Prof. Edgar Schmitt vom Institut für Immunologie (Leiter Prof. Hansjörg Schild) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz konnten in enger Kooperation mit der Arbeitsgruppe von HD Dr. Helmut Jonuleit (Dermatologie, Uni-Klinik Mainz) und Prof. Edgar Serfling (Pathologisches Institut, Uni-Klinik Würzburg) jetzt erstmals zeigen, dass der "second messenger" zyklisches Adenosinmonophosphat (cAMP) eine zentrale Funktion für die suppressiven Eigenschaften von Tregs hat. Tregs produzieren große Mengen an cAMP und übertragen es auf die Zellen, die sie kontaktieren, über Poren in der Zellmembran, sogenannte "Gap Junctions". Diese Zellen, zum Beispiel T-Helferzellen, werden dadurch stark supprimiert, sodass sie nicht länger als zentrale "Antreiber" einer autoaggressiven Immunreaktion fungieren können. Diese Arbeit klärt eine Schlüsselfunktion von Tregs auf und erlaubt damit die Entwicklung neuer immuntherapeutischer Interventionsstrategien zur Behandlung von allergischen und autoimmunen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, der multiplen Sklerose und Typ-1 Diabetes.

... mehr zu:
»Immunreaktion »JEM »T-Zellen »Tregs
Bopp, T., Becker, C., Klein, M., Klein-Heßling, S., Palmetshofer, A., Serfling, E., Heib, V., Becker, M., Kubach, J., Schmitt, S., Stoll, S., Schild, H., Staege, M.S., Stassen, M., Jonuleit, H., and Schmitt, E. 2007. cAMP is a key component of regulatory T cell-mediated suppression. JEM, Vol. 204, No. 6: 1303-1310

http://www.jem.org/cgi/content/full/204/6/1303

Hema Bashyam. 2007. cAMP crosses junctions. In This Issue, JEM, Vol. 204, No. 6: 1240b

http://www.jem.org/cgi/content/full/204/6/1240b

Kontakt und Informationen:
Prof. Dr. Edgar Schmitt
Institut für Immunologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-33228
E-Mail: eschmitt@mail.uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.immunologie-mainz.de
http://www.jem.org/cgi/content/full/204/6/1303
http://www.jem.org/cgi/content/full/204/6/1240b

Weitere Berichte zu: Immunreaktion JEM T-Zellen Tregs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zirkuläre RNA wird in Proteine übersetzt
24.03.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen
24.03.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise