Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Maus-Genetiker stärkt biomedizinische Altersforschung

20.12.2006
"Nur durch Erforschung geeigneter Tiermodelle können wir komplexe Vorgänge wie die Alterung und seine assoziierten Erkrankungen beim Menschen wirklich verstehen", so die Aussage von Prof. Zhao-Qi Wang, der seit Anfang 2006 am neu etablierten Leibniz-Institut für Altersforschung - Fritz-Lipmann-Institut in Jena tätig ist.

Schwerpunkte seiner Forschung liegen in der Stabilität des Erbmaterials, in genetischen Aspekten der Neurodegeneration sowie in der methodischen Expertise zur Herstellung genetisch modifizierter Mausmodelle. Damit stärkt Prof. Wang gleich mehrere Themen, die als wesentliche Bestandteile das neue Forschungskonzept des Instituts tragen.

Prof. Wang war 1988 als ausgebildeter Biologe aus Peking, China, zunächst an das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg zu Prof. E. Wagner gekommen. Von hier folgte er seinem Mentor für 9 Jahre an das Research Institute of Molecular Pathology (IMP) nach Wien, bevor er für weitere 9 Jahre eine eigene Arbeitsgruppe an der International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon, Frankreich, leitete. Das IARC unterstützt, als Teil der Weltgesundheits-Organisation (WHO), weltweit die Bekämpfung von Krebs. In über 100 wissenschaftlichen Publikationen ist die beeindruckende Expertise des Mausgenetikers dokumentiert. Sein Hauptinteresse gilt der Funktion von Genen und Proteinen, die die Stabilität und Integrität sowie den Aktivitätszustand des Erbmaterials überwachen. Sind diese Prozesse in der Zelle gestört, kann die Instabilität des Erbmaterials frühzeitige Alterung und Erkrankungen wie Krebs und Neurodegeneration verursachen.

Prof. Wang's erfolgreicher Wechsel nach Jena ist auch den Bemühungen des Freistaats Thüringen zu verdanken: Mit der Ernennung zum Forschungsgruppenleiter am Fritz-Lipmann-Institut wurde er gleichzeitig als Professor für Molekularbiologie an der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universitär berufen. Prof. Wang, der durch seine ausländischen Forschungsaufenthalte Deutsch- und auch Französisch-Kenntnisse besitzt, wird seine Vorlesungen aber zunächst in Englisch abhalten.

So international wie sein Werdegang ist auch Prof. Wang's noch junge Arbeitsgruppe am Fritz-Lipmann-Institut. Wissenschaftler aus derzeit 6 Nationen spüren in seinen Labors den Geheimnissen zellulärer Alterungsprozesse nach. Erste Früchte am Fritz-Lipmann-Institut konnten in einer aktuellen Publikation (EMBO Journal 2006, Vol. 25, 5527-5538) geerntet werden. Prof. Wang und seine Mitarbeiter untersuchten das Gen für die seltene Erbkrankheit Nijmegen Breakage Syndrom. Wenn beide Kopien dieses Gens defekt sind, führt dies bei den betroffenen Patienten u.a. zu Neurodegeneration, Immunschwäche und Krebs. Diesen Zusammenhang konnte er in einer hochkarätigen, klinisch relevanten Publikation auf molekularer Ebene bereits kürzlich zeigen (Nature Medicine 2005, Vol. 11, 538-544). In allen bisher bekannten Patienten sind aber immer noch verkürzte Teile des Gens teilaktiv. Erstmalig konnte Prof. Wang's Gruppe nun Mauszellen herstellen, in denen das entsprechende Protein Nbs1 oder Teile desselben komplett fehlen. Wie sich in diesen Zellen zeigte, ist das fehlende Nbs1 für die Regulation von verschiedenen DNA-Reparaturwegen verantwortlich. Fällt diese Regulation aus, steigt der Anteil fehlerhafter Reparatur von DNA-Schäden, was sich fatal auf die Zellen und den gesamten Organismus auswirkt. Alterung und Erkrankung sind die Folge.

Prof. Wang fühlt sich, auch mit seiner Familie, am Wissenschaftsstandort Jena bereits gut aufgehoben. "Hier in Jena begeistert mich die Aufbruchstimmung der neu etablierten Altersforschung und die Dichte der nahe gelegenen guten Forschungseinrichtungen; es gibt vielfältige Kooperationsmöglichkeiten und eine gute Infrastruktur an den Instituten des Beutenberg-Campus und an der FSU". Ein wesentlicher logistischer Faktor für seine Arbeiten ist natürlich das Tierhaus, welches nun unter seiner Leitung den aktuellen Erfordernissen des Leibniz-Instituts für Altersforschung angepasst wird.

Dr. Eberhard Fritz | idw
Weitere Informationen:
http://www.fli-leibniz.de

Weitere Berichte zu: Alterung Erbmaterial Gen Neurodegeneration

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kontinentalrand mit Leckage
27.03.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht Neuen molekularen Botenstoff bei Lebererkrankungen entdeckt
27.03.2017 | Universitätsmedizin Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE