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Peptid erhöht die Empfindlichkeit von Tumorzellen gegen Chemotherapeutika

08.01.2007
Krebsforscher um Professor Dr. Bernd Groner am Chemotherapeutischen Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus in Frankfurt haben ein Peptid gefunden, das resistente Brustkrebszellen wieder empfindlich für die Behandlung mit dem Krebsmedikament Taxol macht. Das Peptid blockiert in den Krebszellen spezifisch den Signalweg, der die Chemotherapie-Resistenz ausgelöst hat.

Tumorzellen unterscheiden sich durch zwei wichtige Veränderungen von normalen Zellen: Sie ignorieren Stoppsignale und wachsen unkontrolliert von ihrer Umgebung; und sie sind weitgehend unempfindlich gegenüber der Auslösung des Zelltodprogramms, d.h. sie sind oft deutlich robuster als normale Zellen gegenüber der Behandlung mit Chemotherapeutika oder Bestrahlung.

Die Krebszellen wehren sich aktiv gegen das Abtöten durch Medikamente. Das ist oft der Grund für ein unbefriedigendes Ansprechen von Therapien bei Krebspatienten und das Auftreten von Nebenwirkungen. Einsichten in die biochemischen Abläufe in den Krebszellen haben Aufschluss über die Mechanismen gegeben, die dieser Abwehr zugrunde liegen. Neue Behandlungskonzepte zielen deshalb darauf ab, diese Resistenzen zu brechen und Tumorzellen wieder für die Wirkung von Chemotherapie und Bestrahlung empfindlich zu machen.

Die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Bernd Groner am Chemotherapeutischen Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus in Frankfurt hat den ErbB2 Rezeptor untersucht, der bei der Entstehung von Brustkrebs eine wichtige Rolle spielt, und der die Brustkrebszellen gegenüber Chemotherapeutika relativ unempfindlich macht. Die Forscher dieser Arbeitsgruppe haben ein Peptid, das ist ein kleines Protein, gefunden, das spezifisch an diesen Rezeptor bindet und dessen Funktion stört.

Das Peptid wurde in Brustkrebszellen eingeschleust und sorgte dafür, dass diese Zellen ihre Resistenz gegenüber dem Krebsmedikament Taxol verlieren und mit der Empfindlichkeit normaler Zellen abgetötet werden können. Das Peptid blockiert in den Krebszellen spezifisch den Signalweg, der die Resistenz ausgelöst hat. Es ist nun vorstellbar, dass das Peptid in der Kombinationstherapie mit chemotherapeutischen Wirkstoffen eingesetzt wird. Dies könnte dazu führen, dass niedrigere Dosen von Chemotherapeutika benötigt werden, um Tumorzellen abzutöten und damit die unerwünschten Nebenwirkungen reduziert werden.

Das Forscherteam um Professor Groner hat dieses Peptid aus einer riesigen Peptid-Bibliothek mit mehreren Millionen Peptiden isoliert. Hochempfindliche biologische Selektionsmethoden lassen es zu, daraus ein individuelles Peptid zu isolieren, das sich spezifisch an den ErbB2 Rezeptor anlagern kann. Auf diese Weise blockiert es eine Funktion des Rezeptors, nämlich die Aktivierung der Proteinkinase AKT. Dieses Enzym vermittelt die Resistenz gegenüber der Auslösung des Zelltod. Andere vom ErbB2 Rezeptor ausgehende Signale sind von der Bindung des Peptids nicht betroffen. Die subtile Wirkungsweise lässt vermuten, dass das Peptid nebenwirkungsärmer sein wird als Wirkstoffe, die alle Funktionen des Rezeptors blockieren. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden in der Dezemberausgabe von "Molecular Cancer Research" Vol. 4 (12), 983-998 (2006) publiziert.

Zum Georg-Speyer-Haus

Das Chemotherapeutische Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus ist ein international renommiertes Institut der Therapieforschung auf den Gebieten der Tumor- und Infektionskrankheiten. Es wurde 1906 in Frankfurt am Main von Franziska Speyer zu Ehren ihres verstorbenen Mannes, des Frankfurter Bankiers Georg Speyer, als Stiftung des privaten Rechts gegründet. Das Institut wird heute aus Mitteln des Bundes und des Landes Hessen gefördert und beschäftigt derzeit 100 Mitarbeiter.

Christine Kost | idw
Weitere Informationen:
http://www.georg-speyer-haus.de

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