Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung

01.02.2002


Oldenburger Wissenschaftler haben Konzepte für die Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung entworfen, die zur Umsetzung der Rio-Deklaration der Vereinten Nationen und der Agenda 21 beitragen sollen.



Oldenburg. Was kann die Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung, also zur Umsetzung der Rio-Deklaration der Vereinten Nationen von 1992 und der Agenda 21, dem von mehr als 170 Staaten verabschiedeten Arbeitsprogramm für das 21. Jahrhundert, beitragen? Welche Konzepte müssen dazu entwickelt werden? Diesen Fragen gehen vier Wissenschaftler der Universität Oldenburg in einem Beitrag in der international renommierten Fachzeitschrift "Angewandte Chemie" nach. Bei den Autoren handelt es sich um die Chemiker Prof. Dr. Jürgen O. Metzger und Dr. Marco Eissen, den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Uwe Schneidewind und den Politologen Prof. Dr. Eberhardt Schmidt ("10 Jahre nach Rio - Konzepte zum Beitrag der Chemie zu einer nachhaltigen Entwicklung", in: Angewandte Chemie 2002, 114, Nr. 3, S. 402-425). Der Beitrag steht in Zusammenhang mit der Vorbereitung der "Rio + 10 Konferenz", die vom 26. August bis 4. September in Johannesburg/Südafrika stattfinden wird.



"Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur." So lautet der erste Grundsatz der Rio-Deklaration. Die Weltbevölkerung wird von gegenwärtig sechs Milliarden - davon 1,2 Milliarden in den industrialisierten Ländern - auf neun Milliarden im Jahr 2050 steigen. Das Wachstum wird nahezu ausschließlich in den heutigen Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas stattfinden. Der Lebensstandard in den Entwicklungsländern muss, wenn es nicht zu verheerenden Auseinandersetzungen kommen soll, wachsen und sich immer mehr dem der Industrieländer anpassen. Neben dem Bedarf an Nahrungsmitteln wird auch der an sonstigen Gütern gewaltig ansteigen. Das bedeutet: Ressourcen müssen sehr viel effizienter als heute genutzt werden, d. h. mit der gleichen oder sogar einer geringeren Quantität an Ressourcen muss ein Vielfaches an Gütern produziert werden. Angesichts dieser gigantischen Herausforderungen für die Wissenschaften müsse die gegenwärtig so heiß diskutierte Stammzellenforschung als Luxusforschung der Industrieländer geradezu absurd erscheinen, sagte dazu einer der Autoren, Prof. Dr. Jürgen O. Metzger.

Die Verbände der chemischen Industrien Europas, Japans und der USA haben sich in ihren Zukunftsprogrammen explizit zu ihrer Verpflichtung zu einer nachhaltigen Entwicklung bekannt. Die Oldenburger Wissenschaftler untersuchen beispielhaft Innovationen der Chemie in ihrer ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension, und zwar unter einer "integrierten" und interdisziplinären Perspektive. Die ressourcenschonende Produktion von Basis-Chemikalien sei aufgrund der großen produzierten Mengen und der darauf aufbauenden Produktlinien (z. B. Kunststoffe) für eine nachhaltige Entwicklung von besonderer Bedeutung. Dafür müssten effektivere Katalysatoren und Trennmethoden entwickelt werden, fordern die Wissenschaftler. Außerdem sei im Hinblick auf den vermehrten Einsatz nachwachsender anstelle fossiler Rohstoffe eine Intensivierung der Grundlagenforschung dringend geboten.

Nachhaltigere Prozesse und Produkte in der chemischen Industrie sei jedoch keine Selbstläufer. So müssten die entsprechenden betrieblichen Voraussetzungen geschaffen werden. Umweltpolitische Maßnahmen müssten die Substitution fördern und nicht behindern, fordern die Autoren. Das jüngste Weißbuch der EU "Strategie für eine zukünftige Chemikalienpolitik" und das "Grünbuch zur Integrierten Produktpolitik", das umweltfreundlichen Produkten die Märkte öffnen solle, deute in die richtige Richtung.

Kontakt: Prof. Dr. Jürgen O. Metzger, Fachbereich Chemie, Tel.: 0441/798-3718, Fax: -3329, E-Mail: juergen.metzger@uni-oldenburg.de

Gerhard Harms | idw

Weitere Berichte zu: Entwicklungsland Industrieland

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur
17.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein
17.08.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten